MENU
DSC03369

Mit MOBY DADA von Korsika nach Nizza

26/11/2017 • Seereisen, Travel Blog, Travel Reports


Auf einer weitgehend unspektakulären Reise hatte ich die Möglichkeit, Moby Line´s MOBY DADA etwas genauer in Augenschein zu nehmen. Das Schiff ist vor allem in Nordeuropa gut bekannt, wurde es doch 1981 als FINLANDIA für Silja Line’s Helsinki-Stockholm-Route in Dienst gestellt.

IFEigentlich wollte ich mit GNV`s RHAPSODY von Porto Torres nach Genua fahren. Doch GNV bietet seit kurzer Zeit eine seltsame (und aus meiner Sicht äußerst zweifelhafte) Verkaufspraktik an, der ich mal eben zum „Opfer“ gefallen bin, denn: Ich hatte bereits im März 2017 ein Ticket gebucht. GNV berechnete für dieses Ticket zunächst nur 73 Euro, was mich zwar wunderte, aber erwarten ließ, dass der Rest automatisiert kurz vor der Reise abgebucht werden würde. Gleich nach meiner Buchung erhielt ich das Ticket per E-Mail (wie bei allen Onlinebuchungen üblich)… Nein! Genau das geschah nicht, es sah nur so aus wie ein Ticket (hatte sogar einen Bar-Code, wie er üblich ist, um damit einchecken zu können sowie in der Rubrik Ticket eine Nummer – ja, da stand tatsächlich was von „Biglietto/Ticket“ und sogar der Ticketholder war benannt). In sehr kleiner Schrift, die ich gar nicht weiter bemerkte, war da nämlich ein Datum geschrieben. Bis zu diesem Datum müsse der Rest des Fahrpreises auf eigene Faust bezahlt werden. Nee, das stand dort so explizit leider auch nicht und erfuhr ich erst später.

Wie? Was? Mal langsam…

GNV fordert also bei der Buchung Kreditkartendetails, bucht auch schnell 73 Euro ab aber dann sollte ich den Rest über das sogenannte „Contact Center“ bezahlen. Steht so weder auf dem Pseudo-Ticket noch in der E-Mail gleich nach der Buchung, aber natürlich im Kleingedruckten irgendwo. Tut man das nicht und ist – wie in meinem Falle – ein paar Tage über die auf dem Pseudo-Ticket genannte Frist, sind die 73 Euro futsch UND die Reservierung gleich mit. Auf Kulanz ließ sich GNV übrigens nicht ein, schickte mir aber eine Nachricht, die in meine Sprache übersetzt wie folgt lautete: Wir, die Grandi Navi Veloci, machen dir, dummer (nein, das stand da so natürlich nicht, wie gesagt, meine Sprache) Fahrgast der unsere seltsamen (neuen) Ticketbuchungen nicht versteht, das Angebot, für 438 Euro inkl. Auto und Kabine von Porto Torres nach Genua zu reisen und rechnen Dir Deine 73 Euro auf den Fahrpreis an.

Gut, noch mal ordnen: GNV bot mir also für 438 Euro eine Nachtüberfahrt von Sardinien zum Festland auf einer Fähre an. Nicht etwa ein paar Tage Kreuzfahrtschiff in der Karibik (5 Tage Carnival Cruise Lines z. B. aktuell für $359), sondern eine stinknormale Fährüberfahrt von Sardinien nach Genua auf der über 20 Jahre alten RHAPSODY.

Klar liebe Leute von GNV! So ein Angebot MUSS der dumme Fahrgast doch einfach toll finden. Leider bin ich dann doch nicht so dumm schlau. Nur zehn Minuten nach dieser E-Mail hatte ich zwei neue Überfahrten gebucht, die mich einmal mit Moby Lines von Sardinien nach Korsika führten und im weiteren Verlauf von Bastia nach Nizza mit MOBY DADA. Alles zusammen für weniger als 200 Euro.

Übrigens verkauft GNV dieses seltsame Anzahlsystem als tollen Fortschritt in punkto Kundendienst. So zu lesen jedenfalls in einer Pressemitteilung, die ich später fand. Wobei wieder mal bewiesen ist, dass man sich alles, wirklich alles schönreden kann, man muss es nur wollen.

DSC03369So kam ich also zur MOBY DADA. Und das war gut, wenngleich die Zeit an Bord leider nur sehr kurz war, als ich am 1. September 2017 in Bastia auf Korsika an Bord fuhr. Längst war es dunkel und die Sonne in den korsischen Bergen untergegangen. Die Abfahrt war für 22:00 geplant und wurde später auch exakt eingehalten.

IMG_9649Einigen Unkenrufen zum Trotz fand ich ein zwar älteres, aber trotzdem sehr gepflegtes Schiff vor, das großzügige Innenbereiche bot. Es war an diesem Tag nicht allzu voll an Bord, was sicherlich sein Übriges tat, um keinerlei Gefühle des Platzmangels aufkommen zu lassen.

An Bord waren noch viele Hinweise auf den Einsatz des Schiff für die St. Peter Line zu sehen, sprich alte Logos und russische Sprache, die in französischen und italienischen Gewässern so gut wie nie zu finden ist.

IMG_9642Pluspunkt bei Moby Line – so auch auf diesem Schiff – waren die Durchsagen, die in vier Sprachen gebracht wurden, auch in Deutsch. Andere Dienstleister in diesem Gebiet können sich davon eine Scheibe abschneiden, denn auch im Jahre 2017 ist man in Frankreich so gut wie nicht gewillt, etwas anderes zu sprechen als Französisch. Das ist soweit auch OK, aber Dienstleister und Serviceunternehmen, die mit ausländischen (gerade deutschen) Gästen viel Geld verdienen, sollten wenigstens Englisch im Programm haben.

IMG_9660An Bord der MOBY DADA ließen sich ein Shop finden, eine Art Pub sowie ein Buffet-Restaurant und ein á-la-carte Restaurant. Kommt man erst um 21:30 Uhr an Bord und möchte das Auslaufen um 22:00 Uhr an Deck betrachten, bekommt man Schwierigkeiten, noch zu essen. Es klappte zwar, aber das Essen war bereits an der Grenze von warm zu kalt. Der Preis war, wie leider bei Moby üblich, recht hoch. Ohnehin überraschte mich das Gastronomie-Konzept, denn die eigentlich gewünschte Cafeteria fand ich nicht, dafür eine Art „All-you-can-eat“-Buffetrestaurant gleich hinter den großen Frontscheiben des Schiffes im vorderen Bereich. Zumindest ich war (und bin) nicht in der Lage, für den Preis des Eintritts adäquat zu essen, aber eine preiswerte Alternative fand ich nicht. Ich kann aber versichern, dass das Essen den bezahlten Preis nicht wert war, weder von der zu mir genommenen Menge noch von der Qualität. Die Auswahl war dagegen sehr groß und ich bin überzeugt, wäre ich früher gekommen, wären die Speisen sicher auch noch wärmer gewesen. Aber man verkaufte es mir zum vollen Preis, so dass ich diesen Kritikpunkt hier einmal anbringen muss.

DSC03333An dieser Stelle noch ein Wort zum Personal. Es ist für mich immer wieder schwierig, zu erkennen, ob das italienische Bordpersonal einfach nur auf sehr lockere Art und Weise freundlich-flapsig ist oder schlichtweg einfach total genervt von seinen Passagieren. Zusammen mit zwei anderen war ich der letzte Gast in diesem Restaurant und wurde gleich mehrfach lautstark aufgefordert, doch noch mehr zu essen – offenbar da man bald abräumen und den verbliebenen Rest nicht wegschmeißen wollte. Ich nahm diese Rufe der Kellner mal mit Humor, ebenso die oft eher schroffe Art des Personals in den Wagendecks. Vielleicht ist das einfach nur eine bislang unverstandene Art italienischen Humors.

DSC03337Die Überfahrt von Korsika zum französischen Festland verbrachte ich in einer geräumigen Kabine, an der es nichts auszusetzen gab. Einzig und allein sehr heftige und laute Knack- und Knarzgeräusche würden dem unerfahrenen Seereisenden wahrscheinlich die Nacht verhageln, während ich bei starkem Wind und Seegang, der in dieser Nacht in diesem Seegebiet herrschte, einen guten Schlaf hatte.

DSC03363Sehenswert ist das Einlaufen mit solch einem großen Schiff in Nizza. Die Hafeneinfahrt ist sehr eng und es war eine tolle Leistung des Kapitäns, das Schiff hier rein und auch wieder raus zu bringen. Wie das ganze allerdings bei starkem Seitenwind funktionieren soll? An diesem Morgen des 2. September 2017 ist von Wind jedoch wenig zu spüren. Die aufgewühlte See hatte sich zum Morgen hin stark beruhigt und somit auch die knackende Geräuschkulisse in meiner Kabine.

Related Posts

Comments are closed.

« »