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Mit einem Bahnticket über die Meerenge von Messina

28/05/2019 • Bluvia, Eisenbahnfähren, Ferry Crossings, Italy, Mediterranean Sea, Messina, Seereisen, Travel Blog, Travel Reports, Villa San Giovanni

Vorbei sind die Zeiten, dass man als Autofahrer oder Fußgänger mit den Eisenbahnfähren zwischen Messina und Villa San Giovanni reisen kann. Während sich früher direkt im Terminal an den Fähren ein sehr preiswertes Ticket für die Überfahrt erwerben ließ, ist der Zutritt zu jenen heute weitgehend verwehrt. Wie ich es trotzdem (sehr einfach) schaffte, an Bord zu kommen, erzähle ich hier.

Wenn es nämlich schon nicht mit einem Fährticket geht, bleibt noch die Eisenbahn, so der Plan. Reisende in den Zügen werden nämlich nach wie vor – mitsamt jener – an Bord befördert. Die einzige Herausforderung dabei ist, erst einmal zu begreifen, dass es die italienische Eisenbahn Trenitalia an ihren Automaten und im Internet nicht zulässt, vom Bahnhof Messina zum Bahnhof Villa San Giovanni zu reisen. Rein praktisch ginge das, denn alle Züge halten jeweils in diesen Bahnhöfen. Nicht nur zur Beladung auf die Fähren; auch zum zu- oder aussteigen. Lediglich eine reine Bahnfahrt zwischen diesen auf beiden Seiten der Meerenge von Messina liegenden Stationen ist im Tarifsystem nicht vorgesehen.

Nachdem ich also mehrfach online wie auch am Automaten versuchte, ein solches Ticket zu kaufen, wich ich auf eine andere Variante aus, nämlich ein Zugticket zwischen dem Tarifpunkt Messina und der nächsten Haltestelle nach Villa San Giovanni, Lamezia Terme. Das Ganze  im InterCity 728, der in Palermo startet und in Rom Termini endet. Dass später auf der gesamten Fahrt, deren Schwerpunkt natürlich auf der Seereise lag, nicht ein Schaffner, nicht eine einzige Kontrolle stattfand, sollte den geneigten (und mit ähnlichen Gedanken spielenden) Leser nicht dazu verleiten lassen, nun ohne Ticket zu reisen. Aber Fakt ist: Es interessierte an diesem 12.02.2019 niemanden, wer in den Zug einstieg und damit auf die Fähre rollte.

Da die noch recht neue Fähre MESSINA wegen technischer Probleme ausgefallen war und zudem die ältere Eisenbahnfähre VILLA auflag, musste die SCILLA den Verkehr allein bewältigen, was zu einer Verspätung von ungefähr einer Stunde führte.

Die SCILLA gehört zu einer Klasse von drei Schwesterschiffen, die von den Italienischen Staatsbahnen im Rahmen eines Projekts zur Erneuerung ihrer Flotte für den Transport von Schienenfahrzeugen und Straßenfahrzeugen bestellt wurden. Das 1985 in der Werft von Castellammare di Stabia gebaute Schiff wurde speziell für den Einsatz in der Meerenge von Messina konzipiert und verfügt gleichzeitig über technische Einrichtungen, die es ihm ermöglichten, zwischen Civitavecchia und Golfo Aranci zu fahren, so dass es nach und von Sardinien eingesetzt werden kann.

Das Hauptdeck des Schiffes hat 4 Gleise für den Transport von Eisenbahnwaggons, während das Oberdeck vollständig für den Transport von Autos vorgesehen ist (war muss man sagen, denn dieser Transport findet, wie weiter oben erwähnt, nicht mehr statt). Der Zugang der Autos erfolgt über zwei Seitenrampen in den Häfen. SCILLA ist mit vier Dieselmotoren ausgestattet, die es ihr ermöglichen, eine maximale Geschwindigkeit von bis zu 20 Knoten zu erreichen.

Das Schiff wurde bisher hauptsächlich auf der Verbindung Villa San Giovanni – Messina eingesetzt, mit Ausnahme von kurzen Einsätzen auf der sardischen Route. Vom  11. bis 27. April 1999 wurde es auch einmal zwischen Bari und Durres eingesetzt. Im Jahr 2000 wurde es umfassend renoviert, wobei die Rettungsboote durch aufblasbare Rettungsinseln ersetzt wurden.

Impressionen dieser „Zugfahrt übers Meer“ finden sich in meiner Galerie und im dazugehörigen Video.

Hier geht es zur Galerie:

Galerie Überfahrt Messina – Villa San Giovanni

Hier ist das Video:

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