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A Street of Philadelphia: Mein Weg zur “Big U” (Teil 1) – Highway Desaster

29/05/2014 • Travel Blog


Google doch mal nach “New Jersey Turnpike”. Du findest als Information: Eine der am stärksten befahrenen Straßen der USA. Auf meinem Weg von New York nach Philadelphia zur UNITED STATES, dem legendären Passagierdampfer, der letzten Trägerin des Blauen Bandes für die schnellste Atlantiküberquerung, lag der bis zu 18 Fahrspuren (mit Ausfahrspuren 22) breite Highway. Ich werde ihn gewiss nie vergessen!

 

Der “NJ Turnpike” ist eine echt große amerikanische Autobahn. Mit allem, was dazugehört, vor allem viel rollendem Blech. Südlich von New York knallte es plötzlich im Auto und es wurde lauter. Sehr laut. Mir war sofort klar, was passiert war. Reifenpanne. Was das auf solch einem Highway bedeuten kann, schildere ich jetzt mal.

Zunächst hat man das Glück, dass eine Notspur vorhanden ist. Da dieser Highway im Prinzip aus zwei Autobahnen besteht, gibt es drei Spuren in der Mitte nur für Autos sowie daneben eine baulich getrennte Bahn nochmals für Autos, LKW und Busse. Da diese Panne (natürlich!) auf den Spuren in der Mitte passierte, gab es kein Entrinnen mehr zur Seite. Man ist dann tatsächlich gefangen auf einer der größten Straßen der Welt.

Der erste Gedanke war nicht etwa “Scheiße”, sondern ein simples “Oh je”. Es war bereits Nachmittag und das fürs Fotografieren der UNITED STATES so wichtige Licht würde in absehbarer Zeit verschwinden. Nun begann ein Wettlauf mit der Zeit. Ausgang völlig ungewiss.

In sehr weiser Voraussicht hatte ich bei der Autoanmietung die “Road Assistance”-Option des Mietwagenverleihers Dollar gewählt. Für mehr als 7 Euro pro Tag bietet sie Hilfe in solchen Pannensituationen. Solche Versicherungen wähle ich sonst nie, es war das erste Mal, rein aus dem Bauchgefühl heraus und enthielt eine Notfall-Telefonnummer, die natürlich sofort angewählt wurde. Aber Pustekuchen. Besetzt. Bitte später anrufen, hieß es von einer automatisierten Stimme. Dieses tat ich recht schnell, genau 8 Mal hintereinander. Ohne Erfolg. Die Notfallnummer schien ihr Geld nicht viel wert zu sein, doch Dollar hatte ja auch eine Hotline.

Also wurde jene angerufen.

Eine amerikanische Hotline ist vergleichbar mit einer Deutschen. Man wählt sich per Nummer zu der gewünschten Abteilung durch, muss sich zwischendurch Dinge anhören zum Thema “Aufzeichnung zu Trainingszwecken” und landet nach ungefähr 60, vielleicht waren es auch 120 Sekunden, in einer Warteschleife, die einem sagt: Im Moment seien alle Plätze belegt.

Um es noch einmal deutlich zu machen: Es war eine ECHTE Notlage. Auf einem Highway mit Panne zu stehen, während links und rechts die Autos vorbeirasen, ist wirklich nicht angenehm und macht wesentlich nervöser, als ein verkorkster Landeanflug auf Newark. Ich spreche aus Erfahrung!

In der Warteschleife befand ich mich ca. 10 Minuten, ehe endlich jemand abnahm. Natürlich die falsche Person, nachdem ich fast atemlos ins Telefon schrie “I need assistance, immediately!”, denn für die Road Assistance war ja eigentlich die Notfallnummer zuständig. Doch zum Glück wurde ich verbunden. Das dauerte aber wieder mindestens 8 Minuten.

Die im Hintergrund dudelnde Musik war scheußlich!

Da kommt leichter Hass auf, kann ich sagen!

Irgendwann war endlich ein weiterer Mitarbeiter dran, natürlich mit einem amerikanischen Slang, der eigentlich ins Bilderbuch der Sprachen gehört und einen nach fast jedem Satz fragen lässt: “Was will der? Was meint der?”

Zunächst Abfrage der Vertragsdaten. Führerscheindaten. Geburtsdatum. So gut der Slang auf der anderen Seite der Leitung war, so schlecht verstand dessen Absender, was ich sagte.

“Please repeat!”

Oh Mann! Ich versuchte es mit dem phonetischen Alphabet. “Alpha, Zulu, Yankee, Three, Five, Seven, Bravo, Lima, Victor” und so weiter. Der Vorgang dauerte weitere 3 bis 5 Minuten. Dann endlich war dem Mann klar, dass ich es wirklich bin. Super!

Es sollte folgen: Die genaue Beschreibung des Schadens… Aha! Man könne mir auf gar keinen Fall helfen, wenn man nicht weiß, was genau los sei. Erst danach würde über die Art der Hilfe entschieden.

“Reifen ist platt!” Mensch Hannes, ich brauche Hilfe! Kein Verhör!

“Ist der Reifen zu reparieren?”

“Keine Ahnung!” Ich bin doch kein Automechaniker.

“Warum ist der Reifen platt?”

So ging das weitere 10 Minuten, ehe die Verbindung zusammenbrach.

“Nein, bitte nicht!” war ich versucht, ins Telefon zu brüllen. Die Roaminggebühren hatten ganze Arbeit geleistet und das Guthaben meines Handys in irrwitziger Geschwindigkeit aufbrauchen lassen. Klar… Warteschleifen, Vermittlungen, Frage-Antwortspiel… das lutschte mein Guthaben im Zeitraffer auf.

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Das war es gewesen! Jetzt war die berühmte Kacke richtig am Dampfen, denn es gab nun keinerlei telefonische Verbindung mehr zur Außenwelt. Per Datenkarte und iPad ließ sich zwar das Handy aufladen, aber der Vorgang würde mindestens 30-60 Minuten dauern.

Die UNITED STATES war mittlerweile zur Nebensache verkommen, hier ging es jetzt vor allem darum, von diesem durchaus nicht ungefährlichen Highway wegzukommen, denn links und rechts rasten nach wie vor Massen an Fahrzeugen vorbei. In Deutschland gibt es wenigstens die Möglichkeit, sich hinter der Leitplanke in Sicherheit zu bringen, aber hier nicht.

Über die US-amerikanische Polizei hat man schon viel gehört und gesehen, wenn man in die USA kommt. Viele Schauermärchen kann man neben Tipps für richtiges Verhalten im Internet finden, wie z. B. Hände auf dem Lenkrad lassen, weil die Polizisten sehen müssen, dass man keine Waffe in der Hand hält.

Als irgendwann im Rückspiegel ein Polizeiwagen auftauchte, sein rot-blaues Blinklicht anmachte und hielt, war da zuerst ein Gefühl der Mulmigkeit im Spiel. Was würde nun passieren? Tatsächlich bewegten sich die Polizisten vorsichtig von hinten an den Wagen heran, ehe ein freundliches Gesicht durchs offene Fenster blickte und fragte “Sir, do you need help?”

“Yes, really”, entsprang es mir fast euphorisch. Von diesem Zeitpunkt an lief es  in einer Perfektion ab, wie ich sie mir von meiner teuren Road Assistance gewünscht hätte. Die Polizisten bestellten einen Servicewagen, gaben noch Tipps zum richtigen Verhalten auf dem Highway, beruhigten etwas und kaum 15 Minuten später war der Pannenservice da. Weitere 15 Minuten später ging die Reise zur “Big U” nach Philadelphia weiter.

Was lässt sich als Fazit aus dieser Sache lernen?

- Die Road Assistance von Dollar ist ihr Geld nicht wert. Assistance heißt für mich: Hilfe, schnell, unkompliziert.

- Die amerikanische Polizei erwies sich als rettender Engel in der Not. Dazu sehr freundlich und höflich.

- Der Pannendienst war ebenso freundlich und hilfsbereit. Er kostete nur 30 Dollar.

- Man sollte vor solchen Fahrten einen kleinen Notfallplan machen. Wirklich, es kann helfen! Bestimmte Telefonnummern vorher heraussuchen, genügend Guthaben auf der Handykarte haben…

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