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Reiseerlebnis QUEEN MARY – Teil 2: Geschichte zum Anfassen

16.08.2014 • QUEEN MARY, Travel Blog


Es ist fantastisch, über die hölzernen Decks der Promenade zu schreiten und mit jedem Atemzug das Lebensgefühl einer Zeit einzuatmen, in der die QUEEN MARY Transportmittel zwischen Europa und Amerika war. Die Geschichte des Liners ist sehr wechselhaft. Erst Luxusliner, dann Truppentransporter mit zeitweise über 15.000 Menschen (gleichzeitig!) an Bord, schien ihr Schicksal mit dem Aufkommen von Passagierflügen auf der Transatlantik-Route besiegelt. 

Teil 1: Auf nach Long Beach!

 

         

 

IFEs gab mehrere große Liner, doch die Zeiten überdauert hat neben der UNITED STATES, die in erbärmlichen Zustand in Philadelphia liegt, nur die QUEEN MARY. Natürlich ist im Laufe der Zeit so manches verändert worden. Den Puristen mag das stören, doch wenn das der Preis war, das Schiff zu erhalten, so war es das wert.

Zu sehen gibt es viel. Man kann über die Decks wandeln, einen Kaffee direkt auf der Promenade trinken oder einfach auf die Brücke gehen, wo blitzblankes Messing glänzt. Die Ausstellung im hinteren Bereich zeigt mehr über die Geschichte des Schiffes sowie des transatlantischen Dienstes, große Modelle anderer Liner zeigen Schnitte durch ein klassisches Passagierschiff und als kleines Highlight kann man in der Propellerbox die letzten verbliebene Schraube des Schiffes unter Wasser beobachten.

Geschichte begleitet einen hier auf Schritt und Tritt. Man erfährt viel Wissenswertes, selbst wenn man das Schiff bis dato bereits aus Büchern kannte.

Wie begann es, das Leben dieses faszinierenden Ozeanriesen?

IFDie Planungen

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges stieg die Nachfrage nach schnellen und doch luxuriösen Schiffspassagen auf der Transatlantik-Route. Die britische Reederei Cunard konnte mit ihren noch vor dem Krieg gebauten Schiffen diesen Bedarf nicht mehr decken und fürchtete überdies die Konkurrenz durch die deutschen Schiffe BREMEN und EUROPA. Deshalb gab es ab Mitte der 20er Jahre Pläne für ein Passagierschiff mit etwa 75.000 BRT, vorerst unter der Bezeichnung Hull Number 534.
1926 wurden die ersten Zeichnungen für das Schiff angefertigt und das neue Schiff sollte das größte zu dieser Zeit je gebaute Passagierschiff werden.

Konstruktion und Bau

IFIn den folgenden Jahren gab es bei Cunard zahllose Planungen und Besprechungen, wie man so ein Projekt durchführen konnte. Einerseits sollte das Schiff schnell sein und mehr Passagiere transportieren als jeder andere Transatlantikliner, andererseits fehlte die Infrastruktur, um so ein Schiff in den Häfen abzufertigen. Außerdem musste das Schiff trotz seiner Ausmaße zuverlässig und gut manövrierbar bleiben. Ein weiteres Problem stellte die Logistik beim Schiffbau selbst dar: In den 20er Jahren gab es in ganz Großbritannien kein Trockendock, das groß genug für den Bau eines derartigen Schiffs war.

1930 schließlich waren alle Zweifel ausgeräumt und am 1.12.1930 wurde die QUEEN MARY in Clydebank in Schottland bei John Brown and Company kielgelegt. Aufgrund finanzieller Probleme von Cunard durch die Weltwirtschaftskrise stand der Bau bereits 1931 wieder still. Erst durch eine Fusion mit der White Star Line zu Cunard White Star konnten genügend Gelder zur Fertigstellung des Schiffes beschafft werden.

IFAm 26.9.1935 wurde das Schiff von der englischen Königin Mary auf QUEEN MARY getauft. Anekdoten zu Folge sollte das Schiff ursprünglich Victoria heißen. Man bat den englischen König George V. um Zustimmung, das Schiff nach der größten englischen Königin taufen zu dürfen, worauf seine Ehefrau Mary sofort antwortete, dass man das Schiff sehr gerne nach ihr benennen dürfe.

Die ersten Testfahrten der QUEEN MARY fanden im Frühling 1936 statt und bereits am 11. Mai des Jahres wurde sie an Cunard ausgeliefert. Die Jungfernfahrt fand am 27. Mai 1936 auf der Route Cherbourg-Southampton-New York statt und dem Schiff wurde im Hafen von New York ein triumphaler Empfang bereitet.

IFTechnischen Daten

Die QUEEN MARY ist mit ihren 80.774 Bruttoregistertonnen 310,74 m lang und 36,14 m breit. Sie hat bei einer Gesamthöhe von 55 m auf 12 Decks verteilt etwa 12 m Tiefgang.

Die Energie des Schiffs kam aus 24 mit Diesel befeuerten Dampfkesseln. Ihre vier Dampfturbinen gaben ihr eine Leistung von nahezu 160 000 PS. Angetrieben wurde das Schiff von vier Propellern und erreichte bei Testfahrten eine maximale Geschwindigkeit von 33 Knoten. Die normale Reisegeschwindigkeit lag bei etwa 28,5 Knoten.

Auf dem Schiff war Platz für bis zu 2139 Passagiere, davon 776 in der ersten, 784 in der zweiten und 579 in der dritten Klasse. Die Crew bestand aus bis zu 1101 Mitgliedern.

Das Blaue Band

Bereits auf ihrer zweiten Transatlantik-Passage im August 1936 brach die QUEEN MARY den Geschwindigkeitsrekord der NORMANDIE und erhielt das Blaue Band. Die NORMANDIE wurde daraufhin umgebaut und brach bereits 1937 erneut den Rekord. Aber bereit 1938 eroberte die QUEEN MARY das Blaue Band mit Rekorden in westlicher sowie östlicher Richtung zurück und behielt es bis 1952.

QUEEN MARY als Passagierschiff

IFAb ihrer Indienststellung bediente die QUEEN MARY regelmäßig die Transatlantik-Route, wobei sie ihre Passagieren diverse, in den 30er Jahren nicht selbstverständliche, Annehmlichkeiten bot: Es gab zwei Swimmingpools, Kinderbetreuung, ein türkisches Bad, Telefonverbindung in die ganze Welt und sogar einen jüdischen Gebetsraum.

Der Innenraum des Schiffs, besonders in der ersten Klasse, war opulent im Art Deco-Stil ausgestattet und mit Kunstwerken und Holzvertäfelungen verziert.

Die QUEEN MARY im Zweiten Weltkrieg

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs ging die QUEEN MARY vor Anker, weil die zivile Schifffahrt auf der Transatlantik-Route durch deutsche U-Boot-Angriffe zu riskant geworden war. Im März 1940 wurde das Schiff zum Truppentransporter umgebaut und die luxuriöse Innenausstattung mit Stockbetten und Hängematten ersetzt. Die QUEEN MARY sollte Soldaten und Nachschub über den Atlantik und Pazifik transportieren. Ihre hauptsächliche Verteidigung war ihre hohe Geschwindigkeit, die deutsche und japanische U-Boote nicht erreichen konnte. Deshalb erhielt sie als Bewaffnung nur einige Kleinkaliber-Kanonen. Auf der QUEEN MARY konnten durch die enge Belegung der Kabinen bis zu 15.000 Soldaten gleichzeitig transportiert werden.

IFIn dieser Zeit geschah das schlimmste Unglück in der Geschichte der QUEEN MARY: Sie kollidierte am 2.Oktober 1942 in einem Geleitzug mit der CURACAO. Diese wurde dabei versenkt und 239 Seeleute kamen ums Leben. Die QUEEN MARY wurde schwer beschädigt, konnte aber weiterfahren. Die Schuldfrage wurde nie eindeutig geklärt.

Im Verlauf des Krieges fanden in den Salons der QUEEN MARY wichtige Treffen der alliierten Führung statt. So reiste Winston Churchill mehrfach mit ihr nach New York, um seine Pläne für eine Invasion der Normandie mit den amerikanischen Generälen zu besprechen.

Nach Kriegsende diente die QUEEN MARY zum Heimtransport amerikanischer und kanadischer Soldaten. Cunard erhielt sie erst am 27.9.1946 zurück.

Das Ende als Transatlantikliner

DSC06161Nach dem Kriegseinsatz wurde die QUEEN MARY wieder zum Passagierschiff umgebaut und nahm im Juli 1947 wieder ihren Dienst auf der Transatlantik-Route auf. Mit ihrem Schwesterschiff QUEEN ELIZABETH dominierte sie bis Ende der 50er Jahre den Express-Service auf dieser Strecke.

Dann jedoch begann das Zeitalter der Transatlantikflüge mit Passagierjets, die billiger und wesentlich schneller waren als die Schiffspassage. Ab 1963 wurde die QUEEN MARY daher zunehmend als Kreuzfahrtschiff eingesetzt. Dennoch machte sie ab 1965 finanzielle Verluste, unter anderem wegen ihrer veralteten Technik und eines Streiks der Seeleute. Ihre Nachfolgerin, die QUEEN ELIZABETH II mit modernerer Technik und geringerem Treibstoffverbrauch bei mehr Passagieren, stand kurz vor der Fertigstellung und Cunard konnte es sich nicht leisten, mit der QUEEN MARY Verluste einzufahren. So verkaufte die Reederei die QUEEN MARY 1967 für 3,45 Millionen US-Dollar an die Gemeinde Long Beach in Kalifornien. Nach ihrer tausendsten Atlantik-Querung wurde sie mit einer Kreuzfahrt um Kap Horn dort hin überführt und liegt seitdem im Hafen von Long Beach.

Ein neues Leben als Hotel

IFIn Long Beach sollte die QUEEN MARY ursprünglich ein Museum von Jacques Cousteau beherbergen. Deshalb wurde sie unterhalb des C-Decks total entkernt, die Dampfkessel, vorderen Maschinen und Propeller ausgebaut und die Treibstofftanks mit Schlamm gefüllt, um das Schiff zu stabilisieren. Die Kabinen der ersten Klasse wurden zu Hotelzimmern umgebaut.

Letztendlich konnte das große Museum unter Deck nicht rentabel realisiert werden und die QUEEN MARY ging als Hotelschiff durch die Hände verschiedener Betreibergesellschaften, unter anderem sogar Disney, bis sie schließlich 2011 von Evolution Hospitality übernommen wurde.

 

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