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„Wo geht es zur Olau-Line?“ 20 Jahre danach – Spurensuche in Vlissingen

13/03/2015 • Travel Blog

Kommt man nach über 20 Jahren zurück an einen Ort, der einmal zum persönlichen Alltag gehörte, ist es interessant zu erfahren, was sich alles verändert hat. An was erinnert man sich noch erinnert und was erkennt man wieder? Diese Fragen gingen mir durch den Kopf, als ich mich im Dezember 2014 ins Auto setzte und Richtung Westen fuhr. An einem regnerischen Tag lautete das Ziel erstmals nach mehr als 20 Jahren: Olau. Vlissingen.

Siehe auch: Erinnerungen an die OLAU BRITANNIA

         

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Gestern / heute Vergleich: Beide Bilder zeigen das Olau-Fährterminal. 1994 mit der OLAU BRITANNIA, 2014 gähnend leer.

1994 sah die niederländische Stadt dem Ende einer kleiner Ära entgegen, der Schließung der Olau-Line. Olau? Mittlerweile größtenteils vergessen, es sei denn, man interessiert sich dafür.

Immer schon wollte ich mal nach Vlissingen, um zu schauen, was aus dem Olau-Terminal geworden ist. Mir war bekannt, dass man etwa ein Jahr nach dem Ende Abrissarbeiten durchführte, aber wie sah es in der Realität aus? Würde ich es wieder erkennen?

IFDie Fahrt dorthin dauert rund drei Stunden und geht erst über die Niederlande, dann durch Belgien. Ab Antwerpen geht es dann schnell dem Ziel entgegen. Längst vergessen geglaubte Ortsnamen kommen wieder in den Sinn. Kruiningen, Yerseke, Kapelle, Goes, schließlich Middelburg und Oost Souburg. In all diesen Orten war ich zwar nie, aber meine An- und Abreisen mit der Niederländischen Staatsbahn nach Vlissingen führten mich stets an ihnen vorbei. 20 Jahre und doch wieder so präsent, wie bei der letzten Abreise aus Vlissingen.

Mit dem PKW kommt man über die A58. Schon an der ersten Ampel in Vlissingen wird mir wieder klar, wohin es gehen muss, um zur Olau-Line zu gelangen. Links, Richtung Sandwerk, das da was-weiß-ich wie lange schon steht, jedenfalls zu meinen Olau-Zeiten in nahezu unveränderter Form auch schon genau dort war.

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Gestern / heute: Das Sandwerk ist geblieben, Olau ist Geschichte. Oberes Foto: Hans Groen, Vlissingen

Wie hieß die Straße noch, die zum Olau-Fährterminal führte? Oosterhavenweg. Auch sie ist schnell wieder aus dem dunklen Erinnerungsdickicht hervorgeholt. Ein kleiner Hügel war da, über den die Straße führte. Ja, der Hügel ist da, kein Zweifel, hinter ihm liegt die Einfahrt zum Olau-Terminal.

Was fehlt, sind die Beschilderungen von einst. Die Fähre nach „Engeland“ ist verschwunden, doch da war doch noch mehr…? Die niederländische Marine lag gleich neben dem Olau-Gelände und eine entsprechende Wegbeschilderung weist auch in die korrekte Richtung.

gestern-heute3 Kopie

Gestern / heute: Einfahrt in das Olau-Terminal, oben 1994 , unten 20 Jahre später.

Dort, wo es auf das Olau-Gelände ging, ist nun eine Zaunabsperrung. Das gesamte Gelände ist umzäunt. Wo einst reges Leben war, Passagiere ein- und ausfuhren, ist nun alles tot. Das Sandwerk zur Rechten ist geblieben, aber Fähren hat es schon lange nicht mehr hier gesehen.

Dieser Tag konnte kaum schlechter sein. Der Nieselregen legt eine trübe Stimmung über das menschenleere Gelände. Die Grundrisse des Olau-Check-ins sind noch deutlich zu sehen. Auch ist der alte Anleger noch da, an dem die erste OLAU BRITANNIA (I) und ihre Schwester OLAU HOLLANDIA (I) anlegten. All die für die 1989 und 1990 in Dienst gestellten Jumbofähren OLAU HOLLANDIA (II) und OLAU BRITANNIA (II) geschaffenen Anlagen dagegen sind komplett verschwunden. Nun, fast alle… Denn die Dalbenreihe des Anlegers steht noch, während Anlegeponton, Landgang und gar das komplette Olau-Terminal weg sind. Was dagegen noch steht, sogar in den Farben der Olau-Line ist eine ehemalige Frachthalle östlich des Geländes.

IFMeine anschließende Fahrt zum Hafen und zum Bahnhof bringt keine weiteren Olau-Spuren. Mag sein, dass es noch welche in Vlissingen gibt. Zumindest erinnert sich so mancher noch an den Namen, denn trotz des schaurigen Wetters sind Leute unterwegs und ich kann es mir nicht verkneifen, am Straßenrand zu halten und einen Mann zu fragen: „Wo geht es zur Olau-Line?“

Ziemlich verdutzt blickt er mich an. Möglicherweise muss er zweimal überlegen, ob er richtig gehört hat. Doch dann weist er mir den Weg zum verlassenen Olau-Gelände.

Also hat Vlissingen Olau doch nicht ganz vergessen?!

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