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Ein Abend auf der Nordermole (06/1992)

26/09/2014 • Archivfunde


watsack_1992_178Ein herrlicher Juniabend 1992 im belebten Travemünde. Ich bin gerade mit der PETER PAN angekommen und laufe vom Skandinavienkai bis zur Nordermole, um das Fährgeschehen dieses Abends auf Negativ zu bekommen. Mit dabei: OIHONNA, STENA FREIGHTER, MALMÖ LINK und ein noch recht junges Schiff, der TT-Line Combi-Carrier NILS DACKE.

Dieser Abend (vom “Fährgeschehen” her betrachtet zum damaligen Zeitpunkt überhaupt nichts Besonderes) zeigt den – meiner Meinung nach – glanzvollen Höhepunkt der TT-Line. Niemals zuvor hatte die Hamburger Reedereigruppe eine höhere Tonnage-Qualität. 1986 und 1987 waren die “Jumbos” PETER PAN und NILS HOLGERSSON in Dienst gestellt worden, kurze Zeit später die “Combi-Carrier” NILS DACKE und ROBIN HOOD. Schließlich auch noch die beiden Olau-Neubauten OLAU HOLLANDIA und OLAU BRITANNIA. Sechs Indienststellungen hochwertiger Fähren innerhalb von nur drei Jahren, allesamt aus Bremerhaven. Das gab es vorher nicht und später auch nicht mehr. Eine junge, moderne und repräsentative Flotte.

watsack_1992_130Natürlich rief das zahlreiche Fragen unter den damaligen Mitarbeitern der TT-Line hervor. Der ein oder andere suchte nach Erklärungen, denn nicht wenige waren der Meinung, das Unternehmen würde kaum (oder gar keine) Gewinne einfahren. Sie waren der festen Überzeugung, die gesamte TT-Welt sei lediglich ein großer Steuerspartrick der Eigner – damals u. a. die Iduna Versicherung. “TT kann gar keine Gewinne einfahren, andernfalls würde es diese Flotte nicht geben. Mit uns spart die Iduna ihre Steuern”, hörte ich von Kollegen aus der Maschine. Andere sahen das wiederum ganz anders: “Selbstverständlich macht TT-Line Gewinne”, konnte man am Landgang vernehmen. Zumindest die Anlagen dafür wären gesät gewesen, immerhin gab es noch den Duty-Free-Verkauf und wesentlich mehr Passagiere als in späteren Jahren. Die Meinungswelt war so bunt wie der über die Toppen gesetzte Flaggenschmuck der PETER PAN beim ersten Einlaufen 1986 in Travemünde.

watsack_1992_141TT-Line selbst schwieg dazu, wie so oft in der über 50-jährigen Geschichte. Wie es auch immer war, es machte viel Spaß, die ausgehenden 1980er und die beginnenden 1990er Jahre aus nächster Nähe mitzuerleben. Allzu lange dauerte dieser Zustand nämlich nicht. 1992 bereits trat “Götterdämmerung” ein. Kurz nachdem diese Bilder auf der Nordermole geschossen wurden, verkündete TT-Line auf einer Mitarbeiterversammlung für 1993 überraschend den Verkauf der PETER PAN nach Tasmanien für 180 Mio. DM (1986 hatte TT der Seebeckwerft rund 150 Mio. DM gezahlt – was für ein Traumverkauf also!). Und setzte sogar einen obendrauf: Rückkehr der FEDRA, die als PETER PAN sowie kurzzeitig ROBIN HOOD ebenfalls glanzvolle Akzente zwischen Travemünde und Trelleborg gesetzt hatte, nur eben im Jahrzehnt vorher.

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