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Neufundland-Quebec – Eine Reise mit der alten APOLLO

13/05/2019 • Blanc Sablon, Canada, Ferry Crossings, Kanada Ost, Labrador Marine, North America, Seereisen, St. Barbe, Travel Blog, Travel Reports

Sie ist eine der älteren noch aktiven Fähren, wenngleich es in nordamerikanischen Gewässern noch weitaus ältere Fähren gibt. Die von der Jos. L. Meyer-Werft in Papenburg gebaute APOLLO verband Quebec mit Neufundland. Ich machte mich auf eine lange Reise, um sie zu besuchen. Nur wenige Monate später beendete sie ihren Dienst auf der Linie und wurde innerhalb Kanadas verkauft.

Der Weg zu ihr war lang. Abgesehen davon, dass ich erst einmal nach Neufundland kommen musste – natürlich auch über den Seeweg – waren es dann noch mehrere Stunden Autofahrt von Port aux Basques im Süden bis Saint Barbe im Nordwesten der Insel, von wo aus die APOLLO Richtung Blanc Sablon aufbricht (aufbrach muss man leider jetzt sagen).

In Kanada gilt: Der Weg ist das Ziel. Keine Frage, eine Fahrt ohne anzuhalten ist hier nicht möglich. Und so dauerte es auch einen ganzen Tag, ehe ich von Port aux Basques in Blanc Sablon ankam. Was es alles zu sehen gab auf Neufundland, zeigt mein kleines Video.

Das Schiff wurde 1970 ursprünglich für Viking Line of Sweden gebaut. 1976 wurde sie an Olau Line für den Dienst zwischen Sheerness, England und Vlissingen, Niederlande, verkauft und in OLAU KENT umbenannt. 1981 kehrte sie als GELTING NORD des dänischen Betreibers Nordisk Færgefart nach Skandinavien zurück und befuhr die Linie Gelting-Faaborg. 1984 wurde sie als BENODET an Brittany Ferries verchartert, bevor sie 1985 als CORBIÈRE zur Schwesterfirma British Channel Island Ferries wechselte. Anfang der 90er Jahre zog es sie erneut in die Ostsee. Bei Eckerö-Linie zwischen Helsinki und Tallinn war sie zunächst als LINDA 1, ab 1995 wieder unter dem ursprünglichen Namen APOLLO unterwegs. Nach einigen weiteren Charterverträgen Ende der 90er Jahre wurde sie im Jahr 2000 an die Woodward Group of Newfoundland and Labrador, Kanada, verkauft und nahm ihren Dienst bei der Tochtergesellschaft Labrador Marine auf.

APOLLO operierte normalerweise über die Straße von Belle Isle zwischen St. Barbe, auf der Insel Neufundland und Blanc-Sablon, Quebec, nahe der Grenze zu Labrador. Die winterlichen Eisbedingungen verhinderten manchmal, dass die APOLLO in den Hafen von St. Barbe einlaufen konnte. Die Bedienung erfolgte stattdessen vom Hafen Neufundland von Corner Brook aus, was zu einer Überfahrtszeit von 12 Stunden statt 1 Stunde 45 Minuten führte. Wie stark sich der Eisgang auf den Dienst auswirken konnte, zeigte ein Vorfall vom 13. April 2017, als die APOLLO in der Straße von Belle Isle bei Blanc-Sablon, Quebec, für fast 30 Stunden mit 70 Passagieren an Bord im Eis steckenblieb.

Von derart extremen Bedingungen ist in diesem Sommer 2018 nichts zu spüren. Die Sonne liegt über Nordwest-Neufundland, als ich am Abend des 22. Juni 2018 in St. Barbe eintreffe. Es ist ein kanadisches Kaff. Einer dieser vielen Orte, die sehr jung sein müssen, jedenfalls gibt es hier keinen alten Kern, wie man ihn aus Europa kennt. Der Ort selbst ist nicht spektakulär. Das einzige Hotel vor Ort ist auch gleichzeitig mit dem Fährterminal verbunden, das wiederum nicht direkt am Fähranleger zu finden ist. Wobei „nicht direkt“ hier nur wenige hundert Meter bedeutet.

Es lohnt nicht, den Ort zu erkunden, weil alles derart überschaubar ist, dass man dafür nur 10 Minuten braucht und bei der Anreise alles gesehen ist. In der Gegend drum herum gelingen mir ein paar schöne Fotoaufnahmen neufundländischer Wildniss, ehe am Abend die APOLLO kommt. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel läuft die sage und schreibe 48 Jahre alte Fähre an mir vorbei und versetzt mich in eine andere Zeit zurück. Der Fotostandpunkt ist ideal, besser geht es kaum. Es ist ein gepflegter, ausgebauter Weg, der hier direkt ans steinige Ufer führt.

Ich bin allerdings nicht nur der Fotos wegen hier. Natürlich will ich mir eine Fahrt mit dem in Deutschland gebauten Schiff nicht entgehen lassen. Da das Schiff erst am nächsten Tag wieder nach Blanc Sablon fährt, buche ich mich ins Hotel gleich am Fährterminal ein und verbringe eine – wie sollte es anders sein – sehr ruhige Nacht in einem ruhigen Ort in einer ruhigen Gegend.

Am nächsten Tag folgt die Reise mit der APOLLO. Ich lasse hier hauptsächlich meine Fotos und die beiden Videofilme sprechen, die ich von dieser Passage angefertigt habe. Zu meinem Bedauern präsentiert sich das Schiff in einem sehr schlechten Zustand. An Deck sieht es schlimmer aus als auf so mancher Fähre, die zum Verschrotten nach Indien verkauft wurde. Im Innenraum ist vieles noch original. Vergleiche ich es mit alten Fotos würde ich sagen: zu 80% Zustand der Ablieferung im Jahre 1970. Aber es läuft!

Die Besatzung ist freundlich und auf der Überfahrt hört man sogar den Rosthammer. Scheinbar animierte der erschreckend schlechte Zustand dann doch dazu, ein wenig was zu tun. Da klar war, dass das Schiff aufgrund seines Alters und der Größe ersetzt werden sollte, hatte man die letzten Jahre sicher nicht mehr viel hineingesteckt. Dass es in der Wintersaison 2018/19 trotzdem noch einmal zu einem Verkauf kam, zeigt, dass man in Kanada so ganz noch nicht verzichten mag auf die alte Dame.

Viel ist auf der Fahrt nicht los. Neben mir sind einige junge Leute an Bord, die Vogelbeobachtungen vollziehen. Die Rückfahrt wird voller sein.

Das Schiff legt nicht direkt in Blanc Sablon an. Der Anleger ist etwas außerhalb des Ortes. Einige kleinere Eisfragmente schwimmen noch auf dem Wasser und besonders warm ist es trotz Sonne hier nicht. Das hält manch einen Kanadier aber nicht davon ab, im kalten Wind an Deck in T-Shirt und kurzer Hose zu stehen! Ich muss staunen! Hier sind sie echt noch kernig, während ich meine Jacke zuknöpfe und die doppelte Lage Shirt darunter wertschätze.

Ich hatte diese beiden Fahrten vorher im Internet gebucht. Trotzdem muss ich mir die Fahrkarte direkt im Terminal abholen. Da es kein Hin- und Rückfahrtticket gab, laufe ich ins Gebäude in Blanc Sablon – und werde fast vom Schlag getroffen! Der Laden ist voll, die Warteschlange lang. Mir wird klar: Das ist nicht zu schaffen. Zum Glück werde ich vorgelassen, als klar wird, dass ich nur Fußgänger bin. Die Trucker sind gnädig. Hier zeigt sich dann auch das Problem der Route bzw. der APOLLO: Sie ist viel zu klein. Die großen kanadischen Trucks stauen sich hier, denn viele passen nicht an Bord, zumal auch noch ein großer Bus verladen wird. Blanc Sablon kann also bedeuten: warten. Langes warten. So weit das Land, so viel Geduld sollte man hier mitbringen.

Ich trete derweil meine Rückfahrt an. Sie ist etwas stürmischer als die Hinfahrt. Aber die kleine Fähre liegt gut in der See. Das Essensangebot beschränkt sich auf eine kleine Cafeteria; das (geschlossene) Restaurant sieht so aus, als sei es schon seit Jahren nicht mehr geöffnet worden.

Als ich in St. Barbe von Bord gehe, mache ich das mit Wehmut. Ich weiß, dass dieses wohl meine letzte Fahrt mit dem Oldtimer gewesen ist. Lange kann es einfach nicht mehr gehen. Ich behalte recht, zumindest was diese Linie betrifft. Bereits während dieser Bericht hier erscheint, ist die APOLLO auf der Linie St. Barbe – Blanc Sablon Geschichte.

Hier geht es zu den Galerien dieser Reise:

Galerie Saint Barbe

Galerie Passage Saint Barbe – Blanc Sablon

Galerie Blanc Sablon – Saint Barbe

Hier sind die Videos dieses Besuches zu sehen:




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