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Geschüttelt, nicht gerührt! Eine Reise mit der CORSICA MARINA SECONDA

22/10/2017 • Seereisen, Travel Blog, Travel Reports


Dieses Schiff ist schon ein wenig aus der Zeit gefallen. Die als STENA NAUTICA am 3. Februar 1974 vom Stapel gelaufene Fähre verbindet (immer noch) zuverlässig Livorno mit der französischen Mittelmeerinsel Korsika. Ein kleiner Bordbericht.

Während die meisten ihrer Kolleginnen dieser Generation längst auf indischen und türkischen Stränden in Schrottwerften endeten, spielt die CORSICA MARINA SECONDA eine tragende Rolle für die Reederei Corsica Ferries Sardinia Ferries. Und nicht nur sie, sondern auch noch zwei ihrer Schwesterschiffe, wovon eins als MOBY VINCENT sogar auf der gleichen Route operiert, wenngleich auch für eine andere Reederei.

IFIch schiffte mich am 30. August 2017 in Livorno ein. Bereits beim Anbordfahren fiel mir auf, über welch große Pkw-Kapazität dieses Schiff verfügt. Es geht hoch hinaus im Bauch des Schiffes. Einer der Hauptgründe, warum dieses Schiff so erfolgreich am Markt operiert(e). Dabei ist es gerade mal 120 Meter lang und knapp 20 Meter breit. Und sicherlich zeigte so manch Zeitgenosse in den Siebziger Jahren auch nur wenig Verständnis für die äußere Form, was den Auftraggeber, den schwedischen Reeder Sten A. Olsson zur Äußerung bewegte, ihn würde weniger das Aussehen des Schiffes interessieren als vielmehr seine finanzielle Fakten. Doch das, was die längst verschwundene Rickmers Werft in Bremerhaven baute, hat sich mittlerweile über 40 Jahre lang bewährt. Und wird auch in 2018 viele Passagiere von und nach Korsika bringen.

Das Schiff ist ein Stück Fährschifffahrts-Geschichte, denn es ist weit gekommen. Ursprünglich von der Stena-Line in Auftrag gegeben, kam es unter seinem Namen STENA NAUTICA gar nicht erst zum Einsatz, sondern wechselte nach Kanada und fuhr dort als MARINE NAUTICA für Marine Antlantic zwischen North Sydney und Port aux Basques. Immerhin 12 Jahre verblieb die Fähre dort, ehe sie zurück in europäische Gewässer kam.

IFDie CORSICA MARINA SECONDA machte in diesen Augusttagen einen gepflegten Eindruck. Natürlich sah man sofort, dass es sich um eine alte Lady handelt. Das Dekor ist altmodisch und sicherlich stammt vieles davon noch aus den Siebziger Jahren. Im vorderen Bereich des Fahrgastdecks befindet sich eine Art Lounge mit angeschlossener Bar, wo man Getränke und Snacks kaufen kann. An der Steuerbordseite gibt es eine von vorne nach hinten führende Promenade mit Sitzplätzen. Ein Self-Service-Restaurant liegt mittschiffs, dazu kommt ein Shop sowie im hinteren Bereich nochmals eine Cafeteria mit vielen Sitzplätzen und einem Kinderbereich.

IFDie Decksflächen sind sehr großzügig bemessen. Hier muss sich die CORSICA MARINA SECONDA nicht hinter anderen, jüngeren Schiffen verstecken. Die zahlreichen Liegestühle waren zwar schnell belegt, aber obwohl das Schiff gut ausgebucht war, fand man immer wieder einige weniger besuchte Plätzchen an Bord. Und selbst wer Schutz vor der Sonne suchte, konnte ihn gut unter den Rettungsbooten finden.

Das Bild an Deck war tadellos. Ich konnte keinerlei „Siff-Ecken“ finden, alles stand gut in Farbe, die Türen funktionierten einwandfrei und es gab kaum Absperrungen. Bis fast zur Brücke kann man vorne gehen, während sich achtern ein schöner Blick über das Heck ergibt.

IFEine Besonderheit ist der Salon achtern. Hier im Salon ist nicht nur der Lärmpegel sehr hoch – was durch den Kinderspielraum bzw. die kleinen Gäste aber teilweise kompensiert wird – auch die Vibrationen sind heftig. Ein Deck darüber im Außenbereich ist das nicht zu spüren, aber hier ist es auf einigen Tischen nicht mehr möglich, Flaschen abzustellen. Warum sieht man in meinem Video sehr gut. Die Vibrationen durch die Propeller übertragen sich auf die Tische und sorgen für gut geschüttelte Drinks. James Bond hätte seine wahre Freude daran.

IFDie Fahrt startete sehr pünktlich in Livorno und ebenso pünktlich kamen wir alle in Bastia auf Korsika an. Um Chaos in den Wagendecks zu vermeiden, werden die einzelnen Decks separat aufgerufen – eine gute Idee. Und so dauert die Ausschiffung auch nicht allzulange und schnell befindet man sich im Herzen Bastias und kann schnell in das Inselleben eintauchen.

Fazit: Dem Schiffsfan macht die gut vierstündige Fahrt mit der CORSICA MARINA SECONDA Spaß. Man kann eintauchen in ein Stück Verkehrsgeschichte und sich vorstellen, wie es gewesen sein mag, mit diesem Schiff nach Neufundland zu fahren. Der „normale“ Reisende sollte an Bord aber auch nichts vermissen, vor allem die Decksflächen sind großzügig bemessen. Das Schiff ist vor allem im hinteren Bereich aber sehr laut. Wäre spannend, zu erfahren, ob das auch schon 1974 so war.

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