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Inside Passage: Bären, Wale und ein Besuch bei den Kitasoo Xai’Xais

01/09/2011 • Seereisen, Travel Blog, Travel Reports

Es heißt, die Inside Passage gehöre zu den schönsten Seereisen der Welt. Sie führt entlang der westkanadischen Küste bis hoch nach Alaska. Ich habe sie zweimal erlebt und kam in den spontanen Genuss eines Besuches bei den Ureinwohnern Kitasoo Xai’Xais.

 

Bereits am Vortag der Reise war Port Hardy erreicht und die Gegend konnte etwas näher in Augenschein genommen werden. Auf der Straße zwischen dem BC-Ferries-Anleger und dem Ort tauchte plötzlich direkt vor dem Auto ein kleiner Bär auf. Voll auf die Bremse und sofort zum Fotoapparat gegriffen, machte der Bär schnell eine Kehrtwende und verschwand wieder in den Bäumen. Doch kurze Zeit später schaute er noch mal raus, was trotzdem nicht für ein Bild reichte. Port Hardy ist bekannt für seine Bären. Ich kann es bestätigen.

IFÜbernachtet wurde im Port Hardy Inn, einem der typischen Hotels des Ortes. Der nächste Tag begann in aller Frühe. Mit der kanadischen Fährreederei BC Ferries kann man alle 2 Tage von dem kleinen Ort an der Nordküste von Vancouver Island nach Prince Rupert übersetzen. Port Hardy ist vor allem bekannt bei Anglern, auch Deutschen, denn manche Hotel-Websites sind sogar in deutscher Sprache verfügbar.
IFWer die Inside Passage macht, muss früh aus den Federn sein, zum Einchecken sollte man nicht gerade in der letzten halben Stunde vor Abfahrt des Schiffes um 07:30 Uhr erscheinen. Bereits gegen 05:00 Uhr kamen nach und nach immer mehr Passagiere und das kleine Fährterminal erwachte zum Leben. Auf der Strecke nach Prince Rupert ist die NORTHERN EXPEDITION der Flensburger Schiffbaugesellschaft unterwegs. Es handelt sich hierbei um ein modernes, neues Schiff, und es ist der ideale Reisebegleiter durch die Wildnis entlang der Inside Passage. Es ist eine Fähre, aber fast mit dem Komfort eines Kreuzfahrtschiffes. Kabinen sind auch an Bord. Mir kam die Fähre sofort wie ein Wohlfühlschiff vor, gemütlich und stilvoll eingerichtet, mit breitem Essensangebot sowie großzügig bemessenen Außendecksflächen.

IFMit drei kurzen Tönen aus dem Tyfon ging es los. In der Bärenbucht nahe Port Hardy drehte das Schiff und machte sich auf zu seiner Reise in den Norden. Zunächst ging es an der Küste von Vancouver Island Richtung Nordwest, ehe Nigei Island passiert wurde. Die ersten beiden Wale tauchten auf, erkennbar an den Fontänen. Die Passagiere standen mit Ferngläsern oder Kameras an Deck. Immer wieder ein Raunen. „Da hinten!“, rief einer, wenn wieder einer der Meeressäuger in Sicht kam. Nach Passage von Nigei Island folgte das offene Pazifikgewässer des Queen Charlotte Sound. Und schon bald Nebel. Richtig dicker Nebel. Das Tyfon des Schiffes schickte regelmäßig seine Schallsignale über den Sound und die Sicht ließ es zu, das Schiff einmal unter Deck näher in Augenschein zu nehmen, ohne Gefahr zu laufen, Wale zu verpassen.
IFIFDas Interieur der NORTHERN EXPEDITION stammt vom dänischen Designer Steen Friis. Es ist in dezenten Brauntönen gehalten. Im vorderen Bereich des Schiffes, dessen öffentliches Leben sich im Wesentlichen auf 2 Fahrgastdecks abspielt, bietet das Restaurant Vista all jenen Möglichkeit zum Dinieren, die auf Fast Food verzichten möchten. Dieses gibt es in einer gut eingerichteten Cafeteria Canoe Cafe und ist geschmacklich einwandfrei. Weiter gibt es einen Shop, in dem alles mögliche gekauft werden kann, viele Seating Lounges, Kinderbereich sowie gleich hinter dem Canoe Cafe ein Präsentationsbereich, in dem man Vorträgen rund um die Reise lauschen kann. Man hat mehr als einmal das Gefühl, tatsächlich auf einem Expeditionskreuzfahrtschiff zu sein. Abgesehen vom Bordprogramm bot die Schiffsleitung immer wieder Durchsagen, welche Punkte der Reise kurz vor uns lagen.

IFZum Glück hielt sich der Nebel nicht lange. Kurz vor Eintritt in die Inside Passage war er weg und der Blick frei auf die Inselwelt British Columbias, die langsam an uns vorbeizog. Und das Wetter wurde auch stetig besser. Sogar die Sonne kam nun hervor und tauchte die vorbeiziehende Welt in ein grüne-blau-weißes Farbenmeer aus Wäldern, Wasser, Wolken und Himmel.
Zur Mittagszeit gegen 12.00 Uhr gab es – ganz „Kreuzfahrtlike – ein Barbecue auf dem Sonnendeck. Das war wirklich eine gute Idee, denn zum einen kam nun der Hunger, zum anderen wollte oder konnte man aber nicht unter Deck gehen, ohne Gefahr zu laufen, hinter der nächste Ecke einen schönen Ausblick zu verpassen.

IFDiese Fahrt war eine ganz besondere, denn die NORTHERN EXPEDITION machte einen Abstecher nach Klemtu, einem kleinen Ort, der am Wegesrand der Inside Passage liegt. Erstmals lief BC Ferries offiziell einen neuen Fähranleger in Klemtu an, auf den die Bewohner Klemtus lange gewartet hatten. Klemtu ist ein kleines Dorf mit rund 500 Einwohnern und Heimat der indianischen Ureinwohner, oder, wie sie sich stattdessen selbst bezeichnen, der First Nation. Diese in Klemtu beheimatete ethnische Gruppe heißt Kitasoo Xai’Xais Nation und setzt sich zusammen aus den Stämmen der Kitasoo des Tsimshians Volkes und der Xai’Xais von Kynoc Inlet, einer Untergruppe des Heiltsuk Volkes.

IFDer Zwischenstopp in Klemtu wurde begleitet von der festlichen Eröffnung des Anlegers, zu dem die Bewohner von Klemtu ein Rahmenprogramm aus Vorführungen und Reden bereithielten.

IFDas Schiff legte also in Klemtu an und wer wollte, konnte an Land gehen. Was dort geboten wurde, war eine Mischung aus indianischer Folklore und einem offiziellen Rahmenprogramm. In den Gewässern gleich nebenan tauchte auch noch ein Wal auf, der schon vom Schiff aus gesehen wurde. Die Feierlichkeiten in Klemtu dauerten länger als geplant. Der Kapitän, der ebenfalls unter den Gästen war, schaute mehrfach mit leicht besorgtem Ausdruck auf die Uhr. Der Fahrplan war längst nicht mehr zu halten. Als es dann losgehen sollte, funktionierte das Losmachen des Schiffes nicht richtig und es kam eine weitere satte halbe Stunde dazu. Hier war bereits klar, dass Prince Rupert erst gegen Mitternacht erreicht werden würde.

IFDer Rest der Fahrt war wettertechnisch eine Mischung aus Diesigkeit und späteren Regen. Dazu kam die Dämmerung. Die hartgesottenen standen achtern auf dem teilweise überdachten Sonnendeck und hielten weiter tapfer Ausschau nach Walen, die meisten anderen Passagiere hatten sich auf die Fahrgastdecks weiter unten zurückgezogen.
Es war längst dunkel und der Regen strömten unablässig von oben herab, als die NORTHERN EXPEDITION in Prince Rupert nahe der Grenze zu Alaska eintraf.

Es ist immer problematisch, wenn ein Schiff anlegt und alle Passagiere zeitgleich von Bord gehen. Für die Taxibetriebe sicher eine Goldgrube, für die Passagiere ein Geduldsspiel. Nach einigem Nachdenken wurde beschlossen, den 3 Kilometer langen Weg bis zum Hotel zu Fuß zu gehen. Angesichts weit über 100 Leute, die nun auf Taxis warteten schien das die bessere Lösung zu sein. Ob es wirklich so war… Der Weg durch den strömenden regen und die Dunkelheit war nicht wirklich angenehm, zumal man ja bereits einen langen Tag auf den Beinen war. Völlig durchnässt und zerschossen wurde irgendwann um 1 Uhr nachts das Hotel erreicht.

IFPrince Rupert ist eine kleine Stadt mit rund 12.500 Einwohnern, in der es viel Niederschlag gibt. Sie hat den höchsten Indianeranteil einer kanadischen Stadt. Ansässig sind hier die Tsimshian. Der Gründer des heutigen Ortes Prince Rupert kam beim Untergang der TITANIC ums Leben. Der wirtschaftliche Schwerpunkt des Ortes liegt heute auf der Rohstoffindustrie und dem Tourismus. Von Prince Rupert aus bietet BC Ferries eine Linie zur Insel Haida Gwaii. Eine Passage auf der Inside Passage ist zu empfehlen. Man sollte Zeit mitbringen sowie auch auf Regen eingestellt sein. Je nördlicher man kommt, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit. Welches der zahlreichen Schiffe man auch wählt – ab den USA fahren z. B. die Schiffe des Alaska Marine Highway Systems nach Prince Rupert und Alaska – es ist ein tolles Erlebnis. Uneingeschränkt empfohlen werden kann BC Ferries mit seiner NORTHERN EXPEDITION. Mit diesem Schiff durch die Wildnis British Columbias zu fahren, macht Spaß und ist bequem. Wer möchte, kann auch eine Kabine buchen und hat somit sein Hotelzimmer dabei.

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