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Korsika – L’ile de Beauté

23/07/2013 • Travel Blog, Travel Reports

Korsika, die L’ile de Beauté, ist ein wirklich wundervoller Ort auf diesem Planeten. Die viertgrößte Insel im Mittelmeer präsentiert sich dem Besucher mit malerischen Buchten, Bergland und ganz viel Grün. Für den Schifffahrtsfreund bietet Korsika viele Häfen mit noch mehr Fähren, die aufs Festland nach Frankreich oder Italien sowie zur Nachbarinsel Sardinien fahren. Doch Korsika hat noch eine andere, dunkle Seite, nämlich die korsische Befreiungsbewegung FLNC, die einem tatsächlich mehr als einmal auf der Insel „begegnen“ kann.

 

Wer andere Mittelmeerinseln bereist hat, wird schnell feststellen: Korsika ist etwas anders. Die Schönheit der Insel ist überwältigend. Einfach prächtig, Paradies. Während hingegen die Architektur eher etwas düster daherkommt, anders, als beispielsweise auf Sardinien oder spanischen Inseln. Man sagt, die Korsen hatten in früheren Zeiten nichts zu lachen, deshalb sieht alles etwas weniger farbenprächtig aus. Viele Häuser erscheinen trutzig. Dass manche Wand schon lange keinen frischen Putz mehr oder Farbe gesehen hat, stört aus meiner Sicht aber überhaupt nicht.

 

DSC08108Ajaccio 

Die Reise führt zunächst nach Ajaccio. Es ist die Hauptstadt Korsikas – und der Geburtsort Napoleon Bonapartes. Dieser französische Kaiser erblickte hier 1769 das Licht der Welt. Ajaccio könnte man fast schon als korsische „Großstadt“ bezeichnen. Hier geht es etwas hektischer zu und sehr viele Menschen sind unterwegs. Gebucht ist ein nettes Hotel zwischen Flughafen und Stadt, das direkt an der Bucht liegt und herrliche Ausblicke aufs Meer erlaubt. Zu den schönen Dingen am Mittelmeer gehört es, bereits morgens um 6 Uhr vor die Tür zu treten und die Wärme zu spüren.

DSC07983Bereits in aller Frühe kommen die beiden Fähren MEGA EXPRESS von Corsica Sardina Ferries und EXCELSIOR auf Korsika an. Letztere wurde durch SNCM von Grandi Navi Velocci gechartet und verbindet erst seit kurzer Zeit Korsika mit Marseille. Es ist sicherlich das Highlight dieser Korsika-Reise – aus maritimer Sicht, wohlgemerkt, denn Highlights auch abseits des Maritimen gibt es auf Korsika bekanntlich viele.

 

DSC08143Reise über Korsika 

Korsika ist eine Insel der Kontraste, nicht nur was die Schönheit und die Natur angeht. Hat man auf der einen Seite die Küste mit schönen Badebuchten und Stränden, führt der Weg hinein ins korsische Hinterland in atemberaubende Gebirgslandschaften. Eine Reise über Korsika ist sehr zu empfehlen, nicht zuletzt wegen der immer über Serpentinen zu erklimmenden Berge. Hat man einen hinter sich, kommt der nächste. Da Korsika zum größten Teil Hochgebirge mit 50 (!) Zweitausendern ist, dauert die Fahrt über die Insel entsprechend lange. Korsikas höchster Berg ist übrigens der gut 2700 Meter hohe Monte Cinto. Kein Wunder, dass man im Winter Korsika auch zum Skifahren nutzen kann.

DSC08159Es geht also auf der N 193 von Ajaccio an Bocognano vorbei, weiter durch Vivario und Venaco. Was sofort auffällt ist der Zustand der Straßen. Alles frisch geteert, jedenfalls große Teile der Strecke. Na klar, die Tour de France ging gerade hier durch und die bunten Fähnchen hingen teilweise noch. Was ebenfalls sofort auffällt sind die Kritzeleien auf dem Asphalt. Viele, sehr viele davon, was so ungefähr ab Vivario losgeht. FLNC ist immer wieder zu lesen sowie „Corsica is not France“. Das sollte offenbar als Botschaft für die Radrennfahrer und ihre Zuschauer dienen und es macht Sinn, das Thema hier einmal zu behandeln, denn – wie ich weiter oben schon erwähnte – Korsika ist eine Insel der Kontraste. Paradiesisch schön einerseits, verwegen andererseits. Kaum zu glauben, aber wahr: Auf Korsika gab es ausgeprägte terroristische Aktivitäten, hauptsächlich durchgeführt von der Befreiungsbewegung Frontu di Liberazione Naziunale Corsu (FLNC), die seit 1976 gewaltsam für die Autonomie Korsikas kämpft. DSC08346Zahlreiche Sprengstoffanschläge und Morde gehen auf ihr Konto, wobei sie sich mittlerweile aufgespalten hat. DSC08419Daneben gibt es die Partei UPC, die im Gegensatz zur FLNC legal und gemäßigt ist. Man muss sich das Ganze etwa so vorstellen: Auf Korsika gibt es diverse Familienclans. Da diese seit Jahrhunderten miteinander verwandt und verschwägert sind, regeln sie am liebsten alles unter sich. Auch mal mit einem Mord. Auf der anderen Seite ist der französische Stadt mit seiner Hauptstadt Paris, die sie auf Korsika sehr argwöhnisch betrachten. In den 1960er Jahren begann der Staat, die so genannten Schwarzfüsse (pieds noirs) auf Korsika anzusiedeln. Diese französischen Algerier bekamen vom französischen Staat Land für den Weinanbau zugesprochen. Und die Korsen, die man vorher nicht besonders gefördert oder gefragt hatte, begannen, dagegen Widerstand zu leisten, weil sie leider auch teilweise von den Angesiedelten an die Wand gedrückt wurden. DSC08192Und so bombte und sprengte man ein Vierteljahrhundert. Die Situation heute ist so, dass der Staat den Korsen gewisse Autonomierechte einräumt und die FLNC durch ihre Attentate eigentlich sämtliche Sympathien auf Korsika verloren hat, mittlerweile auch mafiöse Strukturen aufweist. Je tiefer man in das Hinterland und die Berge kommt, desto häufiger begegnet einem die FLNC. Entweder durch Schmierereien an Häuserwänden oder durch beschmierte Ortsschilder. Die französischen Namen der Orte sind oft unkenntlich gemacht, während die korsischen Namen lesbar sind. Manchmal unterschieden sich die Namen nur um einen Buchstaben: Vivario und Vivariu (korsisch). Öfter kann man auch Einschusslöcher sehen.

Die Fahrt verläuft weiter über die im inselinneren liegende Universitätsstadt Corte und über Ponte Leccia nach Ponte Nuovu, wo sich eine altertümliche, zerstörte Brücke befindet, an der man gut Rast machen kann. Nächste Etappen sind Barchetta und Fontanone, ehe das Bergland verlassen wird, um Richtung Bastia zu fahren.

 

DSC08482Bastia 

Bastia, die Hafenstadt im Nordosten Korsikas, ist die Hauptstadt des Verwaltungsbezirks Haute-Corse. 40.000 Menschen wohnen hier. Es ist ein Zentrum im Nordosten, vor allem aber Anlaufpunkt für viele Fähren. Sowohl vom französischen wie auch italienischen Festland kann man mit einer der nach Korsika fahrenden Reedereien übersetzen. In der maritimen „Szene“ und bei Touristen wohlbekannte Namen wie Moby Lines, Corsica Ferries, CMN oder die ehemalige französische Staatsreederei Société Nationale Maritime Corse-Méditerranée, besser bekannt unter dem Kürzel SNCM, sorgen für täglich viele Verbindungen. An diesem Vormittag liegt hier die MOBY CORSE, ein alter Bekannter aus Dänemark, und wird beladen, um nach Genua aufzubrechen.

DSC08524In Bastia kann man vor allem an der Altstadt und dem alten Hafen gut schlendern und essen. Hier reihen sich die Restaurants aneinander. Zum Baden eignet sich der Ort weniger, aber dafür gibt es andere Möglichkeiten. Diese findet man beispielsweise an der Nordküste, wohin die Reise später weiterführt. Einige Kilometer vor L’Île Rousse trifft die N 1197 auf die Küste und gibt den herrlichen Blick aufs Wasser frei. Kämpft man sich vorher noch durchs Gebirge, erscheint es wie ein Durchatmen, wieder weit und frei gucken zu können. Die Straße ist an die Hänge der Berge gebaut, die viel Grün an den Hängen haben und mit dem blauen Mittelmeer auf der anderen Seite ein tollen Kontrast bilden.

 

DSC08605L’Île Rousse 

Von L’Île Rousse aus fahren SNCM und Corsica Ferries zum Festland. Ansonsten ist es ein beliebter Badeort. Er liegt auf der Strecke Bastia-Calvi. Hier wurde 1725 der korsische Revolutionär Pascal Paoli geboren. L’Île Rousse ist „berühmt-berüchtigt“. Hier wurde 2000 der ehemalige Chefideologe der FLNC von den ehemaligen Mitstreitern in einer der Bars an der Hauptstraße des Ortes erschossen. Klingt alles martialisch, aber L’Île Rousse präsentiert sich vor allem als schöner Badeort, welcher er zweifellos auch ist. Hier sollte man ein bisschen verweilen.

 

DSC08644Propriano 

Letztes Ziel dieser Korsika-Reise ist Propriano. Dieser Ort liegt an der südlichen Westküste Korsikas und lädt ebenfalls zum Baden ein. Kommt man aus den Bergen, kann man den Ort bereits von oben sehen. Strände gibt es hier viele und sie sind nicht überlaufen, so wie Korsika generell ja eher bei Franzosen und Italienern als schöner Urlaubsort bekannt ist und somit nicht vom Massentourismus überlaufen ist.

Von Propriano aus fahren Fähren hinüber zum französischen Festland. An diesem Tage liegt die noch nagelneue PIANA im Hafen, während einige Meter daneben die Lokale und Restaurants des Ortes liegen. Tolle Kontraste auch hier.

 

Gewitter in den Bergen 

Ein sicherlich ebenso kontrastreiches Schauspiel liefert oft auch das Wetter auf Korsika. Noch der Blick aus den Bergen hinab auf Propriano zeigt bestes Sonnenwetter, während sich in den Bergen die dunklen Wolken verdichten und in einem Gewitterregen entladen.

Der Abschied von Korsika kommt leider – wie immer – viel zu schnell. Es bleibt die Erinnerung an eine schöne Zeit auf der L’ile de Beauté.

 

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