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Tirrenia: Mit SHARDEN von Porto Torres nach Genua

20/06/2016 • Ferry Crossings, Seereisen, Travel Blog


Die 2005 gebaute SHARDEN verbindet die Insel Sardinien mit dem Festland. Diese 214 Meter lange Fähre bewältigt die Strecke während einer Nachtüberfahrt. Auch wenn die italienische Reederei Tirrenia bei vielen Leuten nach wie vor eher einen schlechten Ruf hat, zeigt sich wiederholt: zu Unrecht. (Video der Reise ganz unten)




20160606_182128Immer wieder erstaunlich sind die teilweise völlig unterschiedlichen Prozeduren bei der Einschiffung, für die wiederum aber die Reederei nicht verantwortlich ist. So war es diesmal ein handfestes Problem, dass auf dem Ticket das Nummernschild des Autos nicht registriert war (nachdem das Jahre gut ging, machte auch Balearia im April erstmals „Theater“ deswegen). Konnte auch nicht, denn es handelte sich dabei um einen Mietwagen, der erst bei der Abholung zugewiesen wird. Da die Buchung Wochen im voraus erfolgte, ließ sich also keine Nummer angeben.

20160606_184338(0)Die Security-Kontrolle in Porto Torres war intensiv. Immerhin: Das Schiff fährt auf einer inneritalienischen Strecke. Reist man z. B. von Genua nach Bastia (Italien – Frankreich), so geht es deutlich entspannter zu. Warum man nun ausgerechnet in Porto Torres auf Sardinien solch einen Aufriss macht, entzog sich meiner Kenntnis. Aber möglicherweise ist das ein Hinweis auf die veränderte Bedrohungslage in Europa. Unangenehm sind diese Kontrollen übrigens nicht gewesen und wenn sie für Sicherheit sorgen, ist das Warten absolut in Ordnung.

20160606_185950Hier nun wurde jedes Auto samt Insassen genau geprüft. Und natürlich kam ich nicht durch, denn auf dem Ticket fehlte die Nummer des Autos. Also musste ich zunächst zur Stazione Marittima, wo das Anstehen an einem diesen gefürchteten Reedereischalter anstand. Denn das scheint am Mittelmeer (und sicher nicht nur dort) überall gleich zu sein: Nur ein Schalter offen, lange Schlangen oder extrem langsame Abfertigung. Niemand lässt sich aus der Ruhe bringen, egal wie lang die Schlange auch ist.

Dennoch klappte es und irgendwann waren alle Passagiere an Bord der SHARDEN, die zwar nicht voll ausgebucht war, dennoch gut besucht. 20:30 Uhr legte sie ab, um am folgenden Tag um 08:30 Uhr in Genua zu sein.

20160606_190637Auch wenn man die nunmehr 11 Jahre (sind es tatsächlich schon wieder so viele Jahre?) dem Schiff hier und da anmerkt – die Teppiche sehen nicht mehr wirklich neu aus und auf dem Sonnendeck war der Pflegezustand nicht immer tadellos – merkt man sofort, dass schon beim Bau auf ein gewisses Ausstattungsniveau Wert gelegt wurde. Es ist ein gediegener Einrichtungsstil, gut gemacht und bis auf wenige Punkte (wie zuvor erwähnt) sehr sauber und gepflegt. Die Aufteilung der einzelnen Räumlichkeiten kann einen zunächst etwas durcheinander bringen, aber gleich am Anfang zeigen einem die überall in den Decks stehenden Servicemitarbeiter den Weg zur Kabine. Oder eben andere Richtungen. Hier scheint auch im Jahre 2016 immer noch eine Fährschifffahrt gestaltet zu werden, die wir in Nordeuropa so kaum noch kennen. Alles in allem: Top!

20160606_190611Das Essensangebot ist in Ordnung. Neben einem feinen á la carte Restaurant steht ein Self-Service-Bereich zur Verfügung. Dazu natürlich auch noch eine Bar mit angegliedertem Sitzbereich. Ein kleiner Bordshop, Kinderspielraum, Kino sowie recht große Liegesesselbereiche runden das Angebot ab.

20160606_195235Das Essen allerdings erschien mir sehr teuer. 18,60 Euro war ich am Ende los für nichts anderes als Fastfood: 2 Getränke, Lasagne, Salat und ein Brötchen. Auch hier ist man den Nordeuropäern leider etwas voraus und es verwundert nicht, dass so mancher sein Essen lieber selbst mitbringt. Ein oft umhergehender Witz (gerade auf dänischen Schiffen) lautet übrigens: Woran erkennt man deutsche Passagiere? Entweder sie missachten Durchgangsverbote oder sitzen an Deck mit Thermoskanne und eingepackten Broten. Wie gut, dass es nur eines dieser vielen Klischees ist, über die man herzlich lachen kann.

IFPreispolitik hin oder her, die Reise war entspannend und ruhig. Die Kabine war sehr sauber, recht groß und ruhig gelegen. Hier gab es nichts zu meckern. Der Zahn der Zeit frisst aber an der Einrichtung. So mancher Drehknopf ist lädiert oder gar abgerissen; das ist leider ein Schicksal aller Einrichtungsgegenstände auf Fähren. Hier braucht es einfach endlich mal Ausrüster (oder Einkäufer in den Reedereien!), die Equipment liefern (ordern), das von den Passagieren nicht kaputt gespielt werden kann.

IFDie Einfahrt in den Hafen von Genua erfolgte bei morgendlichem Sonnenschein, vorbei an den Resten der COSTA CONCORDIA, die aber nun wirklich bald verschwunden sein muss. Mit dem Ausschiffen lässt man sich bei Tirrenia übrigens etwas Zeit; es ist also nicht nötig (und möglich) noch vor dem Festsein des Schiffes zum Auto zu laufen. Gut so, die Besatzung in den Wagendecks kann umherlaufende Gäste auch nicht wirklich gebrauchen. Und es ist immer wieder spannend, wie viele Leute durch die Wagendecks irren, um ihr Auto zu finden. Da das Schiff bereits 08:05 Uhr fest war, hielt sich der Zeitverlust durch die Entladung aber in einer sehr engen Grenze. 08:40 Uhr war ich runter.

IFHat man das Schiff erst verlassen, befindet man sich zunächst einmal im typischen genuesischen Verkehr. Verstopfte Straßen, wegfallende zweite Straßenspuren … Die morgens ankommenden Fähren spucken Hunderte Autos und Lastwagen aus. Kein Wunder, dass es eine Weile dauert, bis man endlich freie Fahrt hat und auf der Autobahn ist. Das sollte man vorher einkalkulieren.

Fazit: Ich hatte noch nie eine schlechte Erfahrung mit Tirrenia. Es dauert wohl eine Weile, ehe derartige, über Jahre gepflegte (und in früheren Zeiten sicherlich auch auf konkreter Basis stehende) Vorurteile aus den Köpfen der Reisenden verschwinden. Die SHARDEN präsentierte sich als solides, in manchen Bereichen sogar nobel ausgestattetes Schiff. Es gab ernsthaft nichts zu klagen. Aber aufgepasst Tirrenia: Will man den Standard halten, so werden bald mal neue Teppiche fällig.

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