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Kanarische Inseln – Inselhopping per Fähre

20/03/2013 • Seereisen, Travel Blog, Travel Reports

Die Kanarischen Inseln bieten das ganze Jahr über frühlingshafte oder sommerliche Temperaturen. Die Inselgruppe im Atlantik besteht aus verschiedenen Inseln, insgesamt sieben Hauptinseln und sechs Nebeninseln. Das Ziel dieser Reise waren die großen Inseln Gran Canaria, Teneriffa, La Gomera, La Palma, Lanzarote und Fuerteventura, zwischen denen es einen regen Fährverkehr gibt. Die Reedereien Fred. Olsen, Armas und Acciona Trasmediterránea bieten ein dichtes Netzwerk an Transportmöglichkeiten.

 

Allein der Flug nach Gran Canaria kann schon unter gewissen Umständen ein Abenteuer sein, nämlich dann, wenn das Durchschnittsalter der Passagiere an Bord jenseits der 70 liegt, wie in diesem Falle. Keine Kinder an Bord, bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich Rentner. Soweit so gut, das Wetter in Deutschland war schließlich fast schon als dauerhaft schlecht, trübe und kalt zu bezeichnen. Da wollen die meisten sicher einfach nur weg, ob jünger oder älter. Erstaunlich war allerdings das Benehmen manch älterer Herrschaften jenseits der 70. Das ging bereits in der Wartehalle des Düsseldorfer Flughafens los – Gestänker, Gelästere und Geschubse, weil „die anderen“ alle so langsam in den Bus und später das Flugzeug einstiegen. Dass niemand zuerst auf Gran Canaria ankommen würde, selbst wenn er zuerst im Flugzeug sitzt, schienen manche ausgeblendet zu haben (was dann später auch so war, alle setzten tatsächlich – welch große Überraschung! – gleichzeitig auf der Landebahn von Gran Canaria auf).

 

IFGran Canaria

Zunächst stand die Stadt Las Palmas de Gran Canaria auf dem Programm, die Inselhauptstadt von Gran Canaria. Las Palmas ist eine recht große Stadt und verfügt über rund 381.000 Einwohner. Der Hafen der Stadt ist umfangreich und gehört zu den größten am Atlantik. Gegenüber vom Hafen liegt der große Badestrand, getrennt durch das Viertel Santa Catalina.

Von Las Palmas fahren alle drei Fährgesellschaften, wobei Acciona Trasmediterránea einen sehr dünnen Fahrplan bietet und die Häfen im Rahmen eines Rundlaufes mit dem spanischen Festland anläuft. Folglich sieht man die Schiffe der ehemaligen spanischen Staatsreederei Trasmediterránea nicht so häufig, wie die von Naviera Armas und Fred. Olsen.

Die Temperaturen in Las Palmas waren frühlingshaft, beinahe schon sommerlich. Es ist schon ein großer Kontrast, im kalten Deutschland in den Flieger zu steigen und im Sommer anzukommen. Das Wetter war heiter und es wehte ein leichter Wind.

IFMan muss schon genau hinschauen, wenn man mit Naviera Armas von Las Palmas zu einer der anderen Inseln der Kanaren reisen will. Großes Manko ist, dass von 3 verschiedenen Anlegern im Hafen gefahren wird. Zudem gibt es ein kleines Büro am Hafeneingang, wo man Fahrkarten bekommt und auch Boardingkarten. Das Personal von Armas beantwortet ruhig und geduldig alle Fragen. Es ergab sich zufällig eine beachtenswerte Diskussion zwischen einer in der Schlange wartenden Passagierin und einem Mitarbeiter. Da meine Spanisch-Kentnisse nicht so gut sind, bekam ich lediglich mit, dass es offenbar um die Pünktlichkeit der Fähren ging, die aus Sicht der Frau miserabel sei. Und so fingen beide eine leidenschaftliche Diskussion an, die kein Ende fand. Direkt neben dem Bürogebäude lag ein koreanischer Tanker, dessen Seeleute von Deck aus ebenso erstaunt der lautstarken Diskussion beiwohnten, wie alle anderen. Auch nach 25 Minuten war es nicht vorbei, während der Armas-Mitarbeiter die gesamte Zeit völlig ruhig und sachlich blieb.

 

Von Gran Canaria nach Teneriffa 

IFVon Gran Canaria sollte es mit der Armas-Fähre VOLCAN DE TIMANFAYA nach Teneriffa gehen. Armas wirbt mit der jüngsten und modernsten spanischen Fährflotte, was sicherlich richtig ist. Die Schiffe sind alle recht jung, die VOLCAN DE TIMANFAYA wurde beispielsweise 2004 abgeliefert. Dennoch machte sich Enttäuschung breit: Ein Großteil der Türen ließ sich nicht mehr richtig schließen, hier und da war mangelnde Wartung erkennbar. Neue Schiffe bleiben leider nur „neu“, wenn sie gepflegt werden und so ist es wohl eher zu bedauern, dass die Armas-Schiffe meist nur im nationalen Verkehr fahren und sich den internationalen Kontrollen der Port State Control nicht stellen müssen (wie alle anderen).

Die VOLCAN DE TIMANFAYA ist geschmackvoll eingerichtet, wenngleich wir derart viel Holz im Innenraum von Fähren in Nord- und Südeuropa nicht kennen. Für meinen Geschmack etwas zuviel Holz. Das Cateringkonzept basiert auf einer Cafeteria sowie einer Art Bistro im hinteren Bereich der Fähre. Das Angebot war nicht groß und entspricht den spanischen Gepflogenheiten. Es gibt viele Ruhesessel und einen sehr schönen Decksbereich mit Swimming Pool und Poolbar sowie vielen Liegestühlen und zwei großen Sonnensegeln. Es war alles sauber.

IFFast pünktlich ging es um 19:45 Uhr Richtung Santa Cruz de Tenerife los. Die Überfahrt dauerte über 2 ½ Stunden und man spürte gleich nach dem Verlassen des Hafens von Las Palmas deutlich die Dünung des Atlantiks. Das Seegangsverhalten des Schiffes ist sehr gut, es setzte recht bald ein leichtes Stampfen ein.

Dieser Abend war herrlich. Das laue Lüftchen lud dazu ein, sich auf den Liegen am Pool niederzulassen und auf den Sternenhimmel zu blicken, während in Deutschland gerade wieder ein Wintereinbruch zu verzeichnen war. Die Ankunft auf Teneriffa erfolgte gegen 22:30 Uhr.

IFAuf Teneriffa stand unter anderem eine Inselrundfahrt an. Einmal quer über die Insel, einmal von Süd übers Landesinnere und später die Ostroute nach Santa Cruz. Auf dem Programm stand ein Besuch des Nationalparks am Vulkanberg El Teide, dem mit 3718 Metern höchsten Berg Spaniens und dem dritthöchsten Inselvulkan der Erde. Die Fahrt bis zur Seilbahn geht durch unterschiedliche Klimazonen, was sehr interessant ist und viele Fotomotive bietet.

Im Süden Teneriffas liegt der populäre Badeort Los Christianos, der ein weiteres Ziel war. Hier finden sich nicht nur viele Urlauber, sondern auch der Abgangshafen für die Fähren nach La Gomera und La Palma. Armas und Fred. Olsen bieten von hier aus mehrere Abfahrten pro Tag. Mit der Armas-Fähre VOLCAN DE TABURIENTE wurde nach San Sebastian auf La Gomera übergesetzt. Auch dieses (moderne) Schiff gab ein eher nachdenkliches Bild. Nicht richtig schließende Türen, defekte Handtrockner auf den Toiletten – ist es so schwer, das Ding einigermaßen in Schuss zu halten?

 

IFVon Teneriffa nach La Gomera 

Die Fahrt von Teneriffa nach La Gomera dauert eine Stunde. Man kann wählen zwischen Armas und Fred. Olsen (Schnellfähre). Da ich grundsätzlich normale Fähren den Schnellfähren vorziehe, wurde es also Armas.

La Gomera ist die zweitkleinste der Hauptinseln. Hier leben rund 23.000 Einwohner. Es ist sehr zu empfehlen, eine ausgedehnte Inselrundfahrt zu machen, denn die Insel bietet sehr schöne Naturaussichten. Es ging von San Sebastian Richtung Westen (Benchijigua) und Richtung Norden (Santa Catalina). Außerdem wurde die Inselhauptstadt San Sebastian besucht.

 

Von La Gomera nach La Palma 

Von La Gomera ging es weiter mit der VOLCAN DE TABURIENTE nach La Palma, der westlichsten der großen Kanareninseln.

Eine kleine Katastrophe bahnte sich an, nachdem sich das Navigationsgerät mangels Akkukapazität verabschiedet hatte. VOLCAN DE TABURIENTE kam verspätet gegen 23:00 Uhr in Santa Cruz de la Palma an und nun musste der Transfer vom Hafen zum Hotel erfolgen. In der Nacht und in einer immerhin 16000 Einwohner zählenden, unbekannten Stadt. Das dass fast ein Ding der Unmöglichkeit ist, leuchtet ein. Aus der Erinnerung heraus wurde somit der Weg „rekonstruiert“. Das klappte am Anfang erstaunlich gut, aber Santa Cruz de la Palma ist am Hang erbaut worden und besteht somit aus verschiedenen Höhenlagen. Fazit: Irgendwann am späten Abend kam die Feststellung (es ging stramm auf Mitternacht zu), dass es nahezu unmöglich ist, das Hotel zu finden. Ein zufällig am Straßenrand stehendes Polizeiauto, dessen Beamte vielleicht den Weg hätten erklären können, war leer und auf den Straßen sonst auch nichts mehr los. Durch Zufall kam dann aber doch noch ein Hotelschild. Leider an einer Weggabelung. Und leider ohne erkennbaren Pfeil. Links oder rechts? Rechts! War natürlich falsch und es war wiederum eine Riesenherausforderung, wieder zu dem Schild zurückzukommen (zwei, drei mal links, vier mal rechts reichen schon…)

Der andere Weg – links – war dann der richtige. Und so gelang es tatsächlich, das gut versteckte Hotel doch noch zu finden.

La Palma ist eine sehr grüne Insel, was ihr den Beinamen Isla Bonita einbrachte. Die Vegetation ist üppig. Da La Palma etwas abseits liegt, ist das Liniennetz aus meiner Sicht nicht ganz so komfortabel wie rund um Gran Canaria und Teneriffa. Alle drei Fährreedereien laufen die Insel an, wobei Acciona Trasmediterranea aufgrund seltener Abfahrten eher uninteressant ist, will man nicht Tage auf eine Abfahrt warten.

 

IFVon La Palma nach Teneriffa 

Zurück nach Teneriffa ging es nun mit Fred. Olsen. Ich bin kein Freund von Katamaranfähren und von denen von Fred. Olsen schon gar nicht. Das Design ist m. E. grauenvoll, vor allem dass der BENCHIJIGUA EXPRESS, die gar ein Trimaran ist, der zweigrößte der Welt übrigens. Trotzdem muss ich fairerweise sagen: Fred. Olsens Angebot an Bord ist sehr gut! Die Ausstattung ist recht stilvoll, es ist gepflegt und sehr modern. Im direkten Vergleich ist Fred. Olsen teurer, aber auch wirklich besser als Armas. Man kann es auf einen Nenner bringen: Armas hat Schiffe, die auch danach aussehen, Fred. Olsen den besseren Service mit Schiffen, die nicht nach Schiff aussehen. Da 99,9 % der Reisenden ziemlich egal ist, wie das Schiff aussieht, ist meine Empfehlung deshalb die “schlendrianlose” Reederei Fred. Olsen (zähneknirschend).

Die Schnellfähre BENCHIJIGUA EXPRESS fuhr zunächst nach La Gomera, lud dort noch einmal Passagiere und Autos und fuhr dann nach Los Christianos auf Teneriffa.

Dort wurde die Inselrundfahrt fortgesetzt, wie bereits erwähnt über den Ostteil der Insel. Irgendwann reichte jedoch die serpentinenartige Strecke mit ihren unendlich vielen Kurven. Erinnerungen an Korsika April 2011 wurden wach, wo akute “Seekrankheit” im Auto drohte, nachdem auf ähnlich kurviger Strecke durch die Berge Kurve 1678 genommen wurde und das flaue Gefühl im Magen plötzlich zu einem konkreten wurde. Für die letzten Kilometer nach Santa Cruz de Tenerife wurde deshalb die Autopista genommen.

Santa Cruz de Tenerife präsentiert sich als moderne Stadt. So wie Teneriffa generell, ist auch die Hauptstadt ein angenehmes Plätzchen.

 

IFVon Teneriffa nach Gran Canaria 

Von Teneriffa ging es, wiederum mit Fred. Olsen, nach Gran Canaria, genau genommen nach Agaete an der Westküste. Die BENCOMO EXPRESS braucht eine Stunde für die Fahrt. Großer Nachteil des ansonsten im Innenbereich tadellosen Schiffes ist die bei Schnellfähren übliche mangelnde Decksfläche. Nur als Kunde der 1. Klasse, die Fred. Olsen wie viele andere Fährreedereien anbietet, kommt man nach draußen.

Agaete ist einer jener Badeorte, von denen es auf den Kanarischen Inseln recht viele gibt. Er lädt zum Verweilen und natürlich zum Urlauben ein. Von Agaete stand eine kleine Inselfahrt über Gran Canaria an. Das beinhaltete vor allem den Nordteil der Insel. Ziel war wieder Las Palmas.

 

IFVon Gran Canaria nach Lanzarote 

Von Las Palmas erfolgte die einzige Nachtfahrt auf einem Schiff. Mit Armas` VOLCAN DE TAMADABA ging es über Nacht nach Arrecife auf Lanazrote. Armas ist die bislang einzige Reederei, die ich erlebt habe, die 2 Rezeptionen/ Infoschalter an Bord hat. Warum und wieso wurde mir nicht klar, zumal man aus Gründen der Effektivität beide zu einer zusammenlegen kann. Kommt man also an Bord und will seinen Kabinenschlüssel abholen, bekommt man an der Information die Auskunft, bitte in den Kabinentrakt zu gehen, wo die Kabinenrezeption ist. Dort muss man dann recht lange warten, denn der einzige Mitarbeiter der Information bedient gleichzeitig auch diese Rezeption (die Auskunft, dass in 15 Minuten die Rezeption geöffnet wird, stimmte nicht ganz, daraus wurden 35). Warum gibt man die Schlüssel nicht gleich an der Information aus?

Die Kabinen sind sehr einfach gehalten. Es gibt keine Seife, kein Shampoo, immerhin aber Handtücher und einfache Betten, die auf einem Gestell stehen. Erinnerte so ein bisschen an Jugendherberge aus Schulzeiten. Kennt man heutzutage so nicht mehr von modernen Fähren. Sauber war auch hier alles, der bereits beschriebene Schlendrian nicht ganz so ausgeprägt. Bei aller Kritik muss jedoch absolut positiv hervorgehoben werden, dass Armas auch deutsche Durchsagen macht und ein kleines Kinoprogramm bietet. Das ist ein schöner Service.

IFArrecife auf Lanzarote war früher als erwartet erreicht. Es stand eine Fahrt zunächst von Arecife nach Puerto del Carmen an, dann nach Yaiza und weiter Richtung Mancha Blanca und La Santa und dem dortigen Sport Ressort. Von La Santa ging es dann zurück durch den Timanfaya-Nationalpark mit seinem Lava-Meer, Yaiza und schließlich Playa Blanca, einem Touristenort, von wo aus Armas und Fred. Olsen nach Corralejo auf Fuerteventura fahren.

 

IFVon Lanzarote nach Fuerteventura 

Die Armas-Fähre VOLCAN DE TINDAYA wurde für die 35-minütige Fahrt nach Fuerteventura gewählt. Sie war sehr voll.

Corralejo auf Fuerteventura ist ein populärer Touristenort. Er liegt an der Nordküste, gleich direkt an einem großen Dünenpark, der einer Wüste gleicht. Die Reise führte nach Puerto del Rosario und von dort ins Inselinnere nach Antigua (hier wurde dann endlich die 30°C-Marke geknackt), weiter über Costa Calma nach Morro Jable. Dieser Ort ist ebenfalls sehr beliebt bei Touristen. Die Gegend um Morro Jable wurde ausgiebig in Augenschein genommen.

Von Morro Jable fahren wiederum Fred. Olsen und Armas nach Gran Canaria. Bereits bei der Reiseplanung vorher war klar, dass es bei „geschickter“ Buchung der Fähre zu einer Begegnung auf See mit der Acciona-Trasmediterranea-Fähre SOROLLA kommen könnte.

 

IFVon Feuerteventura nach Gran Canaria 

Von Morro Jable ging es mit Fred. Olsen`s BONANZA EXPRESS nach Las Palmas. Hier wurde die 1. Klasse genutzt, die auf dem oberen Deck zu finden ist. Man kann diesen „Premiumangeboten“ auf den Fähren gegenüberstehen, wie man will – das Reisen wird dadurch angenehmer, denn kaum jemand verirrt sich in diese besserklassigen Bereiche. Das Upgrade kostete in diesem Falle aufgrund des bereits teuren Tickets nur 5 Euro. Dafür gab es einen riesigen Raum (der bis auf einen Fahrgast leer war), bevorzugte Behandlung bei Boarding, bevorzugte Behandlung beim Stauplatz auf dem Autodeck, kostenlose Getränke und Zeitungen sowie eine offene Decksfläche. Das hat sich gelohnt, war gut und ist zu empfehlen. Die Fahrt nach Las Palmas verging damit recht angenehm, letztlich sind diese Fährüberfahrten jedoch eher unspektakulär und langweilig.

Und was war nun mit SOROLLA? Über Marinetraffic ließ sich bereits vorher erkennen, dass es passen würde. SOROLLA war pünktlich und BONANZA EXPRESS auch. Leider war die Entfernung auf See zu groß, dennoch gelang ein, wenn auch wenig taugender, Schnappschuss als Erinnerung. Die bereits eine Stunde früher nach Las Palmas gestartete Armas-Fähre VOLCAN DE TAMASITE wurde kurz vor dem Erreichen den Hafens auf Gran Canaria noch überholt.

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