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Autofahren in Japan

28.06.2015 • Roadtrip Japan, Travel Blog


Über das Autofahren in Japan kann man Vieles lesen. Bei meinen vorherigen Recherchen hatte ich die ganze Bandbreite zur Auswahl. Während es bei dem einen hieß, man solle es bloß lassen, hieß es beim anderen, es sei völlig unproblematisch. Hier nun meine Erfahrungen nach weit über 4000 Kilometern auf japanischen Straßen, sowohl auf Autobahnen wie auch in großen und kleinen Städten.

 

Mehr zum Thema Japan: http://justferries.de/japan


DSC00448In Japan gilt Linksverkehr. So sind dann auch die Autos gestaltet. Rechts ist das Lenkrad, die Bedienhebel für Blinker und Scheibenwischer sind genau “verkehrt” herum – aus europäischer Sicht. Meine ersten 30 Meter enden somit erstmal im Fiasko. Ich will blinken, doch betätige den Scheibenwischer. Und der Blick in den Spiegel nach rechts oben geht ins Leere, weil er links oben sitzt.

Bis auf diese anfänglichen Schwierigkeiten lief dann aber alles nahezu perfekt und zwar so gut, dass ich mich bis zum Schluss wunderte: Wo ist der Haken?

DSC03252Ich empfand das Autofahren in Japan als sehr entspannend. Die Japaner sind sehr disziplinierte Fahrer, hier wird noch geblinkt beim Abbiegen oder Spurwechsel. In den Städten geht es etwas ruppiger zu, hier wird schneller gefahren und auch mal dichter aufgefahren, aber nie genötigt. Lichthupe oder gar hupen habe ich nicht erlebt.

Normalerweise gilt auf den Autobahnen 100, es ist aber oft heruntergesetzt auf 80. Trotz aller Disziplin halten sich viele Japaner nicht daran, sondern fahren schneller. Vor allem LKW drücken auf die Tube und sind häufig auf den rechten Überholspuren zu sehen.

Polizei sieht man kaum, Unfälle ebenfalls. Die Japaner lieben offenbar saubere, neue und moderne Autos. Ich habe noch nie so durchgehend saubere Autos gesehen. Zu meiner Überraschung unterschieden sich die japanischen Modelle teilweise stark von dem, was wir hier in Deutschland an japanischen Autos fahren haben. Die Japaner produzieren speziell für die außerasiatischen Märkte. Absolut erstaunlich ist die Modellvielfalt Toyotas. Toyota scheint mehr Modelle zu produzieren wie Opel Autos. Und die Namen dieser Modelle sind faszinierend. Wer sich bei Toyota Namen für Automodelle ausdenken muss, hat sicher einen Job auf Lebenszeit.

Während wir hier in Deutschland recht viele japanische Automarken auf den Straßen finden, gibt es in Japan nur wenige deutsche Autos. VW, BMW. Mercedes, Porsche, Audi, wenn, dann gerne groß und dick. Man kann sagen, dass wir wesentlich mehr von Japan bei uns haben, als die Japaner von uns.

Die Japaner scheinen ihre Autos zu mögen. Immer wieder kann man sehen, wie sie sie säubern und begutachten. Sie sind wirklich ALLE sehr sauber.

DSC00436Zurück zum Autofahren. Ein besonderes Erlebnis ist das Tanken. Beispiel aus Otaru: Man fährt in die Tankstelle hinein. 3 Mann stehen dort, sehen einen und fallen beinahe über ihre Füße. Einer stürmt los und weist ein. Es ist wie bei einem großen Passagierjet auf dem Flughafen. Mit wedelnden Handbewegungen wird gezeigt, wie man an die Tanksäule heranfahren soll. Manchmal stülpen sie etwas über den Außenspiegel (siehe Foto), von dem ich nur vermuten kann, dass es bedeutet: Achtung, Wagen wird betankt! Wie gesagt, es ist fast wie auf einem Flughafen.

DSC00434Der Kunde ist König. Aufstehen braucht man nicht. Nur sagen, wie man zahlen will, cash oder Kreditkarte. Benzin heißt hier übrigens “regular”. Schon geht es los, die Mitarbeiter betanken den Wagen. Außerdem putzen sie die Fenster. Nicht nur halbherzig und lustlos. Wer das denkt, tut ihnen Unrecht. Nein, sie sind voller Hingabe dabei.

Es schmerzt etwas, diesen Leuten kein Trinkgeld geben zu dürfen, aber das ist in ganz Japan verpönt. Bloß kein Trinkgeld geben. Also sage ich artig “Arigatō” was Danke heißt und die Leute an der Tankstelle wiederum erfreut. Beim Wegfahren schließlich tiefe Verbeugungen und ebenfalls mehrfach “Arigatō”.

So geht das an fast allen Tankstellen in Japan. Meiner Beobachtung zufolge ist es lediglich an einigen westlichen Tankstellen wie Shell oder Mobil anders. Wer aber z. B. zum Tankstellenbetreiber Eneos fährt, erwischt diesen Service immer. Tanken in Japan ist wirklich sehens- und erlebenswert.

DSC00379Autofahren in Japan kann recht teuer sein. Auf den Autobahnen gilt eine Maut. Das Entrichten der Maut ist recht einfach, entweder bar oder per ETC. Ich nutzte das ETC. Bereits bei der Autovermietung erhielt ich eine Karte, die im Auto in ein Lesegerät gesteckt wird. Mit ihr kann man die ETC-Durchfahrten der Mautstellen nutzen. Abgerechnet wird dann hinterher bei der Rückgabe des Autos. Ich weiß nicht, ob jeder Mietwagenanbieter  so etwas im Programm hat; meiner hatte es (Nissan Rent a car, Narita Airport).

An Bahnübergängen hält man übrigens an, auch wenn sie geöffnet sind. Das habe ich beobachtet. Ansonsten sollte man sich vorher schlau machen, was die Verkehrszeichen betrifft, die etwas unterschiedlich zu unseren sind. Stoppschild heißt “Stopp”! Die Japaner halten an, wie es sich gehört. Die Ampeln sind leicht zu verstehen, aber sie befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite einer Kreuzung. Oft sind sie horizontal. Die Gelbphasen sind kürzer als bei uns. Die meisten Straßenschilder sind auch in lateinischer Schrift, dem Rōmaji.

Bleibt am Ende noch zu sagen, dass in Japan ein internationaler Führerschein nicht ausreicht. Man muss seinen Führerschein in Japan ins Japanische übersetzen lassen. Das alles hat vorher zu geschehen. Bei der Mietwagenabholung wird es genau geprüft.

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Auch in größeren Städten wie Osaka ist es das Autofahren kein Problem. Es kann allerdings ziemlich verwirrend sein, wenn Straßen auf mehreren Ebenen verlaufen. Das Navigationsgerät kann dann völlig durcheinanderkommen, wie mir häufiger passierte. Dann heißt es geduldig wie ein Japaner sein… 

 

 

         

 

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