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Fähren in Piraeus – Septemberbeobachtungen

30/09/2014 • Travel Blog


Fähranleger wie in nordeuropäischen Häfen sucht man in Piraeus vergebens. Eine Kaikante reicht. Nach dem Anlegen eines Schiffes dauert es nur Sekunden, ehe die ersten Passagiere das Schiff verlassen und das erste Auto von Bord rollt. Sie alle erwartet ein Hafen und eine Stadt, die in jederlei Hinsicht atemberaubend ist – Piraeus.

Zu den Fotogalerien dieser Reise, die auch nach Korinth, Perama und Keratsini führte

 

         

 

Ganz gleich, ob man Piraeus nur aus der Sicht eines durchreisenden Fährpassagiers oder eines Besuchers mit dem Ziel Fähren erlebt, diese fast 180.000 Einwohner zählende Hafenstadt hat ihren ganz eigenen Charme, der dem Schifffahrtsfreund im Haupthafen Kantharos in Form vieler altbekannter und neuen Fährschiffe entgegenschlägt. Zu sehen gibt es hier immer etwas. Und sei es nur, sich das pulsierende, chaotische Treiben anzuschauen, das hier von morgens bis abends die Menschen in seinen Bann zieht.

DSC08843Die Infrastruktur des Hafens ist einfach gehalten. Grundsätzlich kann man den gesamten Hafen per Fuß oder – mit Einschränkungen – auch per Auto durchfahren. Bis auf das ISPS-verschlossene Kreuzfahrtterminal an der Südseite ist der ganze Hafen eigentlich ein riesiger Fährhafen, in dem sich außer Schleppern, Bunkerschuten und einigen kleineren Fahrzeugen nur Fähren und eben Kreuzfahrtschiffe finden lassen.

Erreicht werden kann die Kaikante über mehrere Gates, die für Fußgänger ständig geöffnet sind und ohne jegliche Zutrittskontrolle passiert werden können. Gleich danach erwartet einen bereits der bunte Trubel im Hafen. Unzählige Fußgänger, meist bepackt mit Koffern oder Rücksäcken, bahnen sich hier inmitten von Bussen, Trucks und Autos ihren Weg. Ein friedliches, aber “abgaserfülltes” Miteinander mit entsprechender Lärmkulisse, vor allem im Sommer.

DSC08615Die den ganzen Tag über geöffneten Hecklappen der Schiffe schlucken nach und nach die meist rückwärts einfahrenden Fahrzeuge. Die Beladung der Fähren ist hier oft ein sich über viele Stunden hinziehender Vorgang, der immer mal wieder Pausen und Unterbrechungen findet.

Auffallend sind die Schnellfähren der Reederei Hellenic Seaways. Auffallend nicht nur wegen ihres früher roten, heute blasgrünen Rumpfanstriches, sondern vor allem wegen ihrer Werbung für den Mobilfunkanbieter Cosmote (früher – zu “roten Zeiten” war es Vodafone).

DSC09007Zur Flotte gehört beispielsweise die HIGHSPEED 4. Im Jahre 2000 wurde der Katamaran von der australischen Werft Austal Ships für Hellenic Seaways gebaut. Die bis zu 40 Knoten schnelle Fähre verkürzt die Reisezeit gegenüber konventionellen Schiffen um etwa 50 %. Ihre Kapazität liegt laut Reedereiangaben bei 1004 Passagieren und 188 Autos.

Hellenic Seaways beschreibt sich selbst als das führende Schifffahrtsunternehmen in Griechenland. Die Reederei fährt Häfen im Raum der Kykladen, der Sporaden und des Argosaronikos an. Der Firmenname ist noch relativ jung und vereint die früheren Reedereien Hellas Flying Dolphins, Hellas Ferries und Saronikos Ferries.

DSC07617Neben Hellenic Seaways befährt auch die kleine Reederei Nova Ferries mit einem Schiff eine Strecke im saronischen Golf. Die PHIVOS läuft die Inseln Aegina, Poros, Hydra und Spetses an. Das 1980 als PUNTA EUROPA gebaute Fährschiff entstand auf der spanischen Werft Hijos de J. Barreras und war zunächst für die spanische Reederei Islena de Navigacion zwischen Algeciras und Tanger unterwegs. 1998 übernahm die Reederei Balearia das knapp 100 Meter lange Schiff und vercharterte es an Euroferrys für die Linie Algeciras-Ceuta. 2000 landete die Fähre bei Umafisa und fuhr für kurze Zeit zwischen Denia und San Antonio. Nach Ausserdienststellung und Aufliegezeiten erfolgt der Verkauf an das Unternehmen Magnacarta Enterprise mit Sitz in Panama, ehe Nova Ferries im Jahre 2004 neuer Eigner wurde.

DSC07715Die PHIVOS gehört zu den kleineren Schiffen, die Piraeus anlaufen. Bei einer Tragfähigkeit von rund 1100 Tonnen kann sie 1300 Fahrgäste und 120 PKW befördern. Zwei Deutz-Dieselmotoren bringen das Schiff auf etwa 18 Knoten Geschwindigkeit. Das reicht für mehrere Umläufe pro Tag aus und so ist die PHIVOS mehrmals pro Tag in Piraeus zu sehen.

Eine Fahrt nach Aegina bietet sich an. Diese Insel im saronischen Golf, die zwischen Attika im Norden und Argolis im Süden liegt, hat rund 9500 Einwohner und wird auch als die grüne Pistazieninsel bezeichnet. Rund 60 Minuten dauert die Überfahrt mit der PHIVOS.

DSC07867Ein weiterer Anbieter ist Blue Star Ferries, zu der u. a. die BLUE STAR NAXOS gehört. Ziel der Fähre sind die kykladischen Inseln Paros, Naxos und Santorini. Mit diesem und zwei weiteren baugleichen Schiffen, BLUE STAR PAROS und BLUE STAR ITHAKI (mittlerweile nach Kanada für die Linie St. John – Digby verkauft und nicht mehr im griechischen Fährverkehr) befährt Blue Star Ferries seit 2002 die Route zu den Kykladen. Früher war dieses Unternehmen besser bekannt unter dem traditionsreichen Namen Strintzis Lines, eine Reederei, deren Gründung auf das Jahr 1897 zurückgeht. Heutzutage ist Superfast der Hauptanteilseigner von Blue Star Ferries.

Mit ihren 26 Knoten gehört das Trio zu den schnellen (konventionellen) Schiffen der griechischen Fährflotte. 1440 Personen können maximal mitgenommen werden, dazu 240 PKW. Oder natürlich Busse und Fracht in Form von Lastwagen. Die in Südkorea gebauten Schiffe sind mit ihren 123 Metern Länge gar nicht mal so groß und gehören eher zu den kleineren griechischen Inselfähren.

DSC08209Aus Chalki kommt die PRIVELIS von Anek Lines regelmäßig nach Piraeus, die nach dem Kloster “Preveli” auf Kreta benannt ist, das bei zahlreichen Revolutionen in der¨Geschichte Kretas eine Rolle spielte.

Dass die meisten Anek-Schiffe nach Orten oder Persönlichkeiten von Kreta benannt sind, hat einen einfachen Grund: Das Unternehmen wurde von Aktionären gegründet, die Bewohner der Insel Kreta waren und den starken Wunsch hatten, ihre eigene Reederei aufzubauen. Ziel war ein zuverlässiger und vor allem sicherer Fährdienst zwischen Kreta und dem griechischen Festland. 1967 wurde “Anonymos Naftiliaki Eteria Kritis”, kurz ANEK, in Chania auf Kreta gegründet. Drei jahre später kam mit der KYDON das erste Fährschiff zwischen Piraeus und Kreta zum Einsatz.

DSC07761Bemerkenswert an Anek ist die Zusammensetzung des 14-köpfigen Reedereivorstandes, von dem 11 Mitglieder direkt gewählt werden und vier festgelegt sind. Zu den vier im Gesellschaftsvertrag festgelegten Mitgliedern gehören die Bürgermeister von Chania und Rethimnon, ein Mitglied des Verbandes diplomierter Kaufleute von Chania und als Anek-Vorsitzender der Metropolit von Kissamos und Selinon, Irinäus. Die griechisch orthodoxe Kirche und im Besonderen Bischoff Irinäus haben finanziell und engagiert an der Verwirklichung der Reederei Anek mitgewirkt.

Die PREVELIS wurde 1980 wurde sie in Japan als FERRY ORANGE NO 2 zwischen Tokio und Osaka in Dienst gestellt. Die PREVELIS ist das kleinste Schiff der Anek-Flotte. Gut 142 Meter lang kann sie 1500 Passagiere und rund 450 PKW transportieren.

DSC08235Einige hundert Meter weiter südlich liegt Minoan’s 214 Meter lange KNOSSOS PALACE, die jeden Abend zu ihrer Fahrt Richtung Kreta oder zurück aufbricht. Das bei Fincantieri in Italien gebaute Schiff schafft die Überfahrt in nur 6 Stunden. Es bedient diese Strecke mit dem Schwesterschiff FESTOS PALACE, Jeweils früh morgens macht eines der beiden Schiffe in Piraeus fest und liegt dann den ganzen Tag über im Hafen.

DSC08316Recht außergewöhnlich sieht die AGIOS NEKTARIOS AIGINAS aus, die zu den jüngeren Schiffen im Ägina-Verkehr gehört. Obwohl die Fähre aufgrund der Gestaltung der Vorderfront und der Brücke wesentlich älter aussieht, wurde sie erst 1999 als PANAGIA SKIATHOU in Dienst gestellt. Es ist übrigens kein japanischer Bau, sondern stammt aus Griechenland. Mit seiner Länge von gut 75 Metern kann es rund 120 PKW und 1000 Passagiere befördern.

DSC08811Eine weitere aus Japan stammende Fähre ist die 1990 von Naikai Zosen Yards als NEW TOSA gebaute DIAGORAS. Im Einsatz war das rund 141 Meter lange Schiff zunächst für die Reederei Osaka Kochi Tokkyu Ferry und verband Kochi mit Osaka. Zehn Jahre später dann erfolgte der Verkauf an die Dane Sea Line nach Griechenland und die Umbennenung in LINDOS. Allerdings kam sie unter diesem Namen nicht in Fahrt und wurde stattdessen unmittelbar nach dem obligatorischen Umbau auf DIAGORAS getauft. Bis 2004 für sie für Dane Sea Lines nach Rhodos, ehe sie aufgrund ausgebliebener Zahlungen der Reederei an die kette gelegt wurde und 2006 durch eine Zwangsversteigerung an Blue Star Ferries ging.

DSC07796Ein alter Bekannter aus deutscher Sicht ist die THEOFILOS der Reederei Nel Lines, die zum Zeitpunkt dieses Piraeus-Besuches in Keratsini einige Kilometer nördlich aufliegt. Das Licht der Schifffahrtswelt erblickte die Fähre als NILS HOLGERSSON bei der Nobiskrug Werft in Rendsburg. Und genau genommen handelte es sich dabei bereits um das viele, viele Jahre später wieder auferstandene Konzept eines Kreuzfahrtschiffes mit Autodeck. Denn um die verkehrsschwachen Wintermonate zu überbrücken, sollte die NILS HOLGERSSON Kreuzfahrten durchführen. Das geschau in der Praxis auch: Bei Fährfreunden wie Seeleuten der TT-Line unvergessen ist die Kreuzfahrt vom Jahreswechsel 1977/78, als es von Travemünde nach Lissabon, Funchal, Casablanca, Tanger und Vigo ging. Dafür besaß das Schiff sogar einen Swimmingpool an Oberdeck. Bis heute eher ein Novum auf nordeuropäischen Fähren.

Mitte der achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts verließ die NILS HOLGERSSON ihre Fährlinie zwischen Travemünde und Trelleborg und wurde nach Australien verkauft, wo sie als ABEL TASMAN im Fährdienst nach Tasmanien eingesetzt wurde. Knapp zehn Jahre später, im Jahre 1994, tauchte sie dann wieder in europäischen Gewässern auf, nachdem sie von der griechischen Reederei Ventouris gekauft worden war und führ kurze Zeit als POLLUX zwischen Igoumenitsa und Bari fuhr. 1995 dann übernahm Nel Lines die Fähre.

DSC09047Wenn sich der Tag in Piraeus dem Ende zuneigt, die Sonne langsam versinkt und diese quirlige Stadt langsam in Dunkelheit taucht, geht der Fährverkehr weiter. Einige Fähren bleiben über Nacht in Piraeus liegen. Die Nachtabfahrten der Minoan und Anek-Fähren nach Kreta aber beginnen jetzt. Zwischen acht- und neuneinhalb Stunden benötigen beispielweise letztere, um die Häfen Chania, Rethimno und Heraklion zu erreichen.

Mit welchem Ziel man auch immer nach Piraeus reist – ob als Tourist, Fährpassagier oder Fährschiffsfreund – enttäuscht wird man hier nie.

Ende September 2014 befuhren u. a. folgende Schiffe Linien von und nach Piraeus (Auszug, keine Vollständigkeit, ohne Gewähr, laut Reedereiangaben und Fahrplänen):

29.09.2014

an 05:25 KORNAROS (aus Antikythira)
an 06:00 FESTOS PALACE (aus Heraklion)
an 06:00 OLYMPIC CHAMPION (aus Chania)
an 06:00 KRITI I / BLUE HORIZON (nach Heraklion)
an 07:10 EUROPEAN EXPRESS (aus Syros)
an 07:25 ARIADNE (Mytilene-Chios-Piraeus)
ab 07:25 BLUE STAR NAXOS (Piraeus-Paros-Naxos-Ios-Santorini)
ab 07:30 BLUE STAR ITHAKI (Piraeus-Syros-Tinos-Mykonos)
ab 08:00 HiSpeed Hellenic Seaways (Saronische Inseln)
an 08:05 BLUE STAR 2 (Piraeus-Syros-Patmos-Leros-Kos-Rhodos)
an 09 :45 PRIVELIS (aus Chalki)
an 15:00 BLUE STAR PAROS (Piraeus-Paros-Naxos-Donuossa-Astypalaia)
ab 17:00 EUROPEAN EXPRESS (nach Syros)
ab 17:00 KORNAROS (nach Kissamos)
ab 17:00 VITSENTZOS KORNAROS (Kythera-Antikythera-Kissamos-Gythion)
ab 17:30 BLUE STAR PAROS (Piraeus-Paros-Naxos-Donuossa-Astypalaia)
an 18:50 HiSpeed Hellenic Seaways (Saronische Inseln)
ab 19:00 BLUE STAR 2 (Piraeus-Syros-Patmos-Leros-Kos-Rhodos)
an 19:20 HiSpeed Hellenic Seaways (Saronische Inseln)
an 20:00 BLUE STAR ITHAKI (Piraeus-Syros-Tinos-Mykonos)

30.09.2014

an 06:00 ELYROS (aus Chania)
an 06:00 KNOSSOS PALACE (aus Heraklion)
an 06:00 KRITI I / BLUE HORIZON (Piraeus-Heraklion)
an 06:55 BLUE STAR PATMOS (Mytilene-Chios-Piraeus)
ab 07:25 BLUE STAR NAXOS (Piraeus-Paros-Naxos-Ios-Santorini)
ab 07:30 BLUE STAR ITHAKI (Piraeus-Syros-Tinos-Mykonos)
an 07:45 BLUE STAR 1 (Piraeus-Santorini-Kos-Rhodos)
ab 08:00 HiSpeed Hellenic Seaways nach Poros
an 10:20 DIAGORAS (Piraeus-Patmos-Lipsi-Leros-Kalymnos-Kos-Symi-Rhodos-Kastellorizo)
ab 15:00 DIAGORAS (Piraeus-Patmos-Lipsi-Leros-Kalymnos-Kos-Symi-Rhodos-Kastellorizo)
ab 17:30 BLUE STAR PAROS (Piraeus-Syros-Paros-Naxos-Iraklia-Schinoussa-Koufonissi-Amorgos)
ab 18:00 BLUE STAR 1 (Piraeus-Santorini-Kos-Rhodos)
an 18:50 HiSpeed Hellenic Seaways (Saronische Inseln)

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