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Reisevorbereitungen: Japan – ganz einfach oder?

28/06/2015 • Roadtrip Japan, Travel Blog


Ein exotisches Reiseziel war Japan allenfalls kurz nach der Öffnung der Edo-Epoche, die Japanern die Ausreise und Ausländern die Einreise untersagte und so das Land fast völlig isolierte. Seitdem ist Japan wie eine Reise in die USA. Oder?

 

Mehr zum Thema Japan: http://justferries.de/japan

 

Es kommt wie immer drauf an. So auch im Falle Japans. Reist man als Individualtourist durchs Land und unternimmt alles auf eigene Faust, so merkt man schnell, dass Japan völlig andere Reisevorbereitungen erfordert, als eine Reise in die westliche Welt.

Ich überlegte lange, wie ich diese Reise richtig angehen müsse, die eine Mischung aus Sightseeing, Land & Leute kennenlernen und maritimer Foto- und Videografie sein sollte. Damit war klar, dass sie als Roadtrip durch halb Japan gehen würde, also intensives Autofahren nötig wird. Zum anderen mussten Hotels eigenständig gebucht werden, Fährüberfahrten und Sehenswürdigkeiten ohne Führung bewältigt werden.

Rein kommt man nach Japan einfacher als in die USA. Für Deutsche reicht der Reisepass. Viele verzichten sicher auf ein Auto und schließen sich Busgruppen an oder versuchen, das Land mit der gut ausgebauten Eisenbahn zu bereisen. In meinem Falle war das nicht möglich, denn dort, wo ich hin wollte, fuhren keine Eisenbahnen.

Die erste große Herausforderung war also das Thema Auto. Wer dort Autofahren möchte, muss zunächst seinen Führerschein übersetzen lassen. Das geht aber nur in Japan, jedenfalls konnte ich keinen anderen Weg in Erfahrung bringen. Meine ersten Recherchen zum Thema waren wenig ermutigend, wo es hieß, man solle direkt nach der Ankunft zur Deutschen Botschaft oder zur JAF, der japanischen Automobile Federation gehen. Zum Glück ließ sich das Ganze aber auch auf dem Postwege erledigen. Dazu mussten zunächst der deutsche Führerschein und der deutsche Reisepass beglaubigt werden, was im deutschen Bürgeramt zu Konfusionen führte (man sagte mir, das ginge nicht; alles sei möglich, aber keine Führerscheine), letztlich dann aber von einem Notar gleich gegenüber problemlos innerhalb von 10 Minuten durchgeführt wurde. Die Dokumente schickte ich dann an die deutsche Botschaft in Tokyo, wo gegen eine weitere Gebühr eine japanische Übersetzung meines Führerscheins angefertigt wurde. Nach ungefähr acht Wochen hatte ich dann Post aus Japan, die allein rund einen Monat von dort hierher unterwegs war. Die erste Hürde war genommen.

 

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Die heiß ersehnte Post aus Japan lag am 10. Januar 2015 endlich im Briefkasten, darin die Übersetzung meines Führerscheins in Japanische.

 

Man sieht daran schon einmal, dass Japan viel Zeit im voraus erfordert. Fand die Reise Ende Mai statt, musste ich bereits im vorherigen September mit den Planungen beginnen, denn als nächste große Hürde sollte sich erweisen, dass Japan immer noch irgendwie total abgeschottet ist. Natürlich musste ich wissen, wann wo welche Fähre fährt, um nicht nur Japan zu sehen, sondern auch das maritime Japan. Zwar hat fast jede Reederei eine Website, doch natürlich alles in Japanisch. Wenige bieten englische Übersetzungen. Es dauerte also lange, ich dort überall durchzukämpfen.

Ohnehin war das eine der größten Schwierigkeiten, denn: Von wo überall fahren Fähren? Japan ist das “fährenreichste” Land der Welt, selbst das “fährreiche” Griechenland ist dagegen ein Waisenknabe. So mussten also alle potenziellen Häfen einzeln auf Fähren untersucht werden, eine Sisyphusarbeit, die aber Spaß machte. Das fällt natürlich für “normale” Japan-Reisende flach, wenngleich auch sie vielleicht irgendwann einmal ans Wasser kommen und mit einer der zahlreichen Fähren übersetzen müssen.

Da ich auf meinen Reisen mittlerweile nichts mehr dem Zufall überlasse, stand als nächste große Aufgabe die Buchung von Fährüberfahrten an, einmal von Aomori nach Hakodate und dann von Tomakomai nach Akita. Und man konnte es drehen und wenden, wie man wollte: Das war schlichtweg unmöglich. Wer Japanisch nicht versteht und auch keine japanischen Zahlungsmittel hat, kommt an diesem Punkt nicht weiter.

DSC09475Europäische Fährbuchungsportale konnten nicht weiterhelfen – Japan, nach wie vor abgeschottet und ganz allein für sich. Also suchte ich nach einem Reiseanbieter und fand Herrn Hiroshii Ishii aus Köln. Ihm schilderte ich mein Anliegen und er versprach, mir zu helfen. Aber! Eine Buchung der benötigten Fähren war erst rund 2 Monate vor dem Termin möglich, weshalb das Ganze bis zum Ende sehr spannend wurde. Erst wenige Tage vor Abflug kamen die Tickets aus Japan in Deutschland an, so dass man sich natürlich fragen muss, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre, einfach loszufahren und vor Ort zu kaufen. Im Nachhinein würde ich es wohl so tun, denn Platz auf den Fähren ist immer. So aber hatte ich bereits vor Reiseantritt alle Unterlagen zusammen, auch die Buchungen.

An dieser Stelle nochmals Dank an Herrn Ishiii für die tolle Hilfe. Und auch an Steffen Schiemann vom gleichnamigen Schifffahrtskontor (Ferry Experts), der sich in meiner Sache engagierte.

Vergleichsweise einfach waren die Hotelbuchungen. Darüber braucht man keinerlei weitere Worte zu verlieren. Im Zeitalter der Buchungsportale ließ sich alles bequem über das Internet regeln.

Mit dem Mietwagen war es ähnlich, doch sollte man hier einmal genauer schauen. Japan verfügt über ein Mautsystem auf den Autobahnen. Außerdem ist die Neigung zur englischen Sprache eher gering, so dass mein einige Vorkehrungen treffen sollte, die eine solche Reise angenehmer und sicherer machen. Wer wie ich schon einmal von einer Panne betroffen war (siehe hier), der ist doppelt vorsichtig. Notrufnummern gibt es natürlich auch in Japan, aber was ist, wenn die Person am anderen Ende der Leitung einen nicht versteht?

Ich hatte nach längerer Suche deshalb einen Anbieter gefunden, der zusätzliche eine “Driving Assistance” in englischer Sprache bot, ein englisches GPS-Navi für das Auto und zusätzlich eine sogenannte Electronic Toll Card (ETC) anbot. Ist nichts anderes als z. B. der E-ZPass in New York. Man klemmt das Ding hinter die Scheibe des Autos und kann fortan die besonderen Spuren an den Mautstellen nutzen, was einerseits Zeit spart, andererseits die Bezahlvorgänge wesentlich einfacher macht.

DSC00379Nun ist es mit dem ETC in Japan aber wesentlich schwieriger als mit dem E-ZPass in den USA, denn ETC steht ausländischen Touristen normalerweise nicht zur Verfügung. Man benötigt dafür nämlich ein japanisches Bankkonto. Der gefundene Anbieter, Nissan Rent a car, bot aber an ganz bestimmten japanischen Standorten – zum Glück auch Narita, wo ich ankam und wieder abflog – ETC an, was wiederum über seine Konten abgebucht wurde und später über die Kreditkarte des Mieters.

Insgesamt war Nissan teurer als andere Anbieter, doch der zusätzliche Service war es allemal wert.

Als nächstes benötigte ich einige japanische Übersetzungen, die vom Standard-Reisevokabular abwichen und mir im Notfall weiterhelfen sollten. Vor allem ging es darum, der japanischen Polizei oder Sicherheitskräften im Falle eines Falles klar zu machen, dass ich kein Spion bin, sondern einfach nur Bilder von Schiffen machen wolle. Diese Übersetzung übernahm ein Dolmetscherservice (kann man sich ebenfalls schenken, Polizei habe ich kaum gesehen und ansonsten nur neugierige Blicke… Japan ist herrlich harmlos!)

DCIM100GOPROG0612148.Nächste größere Hürde war das Thema “Kommunikation & Mobilität”. Während man in Deutschland bereits vor einer Reise für viele Länder Prepaid-Sim-Cards erwerben kann, war es im Falle Japans wieder einmal unmöglich. Ich benötigte aber dringend zwei solcher Prepaidkarten, um einerseits eine Handyverbindung im Notfall zu haben, andererseits die AIS-Signale der Schiffe empfangen zu können und so sehen zu können, wo welches Schiff gerade ist (über marinetraffic.com z. B.).

Glücklicherweise ließ sich mit eConnect ein japanischer Anbieter finden, der Prepaidkarten verkaufte. Zwar nicht ins Ausland, aber an ausländische Touristen. Dazu musste ich einfach nur angeben, auf welchem Flughafen in ankomme, wo man wiederum im dortigen Postamt die Karten hinterlegen ließ. Bezahlt wurde vorab per Internet. Testen kann man es vorher natürlich nicht und so bleibt es bis zum Schluss spannend. Ich kann aber sagen: Typisch japanisch, es klappte sehr gut, das Narita-Airport-Postamt händigte mir später den Umschlag korrekt aus, siehe links.

J0023_1Die übrigen Reisevorbereitunge entsprachen denen anderer Reisen. Man sollte vorab schauen, wie es mit den U-Bahnen und der Metro in Tokyo oder anderen Städten funktioniert, dann erspart man sich Probleme vor Ort. So ist es z. B. ratsam, das Common One-day Ticket für die Tokyo Metro & Toei Subway zu kaufen. Wie das geht wird ganz gut im Internet beschrieben, wo es natürlich auch Pläne des Tokyer Subway-Systems gibt. Soviel bunte Kunst übertrifft selbst die U-Bahnen von London oder New York. Es macht Sinn, sich seine Reiseziele vorher herauszusuchen und zu schauen, mit welcher Gesellschaft man dorthin kommt, denn in Tokyo gibt es mehrere Gesellschaften, wie z. B. die Asakusa Line, die Mita Line oder die Shinjuku. Ich habe auf dem Plan 18 gezählt, aber bin kein Experte dafür. Vielleicht sind es noch mehr. Ich machte später die Erfahrung, dass auf dieser Karte längst nicht alle Stationen eingezeichnet sind!

Nachdem das alles erledigt war, konnte die Reise losgehen. Davon hier mehr.

 

 

         

 

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