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Die Verschrottung der DANMARK (12/1999)

31.08.2014 • Eisenbahnfähren, Vogelfluglinie


Die ehemalige DSB-Eisenbahnfähre DANMARK traf im August 1999 im Anhang eines Schleppers zur Verschrottung in Nordjütland ein. Nach kurzer Liegezeit begannen im Endsommer die Abbrucharbeiten. Ich besuchte ein letztes Mal im Dezember 1999 das Schiff.

vfl630Schiffsverschrottungen aus der Nähe zu betrachten ist in unseren Breiten kaum möglich. Zumeist wandern die ausgedienten Schiffe jeglicher Art auf indische, pakistanische, manchmal auch türkische Strände. Als beim dänischen Fernsehsender Danmarks Radio jedoch ein Beitrag über die Verschrottung der DSB-Fähren KNUDSHOVED und ASA-THOR gezeigt wurde, schreckte die Öffentlichkeit angesichts der Arbeitsbedingungen auf den indischen Schrottwerften auf. Die Kritik an Scandlines wurde so massiv, dass ein neuer Weg gefunden werden musste, sich den alten Schiffen zu entledigen.

1992_Sommer_3_sdSicherlich nicht unerwartet, trotzdem ein wenig überraschend war die Anfang August 1999 durch die Schifffahrtswelt gehende Meldung, daß das ehemalige Flaggschiff der Dänischen Staatsbahnen auf der Vogelfluglinie, M/F DANMARK, an den dänischen Abbruchbetrieb Fornæs A/S verkauft worden sei. Seit Dezember 1997 dümpelte die 1968 in Dienst gestellte Fähre im dänischen Nakskov vor sich hin und wartete…

vfl733qqWorauf wußte niemand so recht. Anfangs wurde das Schiff mit 2,5 Millionen US-Dollar am Markt für Alttonnage angeboten. Nun ging es für umgerechnet 220.000 DM an den im dänischen Grenaa sitzenden Schrottbetrieb. Die Überführungsreise fand vom 2. bis zum 4. August 1999 statt. Dann war das Schiff an seinem letzten Ziel angekommen.

vfl631Zuerst wurde damit begonnen, das Schiff von Innen auszuschlachten. Decken und Wandverkleidungen wurden entfernt, Möbel, Tische, Stühle und alles, was sich noch weiterverwenden läßt, ausgeräumt. Konnte man Anfangs den Verschrottungsvorgang von außen kaum erkennen, begannen die Abbrucharbeiten außen dann im Oktober. Anfang Dezember war bereits der gesamte achtere Aufbau bis knapp hinter den Schornstein verschwunden. Im Januar 2000 schließlich kam auch die Vorderfront an die Reihe.

Ivfl633m Innern des Schiffes herrschte das programmierte Chaos. Verwundert konnte man sein über die recht saubere Art der Verschrottung. Im Gegensatz zur Arbeitsweise auf den ölverseuchten indischen Stränden wurden hier in Grenaa fein säuberlich die Schiffbaustahlplatten abgebrannt, Sondermüll getrennt in Müllcontainer untergebracht und das Schiff nach System abgerissen.

Mein Besuch wurde zu einer kleinen Abenteuerreise, denn abgesehen davon, dass an diesem Tag mit Sturmtief Anatol der schwerste Orkan des Jahrhunderts über Dänemark tobte, war im Schiff selbst Totenstille. Ich nutzte die Möglichkeit und ging an Bord.

19990206_793Keine Lampen wiesen den Weg, keine Notbeleuchtung erhellte die Szenerie. Massenweise Schrottmaterial fand sich auf dem Eisenbahndeck wieder. Völlig verlassen stand am einstigen Aufgang in die höheren Fahrgastdecks die alte Konsole eines Radargerätes. Dämmaterial säumte die noch intakten Treppenhäuser. Nur mit Hilfe einer Videoleuchte gelang überhaupt der Aufstieg. Die Dunkelheit verschluckte alles. Manchmal war der Weg nach oben völlig versperrt, so dass ich letztendlich das Treppenhaus wählte, welches das Eisenbahndeck mit der Durchgangshalle zwischen der vorderen Cafeteria und dem Informations- und Shopbereich verband. Hier angekommen bot sich ein trostloses Bild. Wo einst die Information und die Bank des Fährschiffes platziert waren, herrschte nun gähnende Leere. Ab hier war bereits alles weggerissen und das nun offene Deck war den Regenschauern des Sturmtiefs ausgesetzt.

vfl632Nur noch mit viel Phantasie und Vorstellungskraft konnte man sich ausmalen, wie im vorderen bereich vor noch gar nicht langer Zeit die Passagiere ihre Speisen zu sich nahmen. Alte Tafeln von Fast- Food- Gerichten hingen gar noch an der Wand der ehemaligen Essensausgabe in der Cafeteria. Durch bereits „aufgetrennte“ Decks plätscherte das Regenwasser und bildete große Pfützen. Ein wenig vorsichtig mußte man schon sein, denn es bestand durchaus die Gefahr, durch ein Loch im Deck nach unten zu fallen.

19990206_758Irgendwann gelangte ich in den vorderen Salon. Hier saßen einst die vielen Skandinavienreisenden. Nun konnte man nicht mal mehr erkennen, welche Funktion der Raum überhaupt mal hatte. Bis auf das Metall der Außenhaut war alles weg. In den Seitenfenstern fehlten teilweise sogar schon die Scheiben. Altes Küchenequipment stand herausgerissen und scheinbar ungeordnet in den Gängen und Räumen.

(Rechts: Als Auflieger in Nakskov)

Unterdessen setzte ich meinen Weg nach oben fort. Ziel war das Bootsdeck mit noch verbliebener Brücke und Mannschaftsunterkünften. Doch auch hier zeigte sich beim näheren Hinsehen, daß die Arbeiter bereits ganze Arbeit geleistet hatten. Der gesamte Decksaufbau war von innen bereits ausgehöhlt. Wände waren gar nicht mehr vorhanden, nur noch die Grundrisse. Hier, wo sich einst Kapitänsunterkunft und Königssalon befanden, tropfte jetzt das Wasser von der Decke. Der Wind riss bereits an den Außenwänden, die zur Hälfte abgebrannt und so Spielball des Sturms waren.

19990206_801Auf der Brücke (Foto: beim Besuch in Nakskov rund ein Jahr vorher), die einst mit viel Holz verkleidet war, ragte nun nur noch der Steuerstand und ein Maschinentelegraf hervor. Ein altes Röhren-Radargerät und das Fahrpult standen demontiert an der Fensterreihe. Jetzt konnte man sogar den Aluminiumaufbau des Eisenbahnfährschiffes erkennen, denn auch hier war bereits alles entfernt worden.

 

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