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Interrail nach Sardinien

24/08/2016 • Ferry Crossings, Seereisen, Travel Blog, Updates


Viele Wege führen nach Sardinien. Erstmalig in meinem Leben machte ich zusammen mit meinem Sohn „Interrailing“ und reiste mit dieser Variante von Deutschland nach Italien. Ob sich das lohnte, welche Vorteile es hatte und welche Abenteuer sonst so auf uns lauerten beschreibe ich in diesem Beitrag.

Die einzelnen Abschnitte dieses Beitrages

1. Etappe: Siegburg/Bonn – Genua

2. Etappe: Basel SBB – Milano Centrale

3. Etappe: Milano Centrale – Genova Piazza Principe

4. Etappe: Genua – Olbia mit MOBY OTTA

5. Etappe: La Cinta und Co., unser „Sardinien-Strandtest“

6. Etappe: Rückreise mit MOBY DREA

7. Etappe: Die Bahnreise der Hinfahrt einmal Retour; im deutschen ICE sind wir nur „geduldet“

8. Fotogalerien und Videos der Tour

Nicht verwirren lassen: „Interrailen“, „Interrailling“ usw. sind mal eben auf die Schnelle von mir geschaffene Kunstwörter, die sich auf den Interrail-Pass beziehen. Einfach gesagt: Mit einem Interrail-Pass kann man preisgünstig per Bahn (und manchmal sogar per Fähre) durch Europa reisen.

Die Planung war: Ein schöner Kurzzeit-Strandurlaub auf Sardinien, kombiniert mit einer Anreise über See, also der klassischen Fährreise von Genua nach Olbia.

Für nur 39 Euro nach Italien. Wo ist der Haken?

Das Internet-Angebot der Deutschen Bahn klang äußerst verlockend: Mit dem Europa-Sparpreis-Ticket für nur 39 Euro in der 2. Klasse nach Italien reisen (Kind inklusive). Schnell war die Idee geboren, einmal ganz anders nach Sardinien zu gelangen, nämlich statt dem üblichen (zugegeben sehr bequemen) 2-Stunden-Express via Flugzeug 11 Stunden auf der Schiene plus weitere fast 11 Stunden auf der Fähre. Zeit sollte hier nicht der ausschlaggebende Faktor sein. Der Weg als Ziel.

So machten wir uns eines Tages zum DB-Reisezentrum in Siegburg auf, weil der Versuch übers Internet mehrfach scheiterte. Der Reisetermin lag noch rund 4 Monate in der Zukunft. Die gewünschte Verbindung hatte ich bereits im Internet bei der DB recherchiert, die Mitarbeiterin am Schalter musste mir nur noch das 39-Euro-Europa-Sparpreisticket aushändigen. So preiswert nach Italien schafft man es sonst wohl nur mit Ryanair, allerdings auch nur bis Mailand, nicht bis Genua, wo wir hinwollten, um von dort die Fähre nach Sardinien zu nehmen.

Ich bin leider kein intensiver oder besonders abgeklärter Bahnkunde und so stand ich voller Naivität am Schalter des DB-Zentrums. Das sollte schon bald zu einer Bruchlandung aller Hoffnungen führen, denn die Mitarbeiterin eröffnete mir, dass keinerlei Sparpreis mehr verfügbar war. 4 Monate vor dem geplanten Beginn der Reise!

„Das liegt an den Italienern, ist ein Glücksspiel. Mal klappt es, mal nicht“, war ihre Antwort auf meinen enttäuschten Einwand, was denn bitteschön die ganze tolle Werbung der DB soll, wenn man solch ein Ticket nicht mal kaufen kann.

„Dann geben sie mir bitte die regulären Preise für Siegburg/Bonn – Genua und zurück“, sagte ich und die Frau quälte ihren Computer. Konnte ja nicht so teuer sein. Ist ja schließlich Eisenbahn und kein Flug mit der Concorde. Meine Naivität hatte ich (noch) nicht abgelegt. Doch was der Bahn-PC auch auswarf, es lag im unbeschreiblichen Bereich von über 600 Euro. Selbst die Bahn-Mitarbeiterin musste schlucken. Für 600 Euro mit der Bahn nach Italien? Eine Person? Niemals! (Nur mal zum Vergleich: Ich bin schon für unter 600 Euro hin und zurück nach New York geflogen. Das ging nicht nur schneller als mit der Bahn nach Italien sondern bestand auch noch aus Inklusivleistungen im Bereich der Verpflegung.)

Mit hängenden Ohren zogen wir ab. Der bereits in der Fantasie ausgemalte schöne Strandurlaub drohte zu scheitern. Oder doch lieber Flugzeug? Die Meinungen waren geteilt. Ryanair bot extrem preiswerte Tickets nach Mailand an. Diese standen mit ihren rund 15 Euro (natürlich noch ohne Gepäck) im krassen Gegensatz zu den Preisaussagen im DB-Reisezentrum. Allerdings ging es uns darum, mit der Eisenbahn nach Italien zu fahren. Der Weg als Ziel eben.

Ich erinnerte mich an den Interrail-Pass. Zwar hatte ich jenen noch nie genutzt, aber viel Gutes (und manches Schlechtes) über das jugendliche, preiswerte Reisen auf europäischen Gleisen gehört. Was auch erzählt wurde, alles hatte etwas von romantischen (nicht immer bequemen) Reisen. Und es war vor allem preiswert, jenseits utopischer Preisvorstellungen, die manch auf dem Weg in den Süden liegende Eisenbahngesellschaft dieser Tage hatte.

Auf das umfangreiche und (nur auf den ersten Blick!) etwas erschlagende Interrail-Angebot möchte ich hier nicht weiter eingehen, nur soviel: Grundsätzlich hat man die Wahl zwischen einem One Country Pass und einem Global Pass. Wer von Deutschland nach Italien reisen will, benötigt zwingen den Global Pass, denn (wie der Name schon sagt) der One Country Pass ist nur in einem Land gültig.

Der nächste Dämpfer kam, als ich mir die Preise der Global Pässe anschaute. Von wirklich preiswerten Bahnreisen hatte das eigentlich auch nichts. Die Preisspanne lag zwischen 264 Euro (2. Klasse, 5 Tage Gültigkeit innerhalb von 15 Tagen) und 983 Euro (1. Klasse, 1 Monat fortlaufend). Weit entfernt von den Europa-Spartickets der Bahn, doch letztlich die einzige Chance, die Eisenbahnreise nach Italien doch noch wahr werden zu lassen. Am Ende meiner langen und ausgiebigen Kalkulationen stand fest, dass es mit dem Pass für 5 Tage innerhalb von 15 Tagen am Besten und Preiswertesten klappte.

So sollte es also sein. Wir wurden zu „Interrailern“!

Ganz kurz sei hier der Vorgang erklärt: Man bestellt über die Internetseite von Interrail den jeweiligen Pass, der etwas später per Post geliefert wird. Das klappt sehr gut! Dann nimmt man, ebenfalls über die Interrail-Website, Reservierungen für Züge vor. Gerade für einige italienische Züge ist dieses obligatorisch. Natürlich langen die Bahnen hier erneut zu. Rechne ich alle Reservierungen (ins. 7) zusammen, so kamen noch einmal rund 125 Euro dazu.

Beim Nutzen des Interrailpasses ist auf einiges zu achten. So muss man selbst das Ausfüllen der Reisedaten vornehmen und ein Reisetagebuch mit den genutzten Strecken führen, sonst ist der Pass ungültig und man fährt mal eben schwarz.

1. Etappe: Siegburg/Bonn – Genua

IFDie Reise startet morgens an einem Freitag im Juli 2016 um 7:10 Uhr am ICE-Bahnhof Siegburg/Bonn. Zunächst geht es mit einem ICE der Deutschen Bahn bis nach Basel SBB. Das Streckenstück zwischen Siegburg und Frankfurt am Main Flughafen ist als Hochgeschwindigkeitsstrecke ausgebaut. Hier kann der ICE zeigen, was in ihm steckt. Mit bis zu 310 Stundenkilometern rasen wir dahin. Beindruckend. Schneller nach Frankfurt von Bonn kann man wohl nur mit einem Flugzeug reisen.

IFDie Strecke Richtung Basel SBB ist vor allem im Bereich Süddeutschlands interessant, denn landschaftlich ziehen am Zugfenster einige schöne Highlights vorbei, z. B. Weinberge und malerische Höhenzüge. Leider wird es schon hinter Frankfurt unerträglich heiß in diesem Wagen, da die Klimaanlage nicht funktioniert. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als die gekauften Platzreservierungen aufzugeben und mit Sack und Pack in einen anderen Wagen umzuziehen. Außerdem funktioniert das Wlan nicht, mit dem die Bahn wirbt. Immerhin treffen wir aber pünktlich in Basel ein und haben dort nun knappe 2 Stunden Zeit, ehe die Weiterreise nach Mailand erfolgt.

2. Etappe: Basel SBB – Milano Centrale

IFDiese Etappe dauert 4 Stunden und gehört zum wirklich schönsten Teil der Bahnreise. Bekannte Bahnhöfe wie Basel SBB, Olten, Bern, Thun und einige andere werden angefahren. Die Schweiz zieht am Fenster dieses komfortablen Zuges vorbei, den die Schweizerische Bundesbahn (SBB CFF FFS) stellt. Zwar gibt es keine Geschwindigkeitsangabe im Zug, doch es ist definitiv keine „Bummelbahn“. Zügig geht es voran und ab Thun wird es dann richtig spannend. Zum einen, weil der Thunersee auftaucht, zum anderen, weil es danach mit teilweise schneebedeckten Alpenbergen weitergeht. Eine wirklich grandiose Landschaft, die schnell den Vorteil einer Bahnreise gegenüber einem Flug deutlich macht.

IFAm Service der SBB CFF FFS gibt es nichts zu klagen. Der Zug ist modern, sehr komfortabel und nicht besonders laut. Schade, dass die Fensterscheiben nicht etwas sauberer sind, so wären Fotos und Videos noch schöner geworden.

IFDen Übergang von der Schweiz nach Italien merkt man eigentlich nicht. Jedenfalls nicht unmittelbar. Irgendwann taucht als erster Bahnhof Varzo auf (hier wird allerdings nicht gehalten) und dann schließlich Domodossola mit Halt. Italien ist erreicht, einige Grenzbeamte gehen durch den Zug und das Personal wechselt, augenscheinlich zumindest teilweise. Nun gibt es eine erneute Kontrolle der Fahrkarten. Uns Interrailern wird dabei immer wieder „eine gute Reise“ gewünscht. Nette Worte von den Bahnmitarbeitern, denn wer reist an diesem Tage schon von Bonn nach Genua mit dem Zug? Sicher nicht so viele.

Auch auf italienischer Seite ist die Landschaft spektakulär. Nach Domodossola folgt Stresa am Lago Maggiore, der zum Greifen nahe ist. Eine ganze Weile zuckelt der Zug am See vorbei, man sieht die Isola Bella – eine Insel im See – und kann sich ausmalen, dass all jene durchquerten Gegenden allein schon viele Reisen wert wären. Auf die Region Piemont folgt die Lombardei, Mailand liegt nun voraus, das Bergige nimmt bedächtig ab. Die Gegend um Mailand ist relativ flach.

IFMilano Centrale ist ein Kopfbahnhof und für uns Endpunkt der Strecke Basel SBB – Mailand. Auch hier haben wir ein bisschen Zeit, was gut ist, denn erst einmal ist dringende Orientierung nötig, wohin wir nun müssen. Das ist nicht ganz so einfach. Wir haben den Eindruck, es gibt recht wenige Zuganzeigen, zumal bei den meisten angezeigten Zügen nicht das Gleis bekannt gegeben wird. Es scheint in keiner tieferen Planung inbegriffen zu sein, weshalb zahlreiche Reisende vor diesen wenigen Tafel stehen und darauf warten, bis endlich ihr Zug samt Gleis erscheint.

Uns geht es ähnlich. Da wir hier vorher nie waren und das System nicht kennen, kommt leichte Nervosität auf. Irgendwann plötzlich springt die Anzeige um; es wird nicht nur unser Zug nach Genua angezeigt, sondern auch das Gleis. Sodann macht sich eine Menschentraube zu diesem Zug auf. Es ist also tatsächlich so: Die Gleise werden hier offenbar erst einige Minuten vor der Abfahrt bekannt gegeben. Gewöhnungsbedürftig für uns, aber wir erreichen ohne Probleme den Zug.

3. Etappe: Milano Centrale – Genova Piazza Principe

IFEs ist ein InterCity, der auf uns wartet. Das schöne, klimatisierte Abteil eines sicherlich aus den 1980er Jahren stammenden Reisezugwaggons findet sofort unseren Zuspruch.

Pünktlich startet der Zug von Trenitalia Richtung Süden und durchquert zunächst die Tiefebene südlich von Mailand. Diverse Bahnhöfe werden angefahren, u. a. Pavia und Voghera. Landschaftlich richtig interessant wird es wieder südlich von Tortona, wo dann der Übergang nach Ligurien erfolgt. Hier steigt das Gebirge des Apennin steil an. Viele Tunnel liegen auf dem Weg.

Genua Piazza Principe wird pünktlich um 19:44 Uhr erreicht. Auch an dieser Fahrt gibt es nichts zu klagen. Bis auf Probleme mit Wlan und Klimaanlage bei der Deutschen Bahn haben sich die Bahnen alle an ihre werbewirksamen Versprechungen gehalten – gut so! Nun steht die Fährfahrt von Genua nach Olbia auf dem Programm und die Reederei Moby Lines muss zeigen, ob sie es den Bahnen gleichtun kann.

4. Etappe: Genua – Olbia mit MOBY OTTA

DSC08844Ungefähr 20 Minuten Fußmarsch sind es vom Bahnhof Piazza Principe bis zum Fährterminal. Wir sind mit unseren Rücksäcken und Taschen recht gut bepackt. So zeigt sich hier ganz schnell wieder die Überlegenheit der Flugreise, wo alles mehr oder weniger Hand in Hand geht. Wir beiden machen dennoch sehr gut mit, keiner schwächelt und irgendwann stehen wir vor der Security-Kontrolle, die schnell überwunden ist.

DSC08860Unser Schiff, die schon recht alte, 1975 in Lübeck gebaute und 1976 als TOR SCANDINAVIA in Dienst gestellte MOBY OTTA, liegt bereits seit dem Morgen in Genua. Nach einem weiteren Fußmarsch von ungefähr 10 Minuten innerhalb des Hafengeländes erreichen wir die großen beiden Heckklappen des Schiffes, werden vom Personal in Empfang genommen und gleich auf Deck 5 geschickt, wo sich unsere Kabine befindet. Sehr gut von Moby Lines ist die Organisation der Einschiffung; wir müssen nicht erst zur Information, sondern gleich am Treppenhaus, wo wir aus dem Wagendeck hochkommen, wartet ein Mitarbeiter und gibt die Kabinenkarte aus.

Die Kabine ist sauber und gepflegt. Es ist eine Außenkabine mit insgesamt 4 Betten. Mein Sohn nimmt sofort das obere Bett in Beschlag, ich begnüge mich mit einem der beiden unteren.

DSC08870Der anschließende Schiffsrundgang offenbart ein sehr gepflegtes Schiff. Schnell wird klar, warum diese Fähre stets recht beliebt bei den Reisenden war. Zwar ist die Größe der MOBY OTTA – einst als eine der größten Fähren der Welt in Dienst gekommen – gegenüber modernerer Tonnage überschaubar, doch schnell kristallisiert sich das kreuzfahrtähnliche Konzept des Schiffes heraus.

DSC08875Neben einem Restaurant á la carte gibt es eine Cafeteria, den Admiral Pub, eine Showlounge, Pizzeria, diverse Ruhebereiche, Shop und eine recht große Kinderwelt mit eigenem Snackbistro. Ganz oben auf Deck 8 befindet sich der (auf dieser Fahrt nicht in Betrieb befindliche) Swimmingpool sowie ein mit großen Fensterscheiben geschützter Außenbereich. Ohnehin verfügt das Schiff über großzügige und schöne Außenbereiche.

DSC08877Am Schiff selbst gibt es nichts zu meckern, doch ist die Preispolitik insgesamt zu kritisieren. Da ist zum einen der Fahrpreis: 2 Personen in der Außenkabine (ohne Auto) zahlen für eine Hin- und Rückfahrt nach Sardinien an diesem Juli-Tag über 500 Euro. Ich konnte im Vorfeld diesen Betrag nur mit einem durch eine vorherige Überfahrt erhaltenen Gutschein drücken.

DSC08910Dazu kommt die leider ebenfalls teure Verpflegung an Bord. In der Cafeteria kostet Lasagne, Getränk und Salat für zwei Personen mal eben rund 38 Euro. Auch das ist viel zu viel, doch tun es die anderen Reedereien (wie z. B. Tirrenia) Moby gleich (abgesehen davon, dass beide neuerdings zusammen gehören).

DSC08921Das Essen ist gut, das Schiff ist gut. In der Showlounge gibt es Unterhaltung durch Live-Musiker, im Restaurant á la carte durch eine am Flügel sitzende Musikerin. Auf dem Sonnendeck bietet ein Moby-Mitarbeiter Cocktails an. Alles gut, alles richtig gemacht von der Reederei, finden wir. So kann die Anreise nach Sardinien beginnen.

DSC08946MOBY OTTA legt pünktlich 21:30 Uhr ab. Es ist bereits dunkel, als der Hafen von Genua verlassen wird. Viele Passagiere schauen sich die Ausfahrt von Deck aus an. Wir ebenfalls, ehe es ins Bett geht.

Was klasse ist (und so manch Landratte auf die Palme bringen würde) ist das durchaus sehr ausgeprägte Maschinengeräusch in der Kabine. Ich prophezeie meinem zweifelnden Sohn einen sehr guten Schlaf, was wirklich auch so kommt, denn, so sage ich ihm: Solange du dieses Geräusch hörst, ist alles in Ordnung und das Schiff arbeitet einwandfrei. Die Heulsusen unter den Passagieren schreiben allerdings spätestens jetzt an ihrer Negativbewertung. Sollen sie! Wir jedenfalls wachen den folgenden Morgen ausgeschlafen aus und genießen die Einfahrt nach Olbia.

Leider ist das Wetter aber so gar nicht „sardisch-sommerlich“. Teilweise regnet es und dunkle Wolken hängen über Tavolara und Olbia.

5. Etappe: La Cinta und Co., unser „Sardinien-Strandtest

Zugegeben, es wäre doch arg übertrieben, zu sagen, wir hätten nun sämtliche oder zumindest viele Strände Sardiniens gesehen oder „getestet“. Nach der Ankunft in Olbia nehmen wir uns einen kleinen Mietwagen und erkunden mit ihm die Gegend um Olbia. Ein sehr schönes Hotel hatte ich bereits vorher herausgesucht, das Hotel Marana in Marinella bei Golfo Aranci.

Der Regen an diesem Tag hört, wie von mir meinem beim Anlegen in Olbia etwas enttäuscht dreinblickenden Sohn vorhergesagt, recht bald auf, wenngleich starker Wind bleibt. Ein Glücksfall, wie sich später am Strand herausstellen soll.

DCIM101GOPROG0131057.Wir steuern La Cinta bei San Teodoro an. Dieser Strand ist bekannt für seinen weißen, feinen Sand, seichtes Wasser und natürlich auch zahlreiche Besucher. Als wir gegen 10 Uhr dort ankommen, ist es jedoch (sicherlich auch wetterbedingt) schön leer und sogleich beginnen wir, La Cinta zu testen. Tolle Wellen sorgen gleich zu Beginn für große Begeisterung. Dazu zeigt sich nun immer häufiger die Sonne. Der Mix aus Sonne und dunklen Wolken ist faszinierend.

DCIM101GOPROG0201105.Nach einigen Stunden geht es weiter zum Strand Porto Taverna, fast gegenüber von Tavolara. Auch hier wird getaucht und geschwommen, was das Zeug hält. Später folgt noch der Strand direkt am Hotel in Marinella, die folgenden beiden Tage neben La Cinta, wohin wir immer wieder fahren auch verschiedene Strände zwischen Portisco und Romazzino.

DCIM101GOPROG1411601.Am Strand von Liscia Ruja läuft uns Joachim Löw über den Weg. Zuerst sind wir uns nicht sicher, wer da plötzlich neben uns steht, mit seiner markante Frisur und einer Sonnenbrille, zweifeln kurz („Ist er es wirklich?“) doch wird schnell klar: ER IST ES WIRKLICH. Ich bin kein Fußballfan, doch mein Sohn ist begeistert.

DCIM101GOPROG1381597.Selbstverständlich lassen wir dem Mann seinen Urlaubsfrieden, sprechen ihn weder nach einem Autogramm noch Foto an. Hier am „White Beach“, nur wenige Meter vom Long Beach Café entfernt, lässt sich offenbar sehr gut von der gerade beschlossenen Fußball-EM 2016 ausspannen. Nach dem Kreuzen unseres Weges nimmt Herr Löw auf einer der lederbezogenen Liegen Platz, während wir zurück zum Auto latschen und darüber philosophieren, wen man doch außer uns so alles am Strand treffen kann.

DCIM101GOPROG0581282.Bleibt die Frage nach dem „ultimativen Strand“, jedenfalls im Bereich rund um Olbia. Wir beide sind uns schnell einig: schön waren sie alle, aber für uns war La Cinta der beste. Leider auch der vollste, aber wir nahmen es sportlich und tänzelten um die wie in einer Sardinenbüchse liegenden Strandjünger gekonnt herum, wenngleich mein Sohn mit seinen 10 Jahren auch mal schneller durch den Sand lief und ein böses „Mamma Mia“ von einigen der herum liegenden Damen erhielt, die etwas Sand und Meerwasser abbekamen.

Sei´s drum, hier nun einige kleine Details zu den Stränden:

DCIM101GOPROG1501614.La Cinta: Der in der Ausdehnung größte Strand von allen. Hier kann man tolle Wellen erwarten, wenn Wind ist. Der Sand ist sehr fein, es gibt Duschen und einen großen Parkplatz, der pro Stunde 1,50 Euro kostet. Für Kinder ist dieser Strand sehr gut geeignet. Unser ultimativer Sardinienstrand 2016. Tipp!

Porto Taverna: Kleiner als La Cinta, teilweise gröberer Sand und etwas steiniger. Man muss ein wenig aufpassen, wo kleine Bojen Reviere für den Bootsverkehr markieren.

Lido del Sole: Hier gingen wir nicht ins Wasser, doch wer mit einem Hund reist, findet hier einen passenden Strand. Eher gröberer Sand, dafür weitgehend unbekannt und nicht so überlaufen wie La Cinta. Aber auch lange nicht so schön. Im Umfeld leider viel Müll.

DCIM101GOPROG1021521.Spiaggia Bianca bei Golfo Aranci: Erlebten wir an einem Abend mit spektakulärem Sonnenuntergang. Ebenfalls nicht so groß wie La Cinta, aber sehr kindgerecht, mit schönem Sand und flachem Wasser. Als wir kamen, waren alle Strandbesucher schon weg und wir hatten alles für uns.

DCIM101GOPROG0301159.Marinella: Sehr gut geeignet für Kinder, sehr flaches Wasser, feiner Sand. Allerdings begrenzen Seezeichen seewärts das Gebiet, man kann (oder sollte) nicht so weit hinaus. La Cinta bietet mehr Freiheit. Die guten Hotels in Marinella haben hier ihre eigenen Strandliegen, man kann also per kurzem Fußmarsch vom Hotel zum Strand laufen.

DCIM101GOPROG0801475.Spiaggia Rena Bianca: Hier muss man zwischen Parkplatz (kostenlos, zumindest als wir da waren) und dem Strand einige Hundert Meter laufen. Der Strand selbst bietet feinen weißen Sand und die üblichen Strandservices. Allzu lange testen konnten wir ihn nicht, da ein Gewitter aufzog und alle vertrieb. Wie ich später herausfand, kann man offenbar mit dem Auto näher ran, doch weiß ich nicht, wie es bei „vollem“ Badebetrieb dort wirklich aussieht.

DCIM101GOPROG0611297.Spiaggia di Liscia Ruja: Der „Jogi-Löw-Strand“. Ich denke mal, von allen besuchten Stränden war es der „nobelste“. Hier findet man lederbezogene Strandliegen, das bereits erwähnte Long Beach Café, wo man alles mögliche an Cocktails und Getränken bekommt sowie diverse Bootsservices (z. B. Tretboote oder auch viele größere Boote mit Außenborder). In dieser Bucht ankerten auch mit Abstand die meisten Yachten, darunter einige wirklich sehr große Luxusgefährte. Der Strand ist sehr fein, weiß und auch das Wasser seicht. Kommt von allen am ehesten an La Cinta heran, wird von vielen aber sicher wesentlich mehr geschätzt, da hier fast schon Jet-Set-Leben herrscht und alles etwas „feiner“ ist. Zumindest ein bisschen. Übrigens residierte nicht weit von hier bereits die Deutsche Nationalelf in einem Hotel; in deutschen Fußballerkreisen mag man die Gegend um Capriccioli und Romazzino offenbar. Das Parken findet in der Walachei hinter dem Strand statt. Wir haben fast keinen Parkplatz bekommen. Er kostet pro Stunde 1,50 Euro.

6. Etappe: Rückreise mit MOBY DREA

DSC00136Zurück geht es wieder mit Moby Lines, diesmal mit dem Schwesterschiff der MOBY OTTA, der MOBY DREA (ex TOR BRITANNIA). Ich will es kurz halten: Die Rückfahrt ist wie die Hinfahrt. Teuer aber gut. Diese alten, über 40 Jahre alten Schiffe, sind gut in Schuss und uns macht es viel Spaß, mit ihnen zu reisen. Wie lange sie wohl noch unterwegs sein werden?

DSC00309Wie auf der MOBY OTTA ist das Personal freundlich, manchmal muffelig (eine Erfahrung, die ich schon auf mehreren italienischen Schiffen machte), aber stets hilfsbereit. Da trägt auch schon mal ein Kellner den Frühstücksteller zum Tisch, wie in Falle meines Sohnes, der sich ein wenig zuviel auf sein morgendliches Frühstückstablett lud. Der Mitarbeiter im Self-Service-Restaurant fackelt nicht lange und trug es ihm zum gewünschten Tisch. Sehr gut, wie wir fanden!

Das Schiff kommt morgens pünktlich in Genua an, der Laufweg zum Bahnhof kommt uns allerdings härter und weiter vor als auf der Hinreise. Das liegt möglicherweise an einer gewissen vorherigen Belastung durch unseren „Strandtest“, wer weiß?! :-)

7. Etappe: Die Bahnreise der Hinfahrt einmal Retour; im deutschen ICE sind wir nur „geduldet“

IFDie Bahnreise beschrieb ich bereits weiter oben. Die Reise zurück von Genua nach Siegburg/Bonn verläuft ähnlich, bei teilweise sogar besserem Wetter. Im Zug von Milano Centrale nach Basel SBB gibt es einen sehr guten, freundlichen Servicemitarbeiter, der in der 1. Klasse auch an den Platz kommt. Da Kinder ja fast immer hungrig sind – mein Sohn macht da keine Ausnahme – gönnen wir uns eine Currywurst an unserem Platz, während der Lago Maggiore an uns vorbeizieht. Tolle Reiseeindrücke!

IFAuf unserer vorletzten Zugfahrt von Basel SBB nach Mannheim (wo der Umstieg nach Siegburg erfolgt) kommt es dann jedoch zu einem (wenn auch kleinen) Problem. In den Interrail-Bedingungen heißt es, es seien jeweils eine Reise aus dem Wohnsitzland und eine Reise in das Wohnsitzland erlaubt. Diese Beschreibung ist leider äußerst schwammig, denn was gilt denn genau als „eine Reise“? Eine Fahrt lediglich in einem Zug oder eine direkte Reise ins Ausland unter Berücksichtigung mehrerer Strecken und Züge auf dem innerdeutschen Netz?

So ganz klar ist das auch der noch sehr jungen Kontrolleurin, ich nenne sie jetzt mal salopp Schaffnerin, nicht, als sie an unseren Platz herantritt und überraschend eröffnet, dass man mit dem Pass überhaupt nicht im Wohnsitzland fahren dürfte. Schlagartig sind wir also – ihrer Meinung nach – zu Schwarzfahrern geworden. Auf meine Einwände hin teilt sie mir mit, sie würde uns jedoch im Zug „dulden“. Aber für die Fahrt von Mannheim nach Siegburg bräuchte ich ein Ticket. Das will ich bei ihr praktischerweise gleich kaufen, doch sie lehnt überraschend ab: „Das“ würde im nächsten Zug komisch aussehen.
Verwirrung bei mir!
Das würde komisch aussehen?
Was? Warum?
Richtig erklären kann sie es nicht, nur eben, dass es „komisch“ sei und wir mit dem Ticketkauf zumindest bis kurz vor Mannheim warten sollen.
So legt sich also ausgerechnet zum Ende dieser schönen Reise ein Schatten darüber. Ohne Ticket für den Anschlusszug (denn ich kaufe bei der Dame schlussendlich auch kurz vor Mannheim nichts) stehen wir dann vor dem ICE Mannheim-Siegburg und rätseln, was nun zu tun sei.

„Fragen sie einfach den älteren Herrn mit den weißen Haaren, der dort hinten steht“, meint eine der Servicemitarbeiterinnen aus dem Bordbistro des Zuges. Gesagt getan. Der Mann entpuppt sich als Zugchef und echter, gemütlicher und völlig abgeklärter Bayer. Nach kurzer Schilderung meines Anliegens und dem Vorzeigen des Interrail-Passes meint er lapidar: „Joa, passt schoa. Steig ein.“

Klasse! Solche Leute braucht die Bahn, braucht jeder Dienstleister, um Kunden sehr einfach und schnell glücklich zu machen. Dieser Eisenbahner haut alles raus und sorgt dafür, dass diese lange Reise zu einem glücklichen Ende kommt.

Fazit: Lohnt sich das Reisen mit der Bahn nach Genua bzw. Sardinien?

Kommt, wie immer im Leben, drauf an. Die Bahnfahrt war toll, trotz insgesamt fast 11 Stunden sehr kurzweilig und ohne größere Pleiten und Pannen. Finanziell geht es mit dem Flugzeug wesentlich preiswerter, dazu schneller und in weiten Bereichen auch bequemer. Immerhin kann man am Flughafen gleich den Mietwagen bekommen, während wir in Olbia erst noch wieder von der Stazione Marittima bis zum Verleih 30 Minuten laufen mussten. Auch kann man mehr Gepäck auf einer Flugzeugreise mitnehmen. Die Fährfahrt lohnt aus finanzieller Sicht ebenfalls nicht. Das Flugzeug bringt einen direkt nach Olbia, warum also für recht viel Geld mit dem Schiff reisen?

Ja, warum eigentlich?

Vielleicht, weil manchmal (auch auf einer Reise in den Badeurlaub) die An- und Abreise das Ziel sein kann, sein sollte. In unserem Falle war es definitiv so, wir haben es nicht bereut. Die Schweizfahrt war toll, die Fährfahrten ebenfalls. Ein Flug hingegen wäre dann doch eher nur reine Transportreise gewesen. Schnell, preiswert aber eben ohne Currywurst am Lago Maggiore, ohne kernige bayerische Schaffner, ohne wummernde Maschinengeräusche in der Kabine, ohne das besondere Flair auf dem Sonnendeck der Moby-Fähren, ohne das schöne Dahingleiten auf den Gleisen der deutschen, schweizerischen und italienischen Eisenbahnen. Entschleunigung pur, das ist es, was eine solche Reise ausmacht.

Fotogalerien und Videos der Tour

Hier geht es zur Galerie Überfahrt Genua-Olbia mit MOBY OTTA

Und hier zur Galerie Überfahrt Olbia-Genua mit MOBY DREA

Aus diesem Interrail-Abenteuer sind insgesamt 5 Videofilme entstanden, die alle in meinem JustFerries!-Youtube Channel zu finden oder einfach hier per Link erreichbar sind:

Hier zeige ich die Überfahrten mit den Fähren sowie die Beach-Tour (Laufzeit 10:41)

Hier ist die kurze Version der gesamten Reise zu sehen (Laufzeit 4:10)

Hier die lange Version der Interrail-Reise, vom Anfang bis zum Ende (Laufzeit 17:33)

Hier geht es ausschließlich um die Überfahrt von Genua nach Olbia mit MOBY OTTA (Laufzeit 8:49)

Und hier die Fahrt zurück von Olbia nach Genua mit MOBY DREA (Laufzeit 9:10)

IF

Sardinien, Costa Smeralda 2016. Bei Romazzino.

 

 

 

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