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Geister auf der QUEEN MARY? Teil 2: Auf Gespensterjagd

16.08.2014 • QUEEN MARY, Travel Blog


Es war an der Zeit, den Geschichten um Geister und Spuk auf der QUEEN MARY mal auf den Zahn zu fühlen. Ich mietete ich mich für mehrere Tage auf dem ehemaligen Luxusliner ein und nahm mir fest vor, wenigstens einem der angeblich rund 150 Geister zu begegnen. Und siehe da, ich hatte am Ende Erfolg!

 

         

 

DSC06142Hand aufs Herz! Ich finde ihn gut, den Geister-Hype rund um die QUEEN MARY. Dieses wundervolle Schiff ist der letzte Zeuge aus einer Zeit, als man das Schiff nehmen musste, um von Europa nach Amerika zu kommen. Es ist ein tolles Erlebnis, vor dem Dampfer zu stehen. Und das Gefühl, wenn man über die Promenade oder die Decks schreitet, ist schon ziemlich genial. Hier trifft man auf eine unvergleichliche Atmosphäre. Gleichermaßen ist es auf Dauer leider schwierig, einen derartigen Koloss aus Stahl über Jahrzehnte hinweg in Schuss zu halten. Schiffe rosten vom ersten Tage an und wenn etwas ganz und gar nicht zusammenpasst, dann Schiffe und Wasser. Weshalb irgendwann für ein Schiffsleben auch Schluss ist.

IFDie QUEEN MARY ist nun schon über 70 Jahre alt. Als sie gebaut wurde, nietete man die Schiffsrümpfe noch, was sehr eindrucksvoll von außen zu sehen ist und viel hermacht. Für jeden maritim Begeisterten ist der Liner ein Muss. Das ganze Gespenstergedöns hingegen nervt uns Schiffsfans, denn die QUEEN MARY hat mehr verdient als zur schaurigen Geisterbahn zu verkommen.

Moment! Nicht so schnell.

IFDiese Geschichten sind auf den zweiten Blick gar nicht so übel. Wie ich sagte, ist es immens schwierig, den Dampfer überleben zu lassen. Nur Museum reicht nicht. Nur Hotel reicht offenbar auch nicht. Es ist der Marketing-Mix, der am Ende hoffentlich so viele Gäste bringt, dass nicht nur laufende Kosten gedeckt werden, sondern der Betreiber Gewinne verbucht.

Geister und Gespenster zogen die Menschen von jeher magisch an. Die QUEEN MARY wurde durch diverse Berichte im Laufe der Jahre zu einem der populärsten Spukorte der Vereinigten Staaten. Manche sagen sogar, es ist die am meisten “heimgesuchte” Stätte dieser Art in Amerika. Ich kann und will hier keine wissenschaftliche Betrachtung darüber vornehmen, was die Menschen nun wirklich gefühlt oder gesehen habe, denke aber, dass diese Dinge sehr gut für die QUEEN MARY sind. Sie bringen Besucher und damit Geld zur Erhaltung des Schiffes.

Als ich das erste Mal durch die Korridore des Schiffes ging, verstand ich sofort, warum es Menschen gibt, denen das unheimlich ist. Man kann hier mehrere hundert Meter durch menschenleere Gänge schreiten, es ist alles sehr still und ruhig. Das Licht ist warm und Holz und Teppiche verstärken den Eindruck, man ist in der Vergangenheit gelandet. Es ist “irgendwie” Britisch und gerade im Königreich soll es ja viele Spukorte geben.

IFDie Unheimlichkeit wird verstärkt, wenn man plötzlich einen der Hinweise auf Spukerscheinungen entdeckt. Das sind kleine Informationen an der Wand, wann, wem und was genau an dieser Stelle passiert sein soll. Es kommt automatisch ein Frösteln auf… Der lange, leere Gang, das gedämpfte Licht… man ist ganz allein an diesem Ort und liest was von nebelhaften Erscheinungen. Oder Stimmen.

Nun muss man allen Spukzeugen einmal ganz ehrlich sagen: Ein Schiff lebt. Als Seemann (Kapitänspatent) war ich auf unzähligen von ihnen, auf großen, auf kleinen, auf alten, auf modernen. Ich wage die Behauptung: Ich kenne das System “Schiff” ein wenig. Wer das jedoch nicht kennt – und die Masse der QUEEN MARY Besucher hat mit Seefahrt und Schiffen nichts am Hut – der kann schnell der Meinung sein, dass übernatürliche Geschehnisse auftreten. Gerade in dieser sensationellen Atmosphäre, die danach schreit, dass Gespenster durch die Gänge huschen.

Ich denke aber auch – und das geht an alle Skeptiker – dass man diese Dinge nicht mit einem arroganten Federstreich beiseite schieben sollte. Unerklärliche Erscheinungen gab es in der Menschheitsgeschichte immer wieder, ob in alten Gebäuden oder am Himmel, über Land oder auf See, was landläufig als UFOs (Himmel) oder USOs (See) bezeichnet wird. Unvergessen ist mir ein erfahrener Kollege, der nachts in seiner Wache als 1. Nautischer Offizier auf einem RoRo-Frachtfährschiff mitten auf der Ostsee eine solch “seltsame” Begegnung hatte. Er war ein professioneller Beobachter des ihn umgebenden Seeraumes. Sogar die Radaranlagen erfassten das unerklärliche Objekt. Und selbst der Bundesgrenzschutz machte in den 1980er Jahren UFO-Sichtungen über dem Fährbahnhof Puttgarden. Immerhin offizielle Berichte von ernstzunehmenden, geschulten Beobachtern.

IFAuf der QUEEN MARY war ich in Kabine B 490 untergebracht. B steht dabei für das B-Deck. Der Raum entsprach nicht mehr der Originalkabine von einst, war aber dennoch stilvoll auf “alt” getrimmt. Das große Doppelbett war sehr gemütlich und zwei Bulleyes boten den Blick nach draußen. Die Geschichten rund um die Spukkabine B 340 waren mir bekannt und ich machte mich auf die Suche nach ihr.

DSC02485Der Raum wird mittlerweile nicht mehr als Hotelzimmer angeboten, was an den unerträglichen Spuk-Erscheinungen liegen soll. Und richtig, die Kabinennummer war entfernt. Innen soll es teilweise so schlimm gewesen sein, dass bereits Verletzungsgefahr drohte. Teppiche wurden von Geisterhand herausgerissen und Gegenstände fielen um. Natürlich war ich neugierig und drückte die Klinke zur Kabine hinunter. Leider war der Raum verschlossen. Nicht weit davon befand sich übrigens ein weiterer Hinweis zu einer Geistersichtung direkt im Korridor.

Viele Menschen haben auf der QUEEN MARY Dinge wie kalte Luftzüge bzw. Temperaturabsenkungen bemerkt. Als Seemann kann ich dazu sagen: Ist auf Schiffen nicht ganz so ungewöhnlich, denn meist sind diese mit Kilometern von Klima- und Lüftungsrohren oder ganzen Lüftertunneln durchzogen, um überall hin Frischluft zu transportieren. Mein Blick fiel deshalb sofort auf die Lüftereinlässe an der Decke, auch in meiner Kabine. Allerdings war ein Luftzug nicht spürbar. Wie das Lüftersystem der QUEEN MARY heutzutage genau aufgebaut ist und arbeitet, entzieht sich meiner Kenntnis, doch ist es durchaus denkbar, dass Eingriffe in der Klimaanlage – Lastwechsel der Lüftermotoren – für spürbare Temperaturänderungen sorgen können.

IFIch habe eine derartige starke Veränderung der Temperatur am ersten Morgen selbst erlebt, das möchte ich nicht verschweigen. Es war gegen 4:30 Uhr. Ich wurde wach und spürte einen sehr kalten Luftzug, der vom rechten Kopfende des Bettes über mich Richtung links zog. Das war immerhin so ungewöhnlich, dass ich wach wurde und aufstand, um zu schauen, ob es draußen eventuell starken Wind gab. Oder eine Kaltfront hinweg zog. Das aber war nicht der Fall, es war sehr mild und trocken, und auch konnte ich kein verstärktes Lüfterrauschen feststellen. Möglicherweise kam es zu einem kurzzeitig verstärkten Luftausstoß, der dafür sorgte, dass einige Massen an kalter Luft von der Deckenöffnung in den Raum gedrückt wurden, die sich dann durch was auch immer in Bewegung setzten. Wie ich bereits sagte, ein Schiff lebt. Es fehlt im Falle der QUEEN MARY eine belastbare wissenschaftliche Untersuchung.

IFIch fand dann am Ende meines Besuches aber trotzdem noch ein echtes Gespenst. Das war sensationell und bestärkte mich in der Tatsache, dass es auf der QUEEN MARY nicht mit rechten Dingen zugeht! Es war auf dem Vorschiff, gerade, als ich alles ablichtete, was mir vor die Linse kam. Da stand “es” plötzlich, wahrlich ein Gespenst wie aus dem Buche, geradezu Furcht einflößend, mit schaurigen Knochen und diabolischem Lächeln! Es ließ sich nicht nur bereitwillig fotografieren, sondern klaute mir auch noch meinen Schokoriegel aus der Tasche. Schmatzend verriet es mir sogar seinen Namen: Spooky, das Playmobil-Gespenst.

So hatte ich auf meiner Jagd nach Gespenstern also tatsächlich Glück und traf mindestens eins. Mögen noch viele Geister dieses Schiff unsicher machen und dafür sorgen, dass es lange existiert. Vielleicht ist genau das ja auch ihr Ziel.

 

 

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