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Eine Fährreise zu den Magdalenen-Inseln (Kanada)

07/10/2018 • Cap aux Meulles, CTMA, Ferry Crossings, North America, Seereisen, Souris, Travel Blog, Travel Reports

Zwischen der kanadischen Insel (und gleichzeitig Provinz) Prince Edward Island und den Magdalenen-Inseln (original Îles de la Madeleine) in Quebec mitten im St. Lorenz-Golf pendelt einmal pro Tag die aus Europa stammende Fähre MADELEINE (ex LEINSTER der B&I Line Dublin-Liverpool). Das Schiff wurde 1981 gebaut und ist entsprechend alt, aber wunderbar gepflegt. Bericht von einem schönen Schiff von einer schönen Fahrt zwischen zwei schönen Inseln.

Schauen wir uns zunächst die MADELEINE genauer an. So mancher denkt (vielleicht), was bei uns hier in Europa ausgesondert wurde, kann nicht mehr allzuviel taugen. Doch nicht zuletzt bereits große europäische Reedereien wie Stena-Line haben schon lange den Wert und die Wertigkeit alter Schiffe entdeckt. Die Flotte der kanadischen CTMA besteht ausschließlich aus 3 alten Fähren und eine davon ist eben jene ehemals irische Fähre, die Anfang der 1980er Jahre als LEINSTER über die Irische See fuhr. 122,05 Meter lang, 18,83 Meter breit, mit 6807 GRT vermessen. Nach schweren Verlusten wurde die Strecke Dublin – Liverpool 1988 geschlossen und LEINSTER wechselte auf die kürzere Strecke Dublin – Holyhead, bis sie 1993 auf die Strecke Pembroke Dock – Rosslare verlegt wurde. Für diesen Dienst wurde sie in ISLE OF INISHMORE umbenannt. 1995 erhielt das Schiff nach der Privatisierung von B&I Line den neuen Irish Ferries Anstrich. Ein Jahr später wurde sie in ISLE OF INISHTURK umbenannt, um den Namen für ein neues Schiff (im Bau in den Niederlanden) freizugeben. Die neue ISLE OF INISHMORE wurde 1997 abgeliefert und ermöglichte den Ersatz der alten ehemaligen LEINSTER auf der Route Pembroke Dock – Rosslare. Nach einigen Monaten wurde die ISLE OF INISHTURK an die Coopérative de Transport Maritime et Aérien (CTMA) verkauft und in MADELEINE umbenannt. Vor der Inbetriebnahme wurden die Rettungsboote entfernt und durch ein Marine Evakuierungssystem (MES) ersetzt. Im Jahr 2006 wurde MADELEINE am Heck umgebaut.

Auch wenn es längst Stimmen gibt, die von einem Ersatz der MADELEINE sprechen – noch bietet sie einmal pro Tag zuverlässig ihre Dienste zwischen den beiden kanadischen Provinzen Prince Edward Island und Quebec. Die 130 km lange Überfahrt dauert 5 Stunden und startet in Souris (PEI) um 14:00 Uhr. Da ich schon immer einmal die Magdalenen Inseln sehen wollte, buchte ich bereits vor meinem Flug nach Kanada in Deutschland meine Reservierung, um auch wirklich sicherzugehen, dass ich dort mitkommen würde. Übrigens: Eine Besonderheit gilt auf dieser Strecke, wie ich sie auch schon auf der Linie Baie Comeau – Matane über den St.-Lorenz-Strom erlebte: Man muss sein Fährticket an Bord bezahlen.

Ich bin niemals zuvor mit diesem Schiff gefahren und kann nur schwer einschätzen, was an Bord noch alles im Originalzustand ist, aber ich vermute, es ist eine ganze Menge. Hier und da kann man zwar neue Bestuhlungen entdecken, doch fällt das Schiff in allen Bereichen völlig aus der Zeit. Es ist (natürlich!) nicht vergleichbar mit Schiffen aus den 1990ern oder später und gerade das macht es so sympathisch. Besonders schön anzusehen ist der Grad des Pflegezustands, sowohl an als auch unter Deck. Da gibt es wirklich nichts zu meckern. Sehr alt aber auch sehr gut. Sauber sowieso. Und so machte diese mehrstündige Fährreise viel Spaß, denn ich spürte an jeder Ecke die weiter oben beschriebene „Wertigkeit“ des alten Schiffes.

Übrigens gibt es ein Bord neben einer Cafeteria mit durchaus reichhaltiger Essensauswahl auch ein Kino und eine Bar mit Live-Musik. Hier trug ein Entertainer regionale Musik vor, die bei so manchem Passagier Stimmung aufkommen ließ.

Das Schiff wird von der Reederei CTMA betrieben. Die Coopérative de Transport Maritime et Aérien ist ein kanadisches Transportunternehmen, das 1944 gegründet wurde, um See- und Luftverkehrsverbindungen zu den Magdalen-Inseln anzubieten.

Neben dem saisonalen Fährdienst von Souris (Prince Edward Island) nach Cap-aux-Meules (Magdalenen Inseln) wird auch ein saisonalen Passagierdienst von Montreal nach Cap-aux-Meules mit der ehemaligen finnischen Fähre C.T.M.A. VACANCIER sowie ein ganzjährigen Frachtdienst von Montreal und Matane (Quebec) nach Cap-aux-Meules mit der C.T.M.A. VOYAGEUR angeboten. CTMA betreibt auch ein Speditionsunternehmen, das Fracht zu den Magdalenen transportiert und Flugdienste anbietet.

Wie kam es zur Gründung dieses Unternehmens?

In den 1940er Jahren stand die Gemeinde Îles de la Madeleine, die damals hauptsächlich aus Fischern bestand, vor einem wachsenden Problem: einem gravierenden Mangel an angemessenen Schifffahrtsdiensten. Es war sehr schwierig, Waren und Güter sowie Exportprodukte zu beschaffen.

Eine Gruppe von Einwohnern der Magdalenen-Inseln schloss sich zusammen, um den Inseln einen auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Schifffahrtsservice zu bieten. Zu einer Zeit, als auf den Inseln mehrere Genossenschaftsbewegungen entstanden, wurde am 28. Mai 1944 die Coopérative de Transport Maritime et Aérien (CTMA) gegründet. Die Menschen auf den Inseln unterstützten das Projekt schnell durch den Kauf von Aktien.

In mehr als 65 Jahren ist die CTMA zu einer treibenden Kraft der Îles de la Madeleine geworden und leistete einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des Tourismus. Nach dem im Jahr 2010 verabschiedeten Privatrecht behält die CTMA ihren Status als Genossenschaft bei und setzt damit eine starke Verbindung zu den Menschen auf den Inseln fort. Mit mehr als 450 Mitarbeitern ist das Unternehmen vollständig im Besitz von Inselbewohnern und wird von ihnen geführt und betrieben.

Nach fünfstündiger Fahrt erreichte ich am Abend des 19. Juni 2018 den Zielhafen Cap aux Meulles. Mich erwartete eine eindrucksvolle Inselwelt, die ich vor allem mit einem Wort umschreiben würde: rot, denn die Felsen und das Gestein bieten eben an vielen Stellen jene Farbe. Die sieben bewohnten „Maggies“ haben etwas ausgesprochen Europäisches. Bunt bemalte Häuser punktieren die Hügel, während sich Robben am Strand sonnen und Kiteboarder über flache Buchten ziehen. Die Magdalenen-Inseln sind trotz ihrer längst erfolgten touristischen Erschlossenheit weder einfach noch preiswert zu erreichen, was bedeutet, dass sie nicht auf dem Radar vieler Reisender stehen, vor allem nicht außerhalb von Quebec und den Atlantikprovinzen. Aber diese Abgeschiedenheit hat die Geschichte und den Charme der Inseln bewahrt und belohnt diejenigen, die es dorthin schaffen.

Cape Lighthouse im Westen

Die Îles de la Madeleine wurden in den 1700er Jahren hauptsächlich von akadischen Emigranten aus anderen Teilen des heutigen Atlantikkanadas besiedelt, bevor sie 1774 an Quebec übergeben wurden. Sechs der sieben bewohnten Inseln sind durch schmale Sanddünen miteinander verbunden, während die siebte nur per Boot erreichbar ist.

Obwohl sie Teil von Quebec sind, liegen die Inseln geographisch näher an Prince Edward Island, Nova Scotia und Neufundland.

Westküste

Aus Quebec kommt die dominante Sprache der Îles und die Liebe zum feinen Essen. Einige Teile ihrer Topographie erinnern an die rötlichen Sandsteinfelsen von Prince Edward Island, andere an die sanften grünen Hügel von Nova Scotia. Und wie bei vielen seiner Nachbarn ist die Wirtschaft der Inseln stark von der Fischerei abhängig.

Westküste

Heute fischen die rund 300 Berufsfischer auf den Inseln hauptsächlich Hummer, aber auch Makrelen, Krabben, Jakobsmuscheln und Austern. Und die Madelinots, wie sich die Bewohner der Madeleines selbst nennen, wissen genau, was sie mit den Schätzen aus dem Meer anfangen können. So bieten sie in Restaurants so viel wie möglich lokal produzierte Lebensmittel, von Meeresfrüchten und Rindfleisch bis hin zu Käse und anderen Produkten.

Ostküste bei Cap aux Meulles

Nichts fängt den unverwechselbaren Charakter der einzelnen Inseln so ein wie eine Reise von einem Ende des Archipels zum anderen. Ich startete deshalb in Cap aux Meulles zunächst nach Westen, um zum Cape Lighthouse zu fahren, wo sich eine wirklich fantastische Aussicht aufs Meer und das rote Gestein der Insel bot.

Im Bereich Pointe aux Loupes

Danach ging es weiter in den Norden, bis Grande de Entrée. Man kann lange auf dieser Straße fahren und vor allem der Dünenabschnitt im Bereich Pointe aux Loups ist sehr beeindruckend.

Bei Havre Aubert

Auch der Süden wurde von mir erkundet. Hier bietet sich eine Fahrt auf der Straße von Cap aux Meulles nach Havre Aubert an, allerdings ist diese Strecke bei weitem nicht so schön, wie der Weg nach Grande de Entrée.

Mehr Fotos gibt es in meiner Galerie.

Die dazugehörigen Video Clips sind weiter unten zu sehen.


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