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A Street of Philadelphia: Mein Weg zur „Big U“ (Teil 2) – Begegnung mit einer Legende, gleich neben IKEA

29/05/2014 • Travel Blog

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United States in New YorkWer sich schon lange für Passagierschiffe interessiert, der kennt sie vermutlich besser, als den eigenen Nachbarn. Wer sich zudem seit seiner Kindheit mit Schiffen befasst, der ist mit ihr groß geworden, obwohl er sie dafür niemals im Original sehen musste. Sie stammt aus einer großen Zeit, der Epoche der Transatlantikliner, zu der große Namen wie MAURETANIA, TITANIC, QUEEN MARY, NORMANDIE, QUEEN ELIZABETH, BREMEN, FRANCE und viele weitere bekannte Schiffslegenden gehörten – ehe der Flugverkehr aufkam und den großen Dampfern in den 1960er Jahren mehr und mehr ihre Existenzberechtigung nahm. UNITED STATES, der große amerikanische Ozeanliner, konstruiert von einem Autodidakten, der seit früher Jugend Schiffe liebte, gehört voller Selbstverständlichkeit in diese Reihe der großen Namen. Sie war das schnellste Schiff dieser Gattung, das es jemals gab. Bis heute ist ihre Höchstgeschwindigkeit nicht bekannt, aber man vermutet, dass es während der Testfahrt angeblich 44,7 Knoten bei 268000 PS Maschinenleistung waren.

 

Ich „traf“ die UNITED STATES, die den Spitznamen „Big U“ hat, erstmals Anfang der 1980er Jahre, im Spielwarengeschäft Knolle in der Fußgängerzone meiner Geburtsstadt Peine. Gerade in die Schule gekommen, entdeckte ich beim Stöbern einen Modellbausatz und kam aus dem Staunen nicht mehr raus. UNITED STATES stand darauf, dazu ein Bild, wie das schwarz-weiße Schiff mit den beiden riesigen roten Schornsteinen an der New Yorker Freiheitsstatue vorbeifuhr.

Wow! Das musste ich haben und bekam es einige Zeit später zum Geburtstag. Papa saß schon bald am Basteltisch und langsam entstand unter meiner „Bauaufsicht“ ein kleines Plastikmodell, das am Ende natürlich auch noch in den Originalfarben bemalt wurde.

 

P1120795Seitdem ist die UNITED STATES also in Miniatur bei mir und seitdem habe ich sie jeden Tag gesehen, wenn ich zu Hause war. Leider existieren fast alle Ozeanliner der transatlantischen Epoche nicht mehr. Die großen Schiffe ihrer Zeit fielen der Verschrottung oder Bränden zum Opfer. Sieht man einmal von der QUEEN ELIZABETH 2 ab, die in Dubai liegt, gibt es lediglich noch die QUEEN MARY als Museums- und Hotelschiff in Long Beach und – jawohl, der Kenner weiß es! – die UNITED STATES, die bereits am 2. November 1969 außer Dienst gestellt wurde und seitdem einfach nur herum liegt und auf etwas wartet – das Ende oder einen neuen Anfang, wie der auch immer aussehen mag.

Big UDer Kindheit längst entwachsen, kam dann der Tag, an dem ich mir sagte: Erfülle dir den Traum, besuche sie, solange es noch geht. Einmal auf die beiden großen Schornsteine, die ich so oft in Miniatur gesehen habe, schauen. Ihr Schicksal ist, trotz aufopferungsvoller Rettungsversuche einiger Fans sowie einer Millionenspende eines Millionärs, absolut unklar und wenn nicht jetzt, dann nie. Und so ging es kurzerhand mit einem Mietwagen von New York nach Philadelphia, wo sie in einem Hafenbecken liegt und – ich darf es mal in aller Bescheidenheit sagen – auf MICH wartete.

 

Die große Lady – direkt gegenüber von IKEA

Es ist recht einfach, sie zu finden. Sie liegt am S Columbus Blvd in South Philadelphia. Je näher man ihr kommt, desto stärker wird das Gefühl der Aufgeregtheit. Der Verkehr in Philadelphia ist weitaus freundlicher und geringer ausgeprägt, als in New York, und so ist das Vorankommen gut.

IFDas erste, was ich von ihr sehe, sind die beiden riesigen Schornsteine, wie sie über eine Lagerhalle hinweg thronen. „Boah“, entfährt es mir in Gedanken. Das sieht wirklich fantastisch aus, obwohl das leuchtende Rot von einst längst verblichen ist. Immerhin hat man seit 1969 nichts mehr am Schiff gemacht, außer es verrotten zu lassen. Von Bildern weiß ich, wie schlecht sie aussieht, die Realität nun wird zeigen, welche Spuren 45 Jahre „Nichtstun“ an einem Schiff hinterlassen.

IFIch suche mir einen Parkplatz auf dem IKEA-Gelände, das sich direkt gegenüber des Hafenbeckens der „Big U“ befindet. Hier hat keiner Augen für sie, ich bin der einzige, der mit großen Augen auf diese Legende blickt. Meine Güte, so verrottet sie auch ist, es lässt sich gut vorstellen, wie sie einst gewesen sein muss.

Der direkte Zugang bis ans Schiff ist verwehrt. Ich hatte im Vorfeld alle Hebel in Bewegung gesetzt, direkt heranzukommen, aber es sollte nicht sein. Die durch den 11. September 2001 in Gang gesetzte Security-Maschinerie in der Seefahrt machte auch vor diesem Hafenbecken nicht halt. Dennoch kann man sie gut von der Straße sehen.

Trotz meiner Panne auf der Interstate 95 (siehe Teil 1) habe ich es geschafft, die letzten 15 Minuten Sonnenlicht für Fotos zu bekommen. Ich denke, das war ein Zeichen irgendwo „von oben“, es sollte sein, sie hier und jetzt zu besuchen.

 

IFImmer wieder halten Autos und es wird fotografiert

Je länger ich hier bin – die Sonne geht nun in einem schönen Untergang über Philadelphias Skyline unter – desto stärker fällt mir auf, dass es hier durchaus Menschen gibt, die sich für die UNITED STATES interessieren. Immer wieder halten Autos, werden Fenster heruntergefahren und Bilder gemacht.

Niemand weiß, wie es für sie weitergehen wird. Der Schaden, der durch das Verrotten entstanden ist, sieht beträchtlich aus. Zwar würde man das Schiff gerne als Hotel- und Museum in einer Stadt wie New York sehen, doch weiß jeder, der sich nur ansatzweise mit Schiffen auskennt, welch fast unmögliches Unterfangen es ist, diese Lady wieder in Glanz zu setzen und dauerhaft in Schuss zu halten. Aber ich denke, wenn so etwas zu schaffen ist, dann in Amerika.

IFAls es langsam dunkel wird, heißt es Abschied nehmen. Für immer? In Miniatur wird sie mich, wie seit mittlerweile knapp 35 Jahren, weiterhin begleiten. Ich habe sie in „echt“ gesehen, mit eigenen Augen, mir einen Traum erfüllt. Das war – trotz ihres erbärmlichen Zustands – sehr beeindruckend.

Ich rate jedem Schiffsfan, einmal in diese „Street of Philadelphia“ zu reisen, um ihr „Hallo“ zu sagen. Solange es noch geht.

Galerie UNITED STATES in Philadelphia

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