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Mailand – Messina: Italien maritim

23/05/2012 • Travel Blog, Travel Reports

Von Mailand nach Messina. Ein Italiener und ein Deutscher in einer japanischen Blechkiste einmal quer durch Italien. Von Nord nach Süd, über Sardinien. In der Luft, zu Land und zu Wasser. Einige tausend Kilometer. Einblicke in ein Land, eine Beerdigung und die maritime Seite. 

 

Unsere Reise begann in aller Frühe am Flughafen Köln-Bonn und führte uns zunächst nach Mailand. Von dort aus ging es nach Genua. Wieder mal mit einem irrwitzigen Stau, was aber offenbar normal für die Autobahnen rund um Mailand ist.

IFIn Genua stand neben einer Hafenrundfahrt eine kleine Besichtigungstour durch die Stadt an, ehe es weiter Richtung Süden ging. Das Ziel war Cinque Terre, ein Küstenstreifen mit fünf wunderschönen Dörfer an der Italienischen Riviera, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Laut italienischer Fachmeinung, die 50% der Reiseteilnehmerschaft ausmachte, sollte mir das schönste aller fünf Dörfer gezeigt werden. Vernazza. Heraus kam dabei ein durch eine Naturkatastrophe in Mitleidenschaft gezogener Ort sowie schließlich noch eine echte italienische Beerdigung, in die wir zufällig hineingerieten. Der Verblichene wurde dabei erst mit einem recht neuen, großen Mercedes durch den Ort gefahren – wir mussten uns zwangsläufig dem Trauerzug anschließen, weil dies der einzige Ausweg aus dem Dorf war – und schließlich auf der Ladefläche eines Traktors zum hochgelegenen Friedhof gebracht.

In Vernazza gab es am 25. Oktober 2011 eine verherende Schlammlawine – was wir nicht wussten, als wir in den Ort kamen. Mehrere Menschen kamen dabei ums Leben. Es entstand ein Schaden von über 100 Millionen Euro. Die Spuren dieses Unglücks waren deutlich sichtbar, während der Wiederaufbau im vollem Gange war.

Von Vernazza aus fuhren wir nach La Spezia, um von dort aus weiter Richtung Livorno zu düsen. Livorno ist sicherlich kein italienisches Highlight, doch ging von hier aus unsere Fähre nach Olbia auf Sardinien. Mobys MOBY WONDER brachte uns über Nacht auf die italienische Insel. Vor allem die Einfahrt nach Olbia am frühen Morgen stimmte bereits perfekt auf Sardinien ein. Gerne erinnere ich mich immer wieder zurück an meine allererste Ankunft auf Sardinien, seinerzeit mit dem Flugzeug von Berlin nach Olbia, wo mich direkt am Flughafen ein eigentümlicher, sehr angenehmer Blumenduft empfing, wie ich es so bislang nur auf Sardinien erlebte.

Zu unserem großen Erstaunen war die MOBY WONDER rappelvoll mit Autos und es dauerte am folgenden Morgen mehr als eine Stunde, um das Schiff zu verlassen.

 

IFSardinien: Erkundung des Nordostens und das Thema Tirrenia Di Navigazione

Von Olbia ging es zunächst nach Santa Teresa Di Gallura. Von dort dann nach Palau, wo wir mit der Fähre ISOLA DI S. STEFANO zur Insel La Maddalena übersetzten. Sardiniens kleine Nachbarinsel im Nordosten ist ein kleines Schmuckstück und sollte von jedem Sardinienreisenden mal besucht werden. Zurück brachte uns die ISOLA DI CAPRERA.

Von Palau aus fuhren wir zurück nach Olbia – wir mussten uns erstmal im Auchan stärken (Auchan ist ein Einkaufszentrum beim Flughafen Olbia – hier gibt es den besten Mc Donalds in ganz Olbia, wobei noch erwähnt werden sollte, dass es auch gleichzeitig der einzige ist und wir am Ende ganz klassisch die Pizza im Laden daneben wählten), ehe wir Golfo Aranci besuchten sowie zahlreiche weitere Küstenorte im Nordosten der Insel.

Abends dann schifften wir uns bei Tirrenia ein, Italiens ehemals staatliche Fährreederei und Hassobjekt vieler Italiener. Ich will darauf an dieser Stelle nicht weiter eingehen, jedenfalls konnten wir sofort aufs Schiff fahren, ohne jegliche Wartezeit im Hafen. Die RAFFAELE RUBATINO wartete mit einer gemütlichen Innenkabine und wirklich sehr gut schmeckender Lasagne auf uns. Neben zahlreichen anderen Mitreisenden war auch eine Polizeitruppe mit an Bord, die zum Erstaunen des deutschen Reisenden (sprich mir) auf der Überfahrt nicht nur munter in einem Salon in aller Öffentlichkeit zockte, sondern neben dem obligatorischen Wein auch andere, härtete alkoholische Getränke konsumierte. Die Waffe natürlich stets griffbereit im Halfter.

Mein italienischer Mitreisender fand das Ganze weit weniger aufregend als ich… Das fand ich sehr beruhigend.

Viel Spannender für ihn war, dass Tirrenia immer noch Tirrenia ist. Mögen noch so viele Krisen die Welt erschüttern und verändern – eines ist gleich geblieben im Vergleich zu den 1980er und 1990er Jahren: Die Art, mit Tirrenia zu reisen. Grundsolide. Ein großer Salon. Entertainment kommt aus zwei Fernsehern (davon sogar noch ein Röhrenfernseher), der Passagier hat die Wahl zwischen einer italienischen Telenovela und “Italien sucht den Superstar”, freilich ohne Dieter B. Vor den Fernsehern in Stühlen nebeneinander sitzend die Passagiere – ebenfalls ein Bild wie aus den 1980ern. Wer keine Lust auf das anspruchsvolle Programm hatte, saß über eigens mitgebrachten Brettspielen. Da ich kein Italiener bin und Tirrenia immer schon sehr aufgeschlossen gegenüberstand (und stehe), muss ich fairerweise sagen, dass es auch noch ein Kinoprogramm gab, dass das Schiff recht sauber war und vor allem superpünktlich. Tirrenia: absolut OK!

Ebenfalls typisch für Tirrenia, dass keinerlei Frauen an Bord arbeiten. Ich habe noch keine Fährflotte erlebt – und ich habe VIELE erlebt – auf der es nur Männer gibt. Da scheint Tirrenia eisern zu sein.

Tirrenia ist und bleibt Tirrenia. Die meisten (?) oder manche (?) Italiener hassen es, jedenfalls laut mitreisender italienischer Fachmeinung, ich dagegen habe mich recht wohl gefühlt und empfand das gebotene Produkt als Okay. Ich denke, Menschen brauchen immer auch etwas, was sie hassen können und wenn man die Stories aus der Vergangenheit so hört, dann haben sie auch alle mein Mitleid.

Vielleicht hat sich Tirrenia ja doch geändert und ist nicht mehr das, was es mal war?

Übrigens: Tirrenia nutzt für den Schriftzug und die Namenszüge eine eigene Schriftart.

Sie heißt: Tirrenia.

 

IF

Neapel, Ischia, Procida und ein besonderes Wiedersehen mit einer alten “Bekannten”

Früher als geplant trafen wir am nächsten Morgen in Civitavecchia auf dem Festland ein. Nun folgte eine über dreistündige Fahrt auf der Autostrada nach Neapel, Italiens drittgrößte Stadt. Das erste, was uns neben Pizza dazu einfiel, war – natürlich! – Bud Spencer, der hier nicht nur geboren wurde, sondern Neapel auch in zahlreichen filmischen Meisterwerken wie die “Plattfuß”-Filme verewigte. Italiener und Deutsche haben diesbezüglich offenbar Gemeinsamkeiten in dem, woran sie gerne zurückdenken, jedenfalls Männer.

Da wir eine Ausfahrt zu früh nahmen, mussten wir uns durch Neapels Straßen bis zum Hafen kämpfen. Kein leichtes Unterfangen, doch ich passte mich recht schnell der lokalen Fahrweise an und so wurde es eine mit Gesten und Huperei durchsetzte Fahrt auf oft unmarkierten Straßen, auf denen es mal zweispurig und mal dreispurig lief. Wie ich im ganzen Stress so nebenbei erfuhr, machen die Italienier einfach eine dritte Spur auf, wenn`s nötig wird. Fahrbahnmarkierungen sind da nur hinderlich. Zwischendrin noch Roller und Motorräder, alles kreuz und quer, Mut zur Lücke, wer hier Angst hat, verliert. Bloß nicht spontan die Spur wechseln, ohne in den Rückspiegel geschaut zu haben.

Recht schnell fanden wir am Hafen einen Parkplatz, was auch nötig war, denn wir waren unter Zeitdruck. Die Fähre nach Ischia sollte recht bald ablegen. Ein uns völlig unbekannter Typ kam ans Auto, verlangte 10 Euro für einen ganzen Tag (wir frohlockten noch “Was für ein Super-Preis für eine Großstadt wie Neapel” und schlugen uns in die Hände) und gab an, wir sollten den Wagen offen und den Schlüssel stecken lassen – jeder verfügbare Raum musste hier ausgenutzt werden und er wollte dazu den Wagen umparken. Natürlich taten wir, wie “befohlen”, nur um 2 Stunden später auf der Fähre in einem Anflug ernsthaften (und an diesem Tage erstmaligen!) Nachdenkens fernab von Themen wie Bud Spencer und Kamikaze-Fahrweise Zweifel zu bekommen: In Neapel (wo die Camorra inoffiziell als größter Arbeitgeber gilt und die Kriminalitätsrate nicht unbedingt vergleichbar ist mit der auf dem Dorfe zwischen Hannover und Braunschweig) das Auto offen mit Schlüssel in der Zündung und persönlicher Habe im Kofferraum am Hafen stehen lassen und den ganzen Tag auf `ner Fähre und Insel im Golf unterwegs sein. Das dem Typen am Hafen auch noch lang und breit erzählen. “Haben wir sie eigentlich noch alle?”, war recht schnell das Fazit unseres zu späten “Nachdenkens”.

Offenbar schaltete der Zeitdruck die Gehirne aus und fortan war die Hoffnung unser Begleiter. Zum Glück war der Humor in unserer kleinen Reisegruppe stark ausgeprägt und wir machten uns schon mal vorsorgliche Gedanken, was für ´ne Geschichte wir dem Vermieter erzählen würden, wenn wir ohne sein Auto zurück kämen.

Um es vorweg zu nehmen: Als wir wiederkamen war der Wagen noch da, inklusive aller Sachen darin. Er stand woanders, wurde also umgeparkt, alles war gut. Deshalb hier an dieser Stelle ein echter Geheimtipp: Am Hafen von Neapel einfach Auto offen- und Schlüssel steckenlassen. Das geht! Und das geht wahrscheinlich auch nur in Neapel!

(Dieser wertvolle Tipp ist allerdings ohne Gewähr. Ich übernehme dafür keine Haftung. Sie wissen ja, Camorra und so.)

IFZurück zum Vormittag. Auto also sicher abgestellt und durch den Hafen zur Fahrkartenausgabe der Reederei Caremar gehechtet, die uns zu den Inseln Procida und Ischia bringen sollte. Wir hatten, als wir an der Ticketausgabe ankamen, nur noch 15 Minuten und vor den einzigen beiden Schaltern wartete eine lange Schlange von Menschen, die ebenfalls zu einer der Inseln wollten. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so ergatterten wir tatsächlich noch rechtzeitig Tickets für die Fähre.

Auch wenn die Fotos für sich sprechen sollten – es sei hier erwähnt, dass der Blick auf Neapel und den Vesuv vom Wasser aus fantastisch ist!

Zunächst steuerte unsere ADEONA die Insel Procida an, blieb dort kurz, um weiter Richtung Ischia zu fahren. Das Inselpanorama ist wundervoll, so, wie übrigens die ganze Fahrt durch den Golf von Neapel.

Ischia brachte uns zwei Überraschungen: 1) Wir bekamen hier jeder zwei große Pizzastücke samt Getränke für insgesamt 9 Euro. Wo kann man heute noch für 4,50 Euro pro Person essen und trinken – und das gut, reichlich und in einem Touristenziel. 2) Italienische Rentner sind richtig nette Leutchen. Da sprach uns einer vorm Ticketschalter an und verkaufte uns zwei Fahrkarten für die Rückfahrt, weil er zuviel gekauft hatte. Zur Hälfte des regulären Preises. Und da er wollte, dass wir uns mit “seinen” Tickets auch so richtig wohlfühlten, kam er später auf der FAUNO sogar noch hinter uns hergelaufen, um zu fragen, ob alles in Ordnung sei.

Um 17 Uhr waren wir wieder in Neapel. Das Abholen des Autos klappte – wie gesagt – ohne Probleme (auf dem Wege dorthin überboten wir uns mit Galgenhumor). Und dann stand ein Wiedersehen an, das ich mir lange gewünscht hatte. Nach 18 Jahren.

 

IF

Olau

Die Schiffe meiner “beruflichen Jugend” waren vor einigen Jahren an die italienische Reederei SNAV verkauft worden und pendelten nun seit einiger Zeit schon im täglichen Dienst zwischen Neapel und Palermo. 1994 hatte ich, bedingt durch das abrupte Ende der Reederei Olau, die OLAU BRITANNIA letztmalig im Hafen des niederländischen Vlissingen verlassen, von wo sie aus mit ihrer baugleichen Schwester OLAU HOLLANDIA nach Sheerness in Großbritannien fuhr. Seitdem hatte ich keinen Fuß mehr auf diese Schiffe gesetzt. Nun endlich sollte sich das ändern und wir checkten auf die nun SNAV SARDEGNA heißende ehemalige OLAU HOLLANDIA ein.

Ende der 1980er und in den frühen 1990er Jahren waren die Olau-Schiffe das Größte und Komfortabelste, was im Englischen Kanal zu finden war. Wirklich ganz feine Schiffe mit sehr guten Einrichtungen, Entertainment, Bord-Band, Konferenz-Center, Pool, Boutiquen, Piano-Restaurant und und und… Diese Schiffe waren für mich das Synonym für “neu”, “frisch” und “modern”. Jetzt, im Mai 2012 in Neapel, waren sie bereits über unfassbare 20 Jahre alt!

SNAV bietet dem Passagier ein “super sauberes”, fast schon “klinisch reines” Schiff an. Keine abgenutzten Teppiche, kein beschmiertes Interieur. Es ist fast Olau-Standard, der hier selbst 18 Jahre nach dem Ende der Olau-Line geboten wird. Wenn ich einschränkend von “fast Olau-Standard” spreche, so deshalb, weil man die Schiffe im Inneren nicht unwesentlich umgebaut hat. Viele der (aus heutiger Sicht überdimensionierten) Olau-Highlights wurden durch pragmatische Inneneinrichtungen ersetzt. Es ist natürlich alles ordentlich und stilvoll, dennoch merkt man als ehemaliges Besatzungsmitglied den Schnitt zu Olau. Dort, wo sich einst meine Kabine befand, ist nun ein Autodeck. Als die Schiffe zu SNAV kamen, baute man sie um, riss Besatzungskabinen raus und schuf eine vergrößerte Auto-Kapazität.

Die Überfahrt verlief sehr angenehm. Einzig und allein der nicht enden wollende Rußausstoß aus dem Schornstein verwunderte uns… Man hat hier offenbar arge Probleme mit den richtigen Einstellungen der Zgoda-Sulzer-Hauptmaschinen.

 

IFSizilen: Palermo wird niemals unsere Lieblingsstadt!

Als wir in Palermo auf Sizilien ankamen, war es für sizilianische Verhältnisse kalt. Das Wetter war untypisch für diese sonst heiße Region. Wir fuhren sofort weiter nach Messina an der Ostküste der Insel. Eine nicht enden wollende Autofahrt, jedenfalls gefühlt. In Messina konnten wir ein letztes Mal die alte ROSALIA sehen (als LIA), die nur drei Tage später auf ihre letzte Reise zum Verschrotten ging. Wir setzten dann über nach Villa San Giovanni mit der Eisenbahnfähre VILLA, was hier als Fotos und als Video zu sehen ist. Lange hielt es uns nicht auf der gegenüberliegenden Seite von Messina und so fuhren wir bald schon wieder zurück, ebenfalls mit der VILLA.

Nach Ankunft in Messina fuhren wir zurück nach Palermo.

Was soll ich an dieser Stelle über Palermo schreiben? Als ich 2010 das letzte Mal dort war, schwor ich mir, dorthin nicht mehr zurück zu kehren (und brach diesen Schwur bereits nur zwei Jahre später – nur wegen Olau!). Das ist keine Stadt, die man besucht haben muss. In diesem Punkt waren sich der italienische und deutsche Anteil der Reisegruppe einig. Da wir noch etwas Zeit hatten, ließen wir es uns trotzdem nicht nehmen, durch Palermos Straßen zu irren. Wie es der Zufall so wollte, landeten wir in irgendeinem miesen Viertel, das mich nochmals eindringlich darauf hinwies, keinen Fuß mehr in diese Stadt zu setzen.

Zum Glück sollte es mit der gerade wieder in Dienst gestellten VINCENZO FLORIO zurück nach Neapel gehen. Zur Erinnerung: Das Schiff brannte am 29. Mai 2009 kurz nach dem Verlassen von Palermo durch ein im Wagendeck ausgebrochenes Feuer fast ab und lag dann jahrelang in Palermo, wo es von Fincantieri Palermo renoviert und repariert wurde. Erst kurz vor unserer Reise wurde die Fähre an Tirrenia zurückgeliefert.

IFUnd so präsentierte sich die VINCENZO FLORIO als sauberes, frisches Schiff. Alles neu. An Bord ansonsten der bereits auf der RUBATINO vorgefundene Standard, nur dieses Mal bereits mit Flachbildfernsehern und statt einer Telenovela mit einem italienischen Fußballspiel, das in dem ansonsten biederen Salon die Emotionen hochgehen ließ.

Der morgendliche Sonnenaufgang direkt über dem großen Vulkan Vesuv war schon sehenswert, ebenso die Einfahrt nach Neapel.

Zurück in Neapel endete der maritime Teil der Reise. Ein weiteres Ziel war dann noch Rom (mit der wiederholten Erkenntnis, nicht mit dem Auto hineinzufahren, aber das ist ein anderes Thema), ehe es arg verspätet von Rom Fiumicino, nach einigen Problemen mit einem kaputten Germanwings-Airbus (und Chaos bei der Abfertigung), zurück nach Hause ging.

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