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Mallorca im April 2016 – eine schaurig-schöne Angelegenheit

09/04/2016 • Travel Blog

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Schon lange stand es auf der „Reise-To-Do-Liste“: Mit der Fähre nach Mallorca. Während die Anreise mit dem Flugzeug aus deutscher Sicht das Verkehrsmittel erster Wahl ist und so den Flughafen Palma de Mallorca zum drittgrößten Spaniens macht, sind die Fähren aus touristischen Aspekten weitgehend unberücksichtigt.

Die einzelnen Abschnitte dieses Beitrages

Von Barcelona nach Palma de Mallorca

Palma de Mallorca und Peguera

Fahrt durch das Tramuntana Gebirge

Cap Formentor

Von Alcudia nach Barcelona

Fotoalbum

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Von Barcelona nach Palma de Mallorca

Am Anfang steht die Qual der Wahl. Derzeit bieten die Reedereien Balearia und Acciona Trasmediterranea Abfahrten aus verschiedenen Festlandhäfen zu den balearischen Inseln an. Mallorca steht dabei natürlich im Zentrum, doch auch Ibiza und Menorca verbuchten in der letzten Zeit ein erweitertes Angebot, per Schiff erreicht zu werden.

Die erste Überraschung beim Vergleichen der Internet-Preise: Für das gleiche Produkt – Überfahrt mit einem kleinen PKW sowie Übernachtung in einer Kabine – verlangte Acciona Trasmed rund 120 Euro mehr als Balearia. Der Grund dafür liegt aber möglicherweise in der Kapazität der Schiffe, denn direkt nebeneinander fahren die Fähren TENACIA (Trasmed) und ABEL MATUTES (Balearia). Während die erste eine Kapazität von 500 Passagieren und 268 Kabinenplätzen hat, sind es auf letzterer 850 Passagiere und 364 Plätze.

20160404_210752Somit wird eine Überfahrt auf Balearias 2010 gebauter ABEL MATUTES gebucht. Balearia fällt durch erfolgreiche Unternehmenspolitik und –strategie auf und verkündete jüngst den Bau eines sehr großen, innovativen Fährschiffes. Die angebotenen Produkte wie z. B. „late disembarkment“ (spätere Ausschiffung, statt 06:30 Uhr 08:00 Uhr) erscheinen innovativ: So wurde eben jene kostenfreie Option gleich mitgebucht. Warum bei Dunkelheit um 06:30 Uhr das Schiff verlassen, wenn es auch etwas später geht?

Die Hinreise soll vom Hafen Barcelona nach Palma de Mallorca erfolgen; die Rückreise von Alcudia nach Barcelona. Dazwischen wird eine Inselrundfahrt gelegt. Vorher steht der Flug von Hannover nach Barcelona mit Eurowings (Germanwings) auf dem Programm.

Ich kenne Mallorca von zahlreichen Sommerurlauben recht gut, zumal neben klassischem Strandurlaub immer wieder auch Exkursionen zu den vielen Sehenswürdigkeiten erfolgten. Außerhalb der klassischen Urlaubersaison habe ich die Insel jedoch noch nie besucht. Neben der Anreise mit dem Schiff also eine zweite Premiere und schon einige Tage vor dieser Reise ist klar: Es wird (wettertechnisch) nass und ungemütlich. Während Deutschland die ersten schönen Frühlingstage erlebt, ziehen dunkle Wolken über Spanien und speziell die Balearen.

Innerhalb des Hafens von Barcelona gibt es verschiedene Anlegestellen für die Fähren. Man muss schon ein wenig aufpassen, die richtige zu erwischen, denn allein Balearia fährt von zwei verschiedenen Orten im Hafen Richtung Mallorca ab.

20160404_203947Der Anleger für Palma de Mallorca liegt im industriellen Teil des Hafens. Man merkt schnell, dass die Linie vor allem auf Frachtkunden ausgerichtet ist. Die Beschilderung ist eher mäßig, es kann vorkommen, lange in einem LKW-Stau zu stehen, ehe plötzlich irgendjemand mit gelber Warnweste kommt und auf eine Zufahrt speziell für Autos zeigt. Diese vermittelt „Abenteuer Hafen“ pur und liegt, zwischen Containern eingerahmt, derart schlecht einsehbar, dass es ab diesem Punkt ohne Hilfe eines Ortskundigen nicht mehr geht. Dieser wartet jedoch bereits und weist zunächst rückwärts in eine der recht kurzen Spuren ein.

20160404_210359Es ist sinnvoll, sich die Bordkarten zu Hause auszudrucken, was ich auch machte. Doch taucht immer wieder ein großes Problem auf, dessen sich die Fährreedereien offenbar nicht bewusst sind: Man muss beim Buchen im Internet das Auto samt Daten und Marke angeben. Nur leider geht das im Falle eines Mietwagens nicht und man kann nur beispielhaft eine Fahrzeugklasse nennen. Im Falle von Fähren nach Korsika oder Sardinien war das bislang jedoch in der Praxis nie ein Problem. Hier bei Balearia hingegen wurde es eins, wenn auch nur ein kleines.

Balearia hat direkt am Aufstellplatz der Autos ein Zelt aufgebaut, unter dem sich ein Container befindet – der Check in. Drei mobile Toilettenhäuschen sowie ein Softdrink-Automat vermitteln eine sehr rustikale Atmosphäre. Die einzige Mitarbeiterin scheint im Chaos zu versinken. Obwohl die wartende Schlange vor ihrem Container (dessen Fenster vergittert sind und einem mal eben das Gefühl geben, wenig willkommen zu sein) recht kurz ist, dauert es lange, ehe ich an der Reihe bin. Vorher endlose Diskussionen, dazu viel Kopfschütteln der Kunden, mittendrin Telefonanrufe, die die Dame hinter dem Tresen bewältigen muss. Mensch Balearia, geht das nicht besser? Ich fühle mich spontan an die deutsche TV-Serie „Auf Achse“ erinnert, von der ich noch weiß, dass immer irgendwie alles schiefging und das LKW-Fahren organisatorisches Abenteuer in fremden Ländern war.  Das hier ist es auch!

20160404_224131Endlich bin ich an der Reihe! Mein Hinweis, dass es nun statt eines in der Internetbuchung angegebenen Ford Ka ein Opel Corsa Mietwagen ist, lässt sie aufhorchen. Meine unbedarfte und völlig unüberlegte Aussage, dass dieses ja aber eigentlich egal sei, weil beide Autos ungefähr gleich groß sind, lässt ihre Augen böse funkeln: „Der Kapitän möchte schon genau wissen, welche Automarke sie an Bord bringen.“ Nee, ist klar. Also wird meine komplette Buchung noch einmal neu bearbeitet, was Zeit kostet, die ich aber ohnehin an diesem Abend habe.

Verwirrung gibt es bei der verspäteten Ausschiffung. Erst taucht sie in der neu bearbeiteten Buchung gar nicht mehr auf, dann wird alles noch einmal komplett verworfen und der Vorgang startet erneut. Und wieder warten. Im Internet und in meinen Unterlagen ist 08:00 Uhr angegeben, die Dame aber kommt plötzlich mit einem Zettel durchs vergitterte Fenster, auf dem 08:30 Uhr steht. Auf meine Nachfrage bekomme ich keine klare Antwort, nur soviel: Man müssen ja VOR diesem Termin schon am Auto sein. Es ist also nicht 08:30 Uhr. Aha! Trotzdem Rätselraten. Auf meine erneute Nachfrage, wann genau man am Auto sein müsse, erhalte ich keine verständliche Antwort. Der Nervfaktor für diese Dame an diesem Abend ist wohl bereits zu hoch.

20160404_224210Zurück am Auto das nächste Problem, nachdem der Einweiser den Zettel mit der Spät-Ausschiffung an meiner Windschutzscheibe (innen! – „innen“ oder „außen“ wird noch wichtig im weiteren Verlauf) entdeckt und feststellt, ich stünde in der falschen Spur dafür. Es sei leider alles hier recht chaotisch, sagt er und entschuldigt sich mehrfach. In der Tat, es bleibt rätselhaft, warum Balearia bei diesem als reine Routine zu bezeichnenden Vorgang derartige Probleme hat. Immerhin ist das Personal im weiteren Verlauf sehr freundlich. Allerdings auch unbeholfen, denn auf meine Frage, was denn nun zu tun sei, bekomme ich die nahezu unverständliche Auskunft, beim Anbordfahren einfach den Warnblinker einzuschalten, um für die Spätausschiffung berücksichtigt zu werden.

Ich gebe zu, das nicht zu verstehen, aber möglicherweise mache ich mir ja zu viele Gedanken darum. Jedenfalls greift der Einweiser nun bei allen Autos nach der Fahrkarte sowie dem großen „Palma“-Windschutzscheibenzettel und klemmt alles unter die Scheibenwischer.

Man merkt, dass es hier seltener regnet, denn was bei gutem Wetter funktioniert, wird bei Regen schnell zu einem Problem. Sobald man nämlich die Scheibenwischer betätigt, werden die Zettel davon geweht, sofern die Feuchtigkeit sie nicht an die Scheibe klebt. Ich sorge vor und entferne die Zettel wieder, damit eben nicht passiert, was ich später hinter mir beim Boarding beobachte – durch die Gegend fliegende Tickets und Zuordnungszettel, denn die Windschutzscheiben sind regennass und um überhaupt was sehen zu können, muss man die Wischer betätigen.

Irgendwann fährt ein blaulichtblinkendes Polizeiauto auf den Platz. Obwohl es sich um eine innerspanische Route handelt, scheint das Thema Security groß geschrieben zu werden, was ich in diesen Zeiten sehr gut finde. Ein Beamter der Guardia Civil geht zu jedem Fahrzeug, notiert sich die Namen der Passagiere und schaut in die Ausweise.

20160404_224951Planmäßige Abfahrt der ABEL MATUTES soll um 23:00 Uhr sein. Um 22:35 Uhr läuft der Einweiser durch die Autoreihen und ruft was von „noch 10 Minuten“. Als Autoreisender muss man also viel Geduld haben, während man auf den Decks des Schiffes bereits zahlreiche Menschen sehen kann. Als es eine Viertelstunde vor planmäßiger Abfahrt endlich losgeht, kann man am Schiff folgende Beobachtung machen: Eine Rampe führt vom Kai direkt auf eines der oberen Autodecks, die so flach sind, dass wirklich nur Autos reingehen. Diese sind sämtlich leer. Warum bloß wartet man bei Balearia mit der Einschiffung so extrem lange? Es ist bekannt, dass auf Fähren meist erst die Frachtkunden verladen werden, weil logistische Gründe dieses nötig machen. Aber hier? Der Grund erschließt sich nicht, auch wenn er sicherlich gegeben sein mag.

Zur nächsten Verwirrung wegen des „late disembarking“ kommt es auf dem Autodeck, als entdeckt wird, dass ich diese Option gebucht habe. Verwirrung! Was tun? Ich beschwichtige den Mitarbeiter und signalisiere, dass es mir egal ist, wann ich das Schiff verlasse. Mein Gegenüber scheint erleichtert zu sein. Trotzdem würde mein zugewiesener Platz dieses grundsätzlich zuzulassen, denn hinter mir ist niemand.

20160404_235959Gleich nach dem Verlassen des Autodecks warten zwei junge Damen und zeigen jedem Passagier den Weg, ein sehr guter Service! So finde ich recht schnell die Information, wo ich den Kabinenschlüssel bekomme und ein Türklinkenanhänger für das „late disembarking“, was dem Personal anzeigen soll, dass ich meine Kabine später verlassen werde. So lobenswert diese Idee auch ist, sie hat Schwächen, die sich später sofort zeigen werden. Denn kaum ist mein Schild aufgehängt, ist es auch schon wieder verschwunden. Und ich bin endgültig an dem Punkt der Verweigerung. Ich nehme mir vor, die Fähre regulär zu verlassen.

20160404_235750Der Rundgang durch das Schiff macht deutlich, dass es sich bei der ABEL MATUTES eher um ein RoPax-Schiff handelt. Es ist sauber, vor allem die Kabine, aber Highlights gibt es keine. Eine Cafeteria präsentiert typisch spanische Gerichte wie z. B. eine große Paella-Pfanne. Die auf den Bildern abgebildeten Hamburger und sonstiges Fastfood sind nicht zu sehen, aber ich frage auch nicht speziell danach. Die Preise sind „gesalzen“.

Architektonisch besticht die Fähre vor allem im vorderen Bereich durch eine über zwei Decks gehende Cafeteria. Ansonsten ist es sehr „spanish like“ und erinnert stark an die Fähren der Reederei Armas. Viel dunkles Holz, was meinen Geschmack nicht trifft. Der Bereich der Information dagegen ist heller und freundlich.

Die Abfahrt ist um über eine halbe Stunde verspätet, die tags darauf folgende Ankunft dagegen sehr pünktlich. An der Überfahrt gibt es nichts auszusetzen. Das Verweilen an Deck macht aufgrund des Regens wenig Sinn, doch bieten die großen Sonnensegel Schutz. Ebenfalls eine gute Idee und sehr „spanish like“.

Palma de Mallorca und Peguera

Durch die Backbordlage meiner Außenkabine blicke ich gegen 5:00 Uhr morgens aus dem Fenster. Was sehe ich? Einen bombastischen Ausblick! Genau deshalb sollte man als Mallorca-Fan einmal mit der Fähre statt mit dem Flugzeug dorthin reisen. Es ist dunkel, recht viel Wind, Schaumkronen lassen sich auf dem Wasser ausmachen und geradezu gespenstisch erhebt sich gleich neben dem Schiff ein Berg aus dem Wasser. Seine Umrisse sind gerade so zu erkennen, dazu tiefhängende Wolken, die sich durch die diffuse Hintergrundbeleuchtung abzeichnen. Es ist Sa Dragonera, die Dracheninsel, die nur rund 800 Meter von Mallorca entfernt liegt. Eine starke Atmosphäre liegt in diesem Moment.

20160405_062037Bald schon tauchen Lichter mallorquinischer Siedlungen auf – Santa Ponsa, El Toro und schließlich die Orte westlich von Palma.

Zeit, um an Deck zu gehen und das Einlaufen von dort zu beobachten. Leider hat diese Ankunft etwas von einer Norwegen-Fahrt im Herbst; es regnet Bindfäden und ist windig. Die Kathedrale von Palma ist auszumachen, es ist also wirklich Mallorcas Hauptstadt, die ich bisher noch nie bei Aprilwetter sah.

Die ABEL MATUTES legt an der südlichen Pier an und zügig erfolgt die Aufforderung, sich zu den Fahrzeugen zu begeben. Schnell wird klar: Es ist fast wie ein „late disembarking“, denn es dauert rund 45 Minuten, ehe sich die Autos in Bewegung setzen können. Auch hier stellt sich wieder die Frage warum, denn die Rampe scheint direkt von hier zur Pier zu führen, aber ich will nicht vorschnell kritisieren. Irgendeinen Grund für diese späte Behandlung der Autos muss es geben.

20160405_075532Es ist dunkel, es ist regnerisch, aber es ist Mallorca. Was tut man auf Mallorca? Ich jedenfalls wähle als Ziel zunächst den Strand von Peguera, den ich aus Sommerurlauben kenne… feinkörniger Sand, die typischen Sonnenschirme, Liegen, dazu Obstverkäufer, die laut rufend ihre Waren den Strandbesuchern anbieten. Dazu abendlicher Trubel in den Straßen, Hotelanimationen… Ich habe ein ganz klares Bild vor Augen, als ich in Peguera einfahre und kurze Zeit später am Strand stehe.

An diesem Morgen jedoch ist alles anders. Recht hohe Wellen, dunkle, tiefe Wolken, menschenleere Straßen, geschlossene Restaurants und Geschäfte. Zum Glück hatte ich zu Hause darauf verzichtet, eine Badehose einzupacken.

Und dennoch… Das alles hat einen ganz bestimmten Charme. Ich kann nicht sagen, dass es nicht faszinierend ist, dieses alles einmal anders zu sehen.

Fahrt durch das Tramuntana Gebirge

DSC08886Nach einem Spaziergang am Strand – Melonenverkäufer habe ich keinen gesehen – mache ich mich auf, um weiter Richtung Andratx in den Tramuntana Gebirgszug zu fahren. Diese Strecke über die Straßen Ma-1 und Ma-10 ist äußerst empfehlenswert. An diesem Tag sowieso, da ich fast völlig allein auf den Straßen bin. Somit bestehen beste Möglichkeiten, auch einfach mal auf der Straße anzuhalten und Bilder zu machen. Das Wetter indes ist gruselig, gerade hier im Gebirge. Ein scharfer Wind weht durch die Täler, tiefhängende Wolken und nebelartige Schwaden ziehen schnell über die Hänge. Trotz allem muss ich erneut feststellen: Das alles hat seinen ganz eigenen Reiz und bildet einen spannenden Kontrast zum sonnigen Mallorca im Sommer.

DSC08877Hinter Andratx führt die Straße zunächst durch die Berge, ehe sie nach einigen Kilometern an die Küste stößt und fantastische Blicke aufs Wasser ermöglicht. Ein durchdringendes Rauschen ist zu hören, das aber nicht von der Brandung des Meeres kommt, sondern von den Bäumen, in denen sich der starke Wind fängt. Die Situation ist mehr als surreal; ich bin ganz alleine inmitten dieser Landschaft. Hatte ich vorher angesichts des Wetterberichts schlechte Laune und wollte gar die Reise absagen, so bin ich mir jetzt sicher: Das hat sich mehr als gelohnt. Mallorca mal so zu sehen entwickelt sich mit jedem weiteren Kilometer auf dieser Straße zu einem völlig unerwarteten Reise-Höhepunkt.

DSC08916Mein Lieblingsort an der Nordwestküste ist der Hafen von Sóller, so dass ich ein klares Ziel vor Augen habe. Dennoch werde ich es (diesmal) nicht erreichen. Die Fahrt auf dieser Straße dauert aufgrund der vielen Serpentinen recht lange. Ich befürchte, es nicht rechtzeitig nach Alcudia zu schaffen, wo meine Fähre wartet. Nachdem ich durch Banyalbufar gekommen bin, entscheide ich mich für die Weiterfahrt nach Valldemossa. Hier entdecke ich auch die ersten Touris, die zu den Bussen strömen. Ihre Blicke erscheinen mir leicht konsterniert, angesichts des Wetters. So haben sie sich ihren Mallorca-Urlaub sicher nicht vorgestellt.

DSC08932Im Nachhinein betrachtet war meine Entscheidung, nicht nach Port de Sóller zu fahren, falsch, denn ich hätte durchaus die Zeit gehabt. Aber das ist kein Problem, die Insel läuft mir ja nicht weg. Nach dem Besuch von Valldemossa geht es über Palmanyola Richtung Palma de Mallorca, von wo aus wiederum die Ma-13 an die Ostküste führt, wo Alcudia, Mallorcas zweiter Fährhafen, liegt.

Cap Formentor

In Alcudia ist recht viel los. Hier finde ich das Mallorca vor, das ich aus diversen Sommerurlauben früherer Jahre kenne. Neben älteren Leuten sind vor allem viele junge und sportbegeisterte dabei. Vor allem die Straße zwischen Alcudia und Port de Pollenca ist gesäumt von Joggern, Radfahren und anderen Zeitgenossen.

DSC08948Ich habe nun doch noch Zeit. Meine Fähre MARTIN I SOLER ist noch auf Menorca. Bis die in Alcudia anlegt, kann ich gut und gerne noch einmal zum sehenswerten Cap Formentor fahren. Die dorthin führende Straße ist 13,5 Kilometer lang und wurde vom Ingenieur A. Paretti gebaut. Sie ist – wie ihr berühmteres Pendant der Straße nach Sa Calobra – spektakulär und nicht unbedingt etwas für schwache Nerven.

DSC08960Ein wiederum spektakuläres Erlebnis ist der Aussichtspunkt Mirador Es Colomer. Meiner Meinung nach ist es DAS Ziel dieser Strecke, wenngleich nicht an ihrem Ende liegend. Das Auto wird auf einem Parkplatz abgestellt, wo an diesem Tag auch wieder die zahlreichen Busse mit Ausflüglern parken. Von dort aus geht man zu Fuß zu einem Aussichtspunkt (mit Blick auf die kleine Insel Colomer), der atemberaubend ist, denn gleich hinter den gar nicht mal so hohen Mauern geht es schnurstracks 300 Meter in die Tiefe. Und wenn ich ehrlich bin, hätte ich diese Höhe sogar noch auf viel mehr geschätzt. So oder so, es ist Wahnsinn. Ein Besucher schleppt sogar sein Fahrrad mit hier hoch, warum auch immer.

DSC08957Die gesamte Landzunge ist dominiert von Felsen, Wasser und Winden. So auch an diesem ohnehin schon windigen Tag. Verschiedene Winde treten hier auf, die die Ureinwohner als Tramuntana, Ponent, Llevant und Migjorn bezeichnen, auch genannt die „vier großen Brüder“. Daneben gibt es ihre „Cousins“, die Winde Llebetx, Mestral, Gregal und Xaloc.

DSC08976Es gibt in dieser Gegend noch mehr zu entdecken. Mir fallen vor allem die wilden Bergziegen auf, die hier in den Hängen und oft auch ungerührt vom Verkehr gleich an den Straßen Gras fressen. Und auch die Sonne lässt sich nun hin und wieder blicken, als ich mich zum Leuchtturm am Cap Formentor aufmache. Ein Tunnel mit angsteinflössenden Felsüberhängen ist zu überwinden und immer wieder die Gewissheit: Gleich neben der Straße geht es steil in die Tiefe. Zwar gibt es bauliche Absperrungen, aber testen auf Funktion sollte sie niemand. Wer hier mit seinem Fahrzeug auf Tiefe geht, hat verloren.

DSC08980Für mich ist der Weg das Ziel. Am Leuchtturm bleibe ich nicht lange. Der Blick auf MarineTraffic zeigt, dass die MARTIN I SOLER bereits unterwegs ist. Es würde nicht mehr lange dauern, dass sie in Alcudia einläuft. Zeit für mich, das Cap Formentor zu verlassen und die aufgrund der vielen Kurven eher langsam verlaufende Fahrt Richtung Port d’ Alcudia anzutreten.

Von Alcudia nach Barcelona

20160405_104442Alcudia verfügt über ein durchaus beeindruckendes Fährterminal. Es ist äußerst schlicht, aber mit Landgängen zu allen Liegeplätzen ausgestattet, dazu kommen umfangreiche Bauten. Alles in allem sehr modern und in völligem Kontrast zur Situation in Barcelona stehend.

MARTIN I SOLER kommt nicht nur pünktlich an, sie legt auch pünktlich ab. Die Einschiffung läuft geordneter als in Barcelona ab. Auch hier zeigt die Guardia Civil starke Präsenz. Zwei Polizeiwagen sind extra gekommen, um beim Ent- und Beladevorgang anwesend zu sein.

DIFas Fährschiff ist ein wenig älter als die ABEL MATUTES. Im Prinzip ist es innen schöner für die Passagiere, da weniger frachtbasiert. Doch auch hier zeigt sich jener bereits von Armas bekannter Style, der mit vielen dunklen Hölzern daherkommt.

Ganz oben befindet sich ein Swimmingpool, der natürlich in dieser Nebensaison abgedeckt ist. Es sind gerade einmal rund 150 Passagiere an Bord. Dazu gibt es im Innern die bekannten Liegesessel-Abteile sowie eine Cafeteria und ein auf dieser Fahrt geschlossenes Restaurant.

20160405_151724Die Einrichtungen haben verschiedene Namen wie z. B. die Bar ganz achtern: Vienna Burgtheater. Zugegeben: Das klingt etwas seltsam aus deutschsprachiger Sicht, zumal diese über zwei Decks gehende und schön angelegte Bar so rein gar nichts mit einem Theater oder gar Wien zu tun hat. Sei es drum, die architektonische, über zwei Decks gehende Konzeption ist recht interessant. Wären da nur nicht immer all diese dunklen Hölzer und Farben, die das Ganze sehr altbacken aussehen lassen. Ich behaupte, eine spanische Fähre mittlerweile allein daran erkennen zu können.

20160405_144945Das Essensangebot scheint auch hier nicht den ausgehängten Postern zu entsprechen. Hamburger und Co. sehe ich nicht, aber verhungern braucht man trotzdem nicht. Für einen Teller fast kalte Nudeln, eine Cola, ein Stück Kuchen und einen Vanille-Pudding zahlt man fast 14 Euro, was mir sehr teuer vorkommt.

20160405_163310Wie auf der ABEL MATUTES gibt es auch auf der MARTIN I SOLER einen Bordshop. Man kann unter anderem Süßigkeiten kaufen. Und hier tritt ein echtes Manko von Balearia auf: Sowohl auf der MATUTES als auch auf der SOLER sehen die angebotenen Sachen zwar äußerlich „frisch“ aus, sind es aber leider nicht. Das Weingummi pappt zusammen, die Schokosnacks sind deutlich erkennbar mehrfach zu warm geworden. Abgesehen von den hohen Preisen für diese Snacks darf das einfach nicht sein. Klar, es ist in dieser Region recht warm, aber dann muss man eben die Dinge ausreichend kühlen. Sowohl die auf der ABEL MATUTES als auch auf der MARTIN I SOLER erworbenen Snacks kann man nur im Müll entsorgen. Sie sind nicht verdorben, aber eben in diesem Zustand auch nicht mehr anzubieten.

20160405_142728Die Fahrt von Alcudia nach Barcelona besteht aus einem kurzen spektakulären Teil, der aus der Vorbeifahrt an Mallorcas Nordostküste besteht (inkl. Cap Formentor) und einem langen, recht eintönigen, der über See geht. Das Unterhaltungsangebot beschränkt sich auf spanische Comedy und Trickfilme in den verschiedenen Sesselabteilungen. Das obere Passagierdeck ist völlig gesperrt. Offenbar haben hier auf der vorherigen Fahrt Horden gehaust; Schmutz, Dreck und Abfall liegen auf den Böden. Dafür kann Balearia natürlich nichts.

20160405_143345Übrigens haben mitgeführte Haustiere auf diesem Schiff eine eigene Abteilung, die teilweise mit Musik beschallt wird. So etwas habe ich noch auf keinem Schiff gesehen. Ein sicherlich guter Service für Tierbesitzer, wenngleich die Tiere offenbar aufgrund der starken Vibrationen der Fähre ständig am Heulen sind.

DSC09101Kurz vor 20:00 Uhr kommen wir in Barcelona an. Übrigens gibt es keinerlei Möglichkeit, mit der Fähre am Abend von Mallorca zum Festland zu reisen. Alle fahren spätestens am frühen Nachmittag ab; die MARTIN I SOLER ist die letzte. Es geht offenbar darum, alle Schiffe am Abend erneut von Barcelona in Richtung Baleareninsel zu schicken. Für den Reisenden wie mich trotzdem schade, denn einerseits wird wertvolle Tageszeit an Bord verplempert, andererseits muss ein Hotel an Land gebucht werden, denn an diesem Abend gehen keine Flüge mehr nach Deutschland bzw. Hannover.

IFFazit: Mallorca bei norwegischem Wetter im April – das hatte was! Durch die Naturgewalten erschien die Insel noch gewaltiger. Die An- und Abreise mit der Fähre hat sich für mich gelohnt, ist jedoch für den Mallorca-Touri selbstverständlich keine Alternative. Warum ein Schiff nehmen, wenn man mit dem Flugzeug direkt hinfliegen kann? Die Überfahrten dauern bis zu 7,5 Stunden – allein der Flug von Deutschland bis Palma dagegen nur rund 2.

Das Personal von Balearia ist sehr freundlich. Die Fährfahrt zwingt zum Verlangsamen der Reise; wem es also nicht nur darum geht, schnell anzukommen, der sollte einfach mal mit dem Schiff nach Mallorca reisen. Mit ein bisschen Glück kann man bei der Ankunft eine ähnlich fantastische Kulisse sehen, wie ich an jenem Morgen. Man möge es mir glauben: Als Reisebegeisterter habe schon viel gesehen, aber das (wie auch das dunkle, windige Gebirge auf Mallorca) war wirklich etwas „schaurig-schönes“!

 

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