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Eiswinter in Travemünde (02/1996)

03.09.2014 • Archivfunde


watsack_1996_02_582_ptEs kommt nicht häufig vor, dass es im Winter mal über mehrere Wochen “knacke kalt” ist und sich bedeutsamer Eisgang auf der südlichen Ostsee entwickelt. Im Februar 1996 allerdings war es seit Jahren mal wieder soweit. Es war eisig und die Lübecker Bucht froh langsam zu. Auf meinem Weg nach Puttgarden legte ich einen Stopp in Travemünde ein.

Ich weiß heute nicht mehr, wie kalt es an jenem Tag war, aber was ich weiß, ist, dass mir beim Filmen und Fotografieren (gefühlt!) fast die Finger erfroren. Handschuhe waren für die Auslöser der Geräte viel zu klobig.

Die Sonne schien und klirrende Kälte hüllte Travemünde und die Fähren ein. Die ersten kleineren Schiffe waren bereits im Fehmarnbelt steckengeblieben. Sofern es in der Nähe der Fähren war, wichen diese kurz vom Kurs ab und brachen den Eingeschlossenen das Eis auf.

An diesem Tag war ich nur wenigen Stunden in Travemünde. Seit dem Ende der Gedser-Travemünde-Linie fand hier am Vormittag und dann wieder am späten Nachmittag ein- und auslaufender Verkehr statt. Dazwischen war eigentlich nichts und bot zeitlichen Raum für die Vogelfluglinie.

Ich wählte den Vormittag. Und so ging es per Fähre auf den Priwall, im zügigen Gehschritt vorbei am Passathafen, hin zum Strand. Hier hieß es dann der Kälte zu trotzen.

watsack_1996_02_588_ptZu den fotografierten Schiffen dieses Tages zählten die PETER PAN (zu jener Zeit war sie stets am Vormittag in Travemünde), die STENA CARRIER aus Göteborg, TT-Line`s ROBIN HOOD, RoRo-Frachter BORE SEA und… Tja, dann war da noch ein Kandidat, der es wirklich in sich hatte. Eine ältere Eisenbahnfähre aus den Tiefen Russlands. Für einige Zeit fuhren im letzten Jahrzehnt des Jahrtausends zwei dieser Schiffe von Travemünde nach Riga und Kaliningrad. SAKHALIN 8 und SAKHALIN 9 hießen sie und kamen aus dem Pazifik, von der russischen Ostküste, wo sie seit 1986 zwischen Cholmsk auf der Insel Sachalin und Vanino auf dem Festland fuhren. Gar nicht weit weg übrigens von Japans nördlichster Insel Hokkaido, denn Sachalin ist die Grenzinsel zwischen dem Japanischen Meer und dem Ochotskischen Meer.

Diese Schiffe in Travemünde zu sehen, war schon sehr außergewöhnlich. Wann immer ich beobachten konnte, drehten sie übrigens vor Travemünde und liefen den kompletten Weg bis zum Skandinavienkai rückwärts ein. Auch bei den ersten Anläufen konnte ich dabei sein. Da war dann stets die Quarantäneflagge – gelb – gehisst. Das sah man in Travemünde so gut wie nie.

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